GMARS: Europas neuer Doppelwerfer für GMLRS, PrSM und Raketen großer Reichweite

Rheinmetall und Lockheed Martin versprechen die Feuerkraft eines Doppelwerfers auf einem hochmobilen Radfahrgestell. Nach dem ersten scharfen Schuss muss GMARS aber noch beweisen, dass daraus ein Serienprogramm wird.

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GMARS ist die europäisch-amerikanische Antwort auf eine Lehre des Ukraine-Krieges: Raketenartillerie braucht Reichweite, Präzision, große Munitionsvorräte und die Fähigkeit, nach dem Schuss sofort den Standort zu wechseln. Rheinmetall und Lockheed Martin setzen deshalb zwei MLRS-kompatible Raketenbehälter auf ein schweres HX-8×8-Fahrgestell. Das ergibt auf dem Papier die Feuerkraft eines M270-Doppelwerfers mit der Straßenmobilität eines Radfahrzeugs. Doch GMARS ist noch kein eingeführtes Waffensystem.

GMARS: Europas neuer Doppelwerfer für GMLRS, PrSM und Raketen großer Reichweite [Bildinhalt mit KI erstellt]
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Das Wichtigste in Kürze: GMARS trägt zwei Raketenbehälter und kann laut Hersteller zwölf GMLRS beziehungsweise ER GMLRS, zwei ATACMS oder vier PrSM aufnehmen. Das Fahrzeug wiegt gefechtsbereit weniger als 40 Tonnen, erreicht bis zu 100 km/h und soll rund 700 Kilometer Fahrbereich bieten. Zwei Soldaten bedienen das System; eine dritte Person kann in der Kabine mitfahren. Im August 2025 absolvierte GMARS in White Sands den ersten scharfen Schuss mit zwei GMLRS-Raketen. Eine öffentlich bestätigte Serienbestellung oder Einführung bei der Bundeswehr gibt es mit Stand dieses Dossiers nicht.

Redaktionsstand: 21. August 2026. GMARS befindet sich in Demonstration und Vermarktung. Technische Werte und Kompatibilitätsangaben stammen überwiegend von Rheinmetall und Lockheed Martin und sind als Herstellerangaben gekennzeichnet. Bild mit KI generiert – redaktionelle Konzeptdarstellung, keine Aufnahme eines realen Serienfahrzeugs.

GMARS: der öffentlich bekannte Stand

Merkmal Angabe beziehungsweise Status
Entwickler Rheinmetall und Lockheed Martin, Kooperation seit 2023
Fahrgestell Rheinmetall MAN Military Vehicles HX 8×8
Startbehälter zwei MLRS-kompatible Raketenpods
Gefechtsgewicht unter 40 t, Herstellerangabe
Leergewicht rund 30,5 t, Herstellerangabe
Abmessungen 9,8 m lang, 2,5 m breit; in Transportstellung 3,9 oder 4,3 m hoch, abhängig vom Ladesystem
Geschwindigkeit bis 100 km/h, Herstellerangabe
Fahrbereich nominal rund 700 km, Herstellerangabe
Besatzung zwei, Kabine für drei Personen
Erster scharfer Schuss 4. August 2025 in White Sands, zwei GMLRS-Raketen
Beschaffungsstatus keine öffentlich bestätigte Serienbestellung

Warum ein neuer Raketenwerfer?

Präzisionsraketen können Gefechtsstände, Flugabwehr, Logistikknoten, Brücken und Artillerie weit hinter der Front treffen. Ihre Wirkung hängt jedoch von einer Kette ab: Sensoren müssen ein Ziel erkennen, Führungsstellen müssen es freigeben, der Werfer muss schnell in Stellung gehen, feuern und verschwinden. Gegnerische Radar-, Drohnen- und Satellitenaufklärung versucht gleichzeitig, genau diesen Ablauf zu entdecken.

Die europäischen M270- beziehungsweise MARS-II-Systeme besitzen zwei Startbehälter und hohe Feuerkraft, fahren aber auf Ketten. HIMARS ist auf der Straße schneller und leichter verlegbar, trägt jedoch nur einen Behälter. GMARS soll beide Eigenschaften verbinden: zwei Pods auf einem weit verbreiteten 8×8-Lkw.

