MBDA SPEAR: Die Mini-Marschflugrakete für F-35, Typhoon und unbemannte Träger
Unter 100 Kilogramm, Turbojet und Mehrfachsensorik: Technik, F-35B-Integration, neue Träger und Produktionsstand der SPEAR-Rakete.
MBDA SPEAR ist eine Mini-Marschflugrakete für den inneren Waffenschacht der F-35B – klein genug für hohe Beladung, aber mit eigenem Turbojet, Mehrfachsensorik und Datenverbindung. 2026 begann die Vorserienproduktion. Erste operationelle Flugkörper sollen Anfang 2027 ausgeliefert werden.
Die Waffe ist für Ziele ausgelegt, die sich bewegen, verlegt oder durch Flugabwehr geschützt werden. Vier SPEAR flogen 2026 erstmals im internen Schacht eines F-35B-Testflugzeugs. Zuvor hatte MBDA Ende 2024 gelenkte Schüsse von einem Typhoon-Erprobungsträger durchgeführt. Damit nähert sich das Programm der Einsatzreife, ist aber noch nicht vollständig in die britische F-35-Flotte integriert.
Warum eine kleine Marschflugrakete militärisch interessant ist
Große Marschflugkörper fliegen weit und tragen schwere Gefechtsköpfe, beanspruchen aber viel Platz. SPEAR setzt auf eine andere Rechnung: Ein Flugzeug kann mehrere Waffen gleichzeitig mitführen, verschiedene Ziele in einem Anflug bekämpfen und die gegnerische Abwehr mit mehreren Flugkörpern belasten.
Für die F-35B ist das besonders wertvoll. Die Waffe soll intern getragen werden, damit die geringe Radarsignatur des Jets erhalten bleibt. Das britische Verteidigungsministerium nennt bis zu acht SPEAR pro Flugzeug. Hohe Beladung erlaubt Folgeangriffe oder Salven, ohne für jedes Ziel einen weiteren Träger einzusetzen.
Turbojet, Flügel und Reichweite
Nach dem Abwurf entfaltet SPEAR seine Tragflächen und fliegt mit einem kleinen Turbojet weiter. Im Gegensatz zu einer reinen Gleitbombe kann der Flugkörper Energie über längere Distanz halten, Wegpunkte abfliegen und Ziele jenseits des direkten Sichtbereichs erreichen.
MBDA spricht aktuell von Reichweite jenseits des Horizonts und in technischen Unterlagen von über 100 Kilometern. Die britische Regierung nannte beim Produktionsvertrag 2021 mehr als 140 Kilometer. Solche Zahlen hängen von Abwurfhöhe, Geschwindigkeit, Flugweg und Reserven für den Endanflug ab. Eine einzige Maximalzahl beschreibt das Einsatzprofil daher nur grob.
Mehrfachsensorik und bewegliche Ziele
SPEAR kombiniert Trägheits- und Satellitennavigation mit einem Mehrfachsensor-Suchkopf. Offizielle britische Angaben nennen Radar, Laser und GPS-gestützte Verfahren. Der Radar-Suchkopf kann das Zielgebiet abbilden und Ziele bei schlechtem Wetter erfassen. Der Datenlink soll Zielaktualisierungen und vernetzte Einsätze ermöglichen.
Das ist für mobile Flugabwehr und Fahrzeuge zentral. Zwischen Start und Ankunft können mehrere Minuten liegen. Ohne aktuelle Daten trifft eine Präzisionswaffe möglicherweise nur die Stelle, an der das Ziel früher stand. Wie robust Datenlink und Suchkopf unter massiver Störung arbeiten, gehört zu den ausschlaggebenden, aber nicht vollständig öffentlichen Leistungswerten.
SEAD: Flugabwehr unterdrücken, nicht nur zerstören
MBDA nennt die Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung als Kernmission. Dabei muss nicht jede Radarstellung physisch vernichtet werden. Schon die glaubwürdige Bedrohung zwingt Bediener, Radare abzuschalten, Werfer zu verlegen oder ihre Emissionen zu begrenzen. Dieses Zeitfenster können andere Flugzeuge und Waffen nutzen.