Das Konzept richtet sich besonders an europäische Nutzer, deren Verbände große Entfernungen über Straßennetze zurücklegen müssen. Es passt außerdem zu den sogenannten mittleren Kräften der Bundeswehr, die hohe operative Mobilität mit geschützter Wirkung verbinden sollen. Eine konzeptionelle Passung ist jedoch keine Beschaffungsentscheidung.

Rheinmetall und Lockheed Martin: geteilte Kompetenzen

Lockheed Martin liefert die Erfahrung aus dem MLRS- und HIMARS-Systemverbund, dem Feuerleitsystem und der amerikanischen Raketenfamilie. Rheinmetall bringt das HX-Fahrgestell, europäische Integration, Fertigung und logistische Unterstützung ein. Die Partner arbeiten seit 2023 am System.

Das industrielle Versprechen lautet, bewährte Komponenten zu kombinieren, statt Fahrgestell und Munition vollständig neu zu entwickeln. Das kann Entwicklungsrisiken senken und vorhandene Munitionsbestände nutzbar machen. Gleichzeitig bleibt die Systemintegration anspruchsvoll: Rückstoß- und Startlasten, Vibration, Schwerpunkt, Stromversorgung, Feuerleitung, Datenverbindungen und Sicherheitslogik müssen als Gesamtsystem qualifiziert werden.

Das HX-8×8-Fahrgestell

GMARS basiert auf der HX-Lkw-Familie von Rheinmetall MAN Military Vehicles. Nach Herstellerangaben sind weltweit mehr als 20.000 HX-Fahrzeuge bei über 15 Nutzern im Einsatz. Diese Verbreitung kann Ersatzteilversorgung und Ausbildung erleichtern, garantiert aber nicht, dass jede nationale HX-Variante mit dem Raketenwerfer identisch ist.

Das Fahrzeug ist 9,8 Meter lang und 2,5 Meter breit. Die Höhe beträgt in Transportstellung je nach gewähltem Ladesystem 3,9 Meter mit Kran oder 4,3 Meter mit Ausleger und Hebezeug. Leer nennt Rheinmetall rund 30,5 Tonnen, gefechtsbeladen weniger als 40 Tonnen.

Bis zu 100 km/h und ein nominaler Fahrbereich von 700 Kilometern sind für operative Verlegung attraktiv. Sie sagen jedoch wenig über Bewegung im tiefen Gelände aus. Ein schwerer 8×8-Werfer besitzt andere Bodendruck-, Graben- und Hinderniseigenschaften als ein Kettenfahrzeug. Auf befestigten Straßen liegt seine Stärke, in sehr weichem Boden kann der M270 Vorteile behalten.

Zwei Pods: der Kern des Konzepts

Der Werfer trägt zwei austauschbare Startbehälter. Dadurch verdoppelt sich die Bereitschaftsmunition gegenüber einem HIMARS, ohne dass ein zweites Fahrzeug erforderlich ist. Die beiden Pods können grundsätzlich auch unterschiedliche Munition aufnehmen, sofern Feuerleitung, Einsatzregeln und nationale Freigaben dies erlauben.

Rheinmetall bezeichnet GMARS als einzigen radmobilen Zweipod-Werfer mit Kompatibilität zur MLRS-Munitionsfamilie. Das ist eine Herstellerbehauptung und bezieht sich auf die angebotene Konfiguration. Entscheidend für einen Kunden wäre nicht das Alleinstellungsmerkmal auf dem Datenblatt, sondern die zertifizierte Waffenliste im nationalen Systemstand.

Die hohe Salvenkapazität hat taktische und logistische Folgen. Ein GMARS kann mehr Ziele bearbeiten oder eine dichtere Wirkung erzeugen, benötigt danach aber zwölf neue GMLRS-Raketen beziehungsweise entsprechend schwere Spezialmunition. Versorgung, Lagerung, Transportfahrzeuge und geschützte Umschlagplätze bestimmen, wie lange diese Feuerkraft durchgehalten werden kann.

Munition und Reichweiten

Munition Beladung genannte Reichweite Einordnung
GMLRS 12 Raketen mehr als 70 km eingeführte MLRS-Familie; konkrete Variante und nationale Freigabe entscheidend
ER GMLRS 12 Raketen bis 150 km Reichweitenziel beziehungsweise Herstellerangabe je nach Variante
ATACMS 2 Raketen bis 300 km ältere taktische Raketenfamilie, begrenzte Verfügbarkeit
PrSM 4 Raketen mehr als 400 km neue US-Präzisionsrakete; Export und Softwarefreigabe offen
SLCM nicht veröffentlicht mehr als 370 km künftige Option in Rheinmetall-Unterlagen, keine bestätigte GMARS-Serienintegration
122-mm-Rakete nicht veröffentlicht rund 22 km künftige kostengünstige Option, Integrationsstatus offen

Reichweitenangaben sind kein Garantieabstand für jeden Schuss. Flugprofil, Gefechtskopf, Wetter, Zielkoordinaten und nationale Softwarekonfiguration beeinflussen die Leistung. Bei PrSM und künftigen Flugkörpern kommen Exportkontrolle, Freigaben der US-Regierung und Verfügbarkeit hinzu.

GMLRS und ER GMLRS

GMLRS ist die etablierte Präzisionsrakete der MLRS-Familie. Sie nutzt satellitengestützte und inertiale Navigation und existiert mit unterschiedlichen Gefechtsköpfen. Die Bundeswehr setzt auf MARS II derzeit M31/M31A1 Unitary ein. Das Verteidigungsministerium nennt für ältere GMLRS-Stände Reichweiten bis 84 Kilometer; die GMARS-Unterlagen formulieren mehr als 70 Kilometer.

ER GMLRS soll die Reichweite auf bis zu 150 Kilometer steigern, ohne das Grundprinzip des Sechserpods aufzugeben. Für europäische Artillerie wäre das eine deutliche Vergrößerung des Wirkraums. Die Rakete muss aber in der jeweiligen GMARS-Software qualifiziert und durch den Nutzer beschafft werden.

ATACMS und PrSM

ATACMS belegt einen ganzen Pod; GMARS könnte zwei Raketen tragen. Die Familie erreicht je nach Variante bis zu 300 Kilometer. Sie wird langfristig durch PrSM ersetzt, das kompakter ist: Zwei PrSM passen in einen Behälter, vier auf den Doppelwerfer.

Lockheed Martin nennt für frühe PrSM-Stände mehr als 400 Kilometer. Spätere Increments sollen neue Suchköpfe und größere Reichweite bringen. Für GMARS sind solche Fähigkeiten nicht automatisch verfügbar. Integration, Exportfreigabe, nationale Ziel- und Feuerleitverfahren sowie Beschaffung der Raketen sind eigene Entscheidungen.

Künftige europäische Raketen

Rheinmetall führt außerdem eine 122-mm-Rakete und einen bodengestützten Marschflugkörper mit mehr als 370 Kilometern als künftige Optionen. Diese Angaben zeigen den Anspruch einer offenen europäischen Munitionspalette, belegen aber noch keine einsatzreife Integration.

Gerade hier entscheidet sich die strategische Bedeutung des Systems. Bleibt GMARS ausschließlich von US-Munition abhängig, ist die Interoperabilität hoch, die europäische Liefer- und Freigabesouveränität aber begrenzt. Gelingt die Qualifikation europäischer Effektoren, könnte der Werfer unterschiedliche Lieferketten und Reichweitenklassen verbinden.

Feuerleitung und NATO-Interoperabilität

Die Partner versprechen Interoperabilität mit M270A2 und HIMARS. Das umfasst mehr als mechanisch passende Pods. Feuerbefehle, Zielkoordinaten, ballistische Daten, Kryptografie, Freund-Feind-Informationen, Wetterdaten und Sicherheitsfreigaben müssen in das nationale Führungsnetz eingebunden werden.

GMARS soll die bewährte MLRS-Feuerleitlogik nutzen. Ein Kunde könnte dadurch Ausbildung und Verfahren mit bestehenden Nutzern teilen. Welche nationale Software, Funkgeräte und Führungsmittel integriert werden, hängt jedoch vom Auftrag ab. Details zur Cyberhärtung und zu Datenlinks sind nicht öffentlich.