Die geringe Gefechtskopfgröße begrenzt die Wirkung gegen stark verbunkerte Ziele. SPEAR ist auf präzise Effekte gegen hochwertige mobile oder leicht geschützte Ziele zugeschnitten. Für große Infrastruktur oder tief gehärtete Anlagen braucht eine Luftwaffe andere Waffen.
F-35B, Typhoon und neue Träger
Die ersten gelenkten Erprobungsschüsse fanden 2024 von einem Typhoon statt. Anfang 2026 trug ein F-35B vier Instrumentierungsflugkörper im internen Schacht; die Daten dienen Umwelt-, Integrations- und Freigabeprüfungen. Weitere Schritte umfassen Missionssystemintegration und Abwurftests.
Für externe Stationen entwickelt MBDA einen Dreifachstarter, der Anfang 2027 zertifiziert verfügbar sein soll. Damit kann SPEAR auf Typhoon und weiteren Plattformen eingesetzt werden. 2026 kündigten MBDA und General Atomics eine Integrationsabsicht für unbemannte Systeme an. Eine Absicht oder Passprobe ist jedoch noch keine freigegebene Einsatzfähigkeit.
Auch die Einbindung in den KF-21 Boramae wurde vertraglich aufgegriffen. Jede neue Plattform verlangt eigene aerodynamische, elektrische und softwareseitige Prüfungen.
Produktion und Zeitplan
Der britische Produktionsvertrag von 2021 hatte einen Wert von 550 Millionen Pfund. MBDA meldete im Juli 2026 den Beginn der Low-Rate Initial Production. Erste operationelle Raketen sollen Anfang 2027 ausgeliefert werden. Das ist ein klarer Fortschritt gegenüber älteren Zeitplänen, ersetzt aber nicht die vollständige F-35B-Zertifizierung.
Für den militärischen Wert zählt anschließend die Stückzahl. Eine Waffe, die Salven und hohe Beladung verspricht, braucht eine entsprechende Produktionsrate und Vorratshaltung. Der Stückpreis ist nicht öffentlich belastbar genug, um das Kostenverhältnis abschließend zu bewerten.
Redaktionelle Bewertung
SPEAR schließt die Lücke zwischen Gleitmunition und großer Marschflugrakete. Turbojet, Mehrfachsensorik, Datenlink und hohe Beladung passen zu beweglichen Zielen und Flugabwehrunterdrückung. Die geringe Größe schafft taktische Masse, begrenzt aber den Gefechtskopf.
2026 ist die Waffe vom Entwicklungsprojekt in die frühe Produktion übergegangen. Der nächste Prüfstein ist nicht eine Messepräsentation, sondern die komplette Freigabe auf F-35B und später weiteren Trägern. Mehr zu Präzisionswaffen finden Sie in unserer Kategorie Raketen und Lenkflugkörper.
Häufige Fragen zu MBDA SPEAR
Wie weit fliegt MBDA SPEAR?
MBDA nennt mehr als 100 Kilometer; die britische Regierung veröffentlichte früher eine Angabe von über 140 Kilometern. Die tatsächliche Reichweite hängt vom Einsatzprofil ab.
Wie viele SPEAR kann eine F-35B tragen?
Das britische Verteidigungsministerium nennt bis zu acht Waffen im internen Schacht.
Ist SPEAR bereits einsatzbereit?
Die Vorserienproduktion läuft seit 2026, erste operationelle Auslieferungen sind für Anfang 2027 geplant. Die vollständige Plattformintegration wird weiter erprobt.
Kann SPEAR bewegliche Ziele angreifen?
Ja. Mehrfachsensorik und Datenverbindung sind ausdrücklich für bewegliche und manövrierende Ziele vorgesehen.
Ist SPEAR eine Anti-Radar-Rakete?
SPEAR soll Flugabwehr unterdrücken, ist aber eine flexible Präzisionswaffe gegen verschiedene Land- und Seeziele. SPEAR-EW ist eine gesonderte Variante für elektronische Wirkung.
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