Im modernen Artilleriegefecht ist die Geschwindigkeit der Sensorkette oft wichtiger als die maximale Flugweite. Ein 400-Kilometer-Flugkörper hilft wenig, wenn Ziele nicht rechtzeitig erkannt und rechtlich freigegeben werden. Umgekehrt kann ein weitreichender Sensorverbund einen Werfer auch ohne eigene Sicht auf das Ziel wirksam machen.

Besatzung und Automatisierung

Zwei Soldaten sollen GMARS bedienen; die Kabine bietet Platz für drei. Die kleine Besatzung senkt den Personalbedarf pro Werfer und ermöglicht schnelle Stellungswechsel. Automatisierte Navigation, Ausrichtung, Feuerleitung und Systemdiagnose übernehmen Aufgaben, die früher mehr Hände verlangten.

Der Vorteil darf nicht mit geringer Gesamtbelastung verwechselt werden. Tarnen, Sichern, Warten, Beladen, Kommunizieren und langes Fahren bleiben personalintensiv. Eine dritte Person kann Führungs- oder Entlastungsaufgaben übernehmen. Für den Dauerbetrieb benötigt eine Batterie außerdem Instandsetzung, Munitionsversorgung, Führungsstellen, Aufklärung und Schutzkräfte.

Nachladen ohne Abstützungen

GMARS benötigt laut Hersteller beim Feuern keine hydraulischen Abstützungen. Das spart Zeit beim Einrichten und Verlassen der Stellung. Für das Nachladen bietet Rheinmetall zwei Lösungen an: einen Ausleger mit Hebezeug oder einen Kran.

Selbstbeladung erhöht die Autonomie, macht das Fahrzeug aber höher und schwerer. Ein Kran kann vielfältig einsetzbar sein, benötigt Platz und Wartung. Im Gefecht bleibt Nachladen ein verwundbarer Moment: Die Besatzung arbeitet außerhalb der Kabine, schwere Pods werden bewegt und der Standort ist länger belegt. Gute Ausbildung und getrennte Ladeplätze sind deshalb entscheidend.

„Shoot and scoot“: Mobilität als Schutz

Raketenstarts erzeugen sichtbare Signaturen. Satelliten, Drohnen, Schall- und Radarsensoren können den Abschussraum erfassen. Die beste Panzerung eines Werfers besteht daher oft in Geschwindigkeit: Feuerauftrag empfangen, Stellung beziehen, ausrichten, schießen und sofort verlegen.

Der Verzicht auf Abstützungen und das straßenschnelle HX-Fahrgestell dienen diesem Ablauf. Zwei Pods können allerdings eine längere Salve bedeuten. Der Kommandant muss abwägen, ob maximale Feuerkraft die zusätzliche Standzeit rechtfertigt. In einer hochbedrohten Lage kann es sinnvoller sein, nur einen Teil der Munition abzugeben und sofort zu wechseln.

Mobilität schützt nicht gegen alles. Drohnen können Marschrouten verfolgen, elektronische Aufklärung kann Funkverkehr orten, Minen können Ausweichwege sperren. GMARS benötigt deshalb Luftverteidigung, Tarnung, Emissionsdisziplin und vorbereitete Wechselstellungen.

Der erste scharfe Schuss 2025

Am 4. August 2025 meldeten Rheinmetall und Lockheed Martin den ersten scharfen Schuss auf der White Sands Missile Range in New Mexico. Das System startete zwei GMLRS-Raketen. Damit wurde nachgewiesen, dass Demonstrator, Feuerleitung und Standardrakete unter Testbedingungen zusammenarbeiten.

Der Versuch war ein wichtiger Meilenstein, aber keine vollständige Einsatzprüfung. Ein Serienprogramm benötigt Schießtests mit verschiedenen Munitionsarten, Umwelt- und Dauererprobung, Nachweis der Transport- und elektromagnetischen Verträglichkeit, Sicherheitszulassung sowie Truppenversuche. Wie weit diese Schritte 2026 fortgeschritten sind, ist öffentlich nicht im Detail dokumentiert.

GMARS und die Bundeswehr

Rheinmetall positioniert GMARS für europäische Nutzer und ausdrücklich im Umfeld der mittleren Kräfte des deutschen Heeres. Das macht Deutschland zu einem naheliegenden Markt, bedeutet aber nicht, dass die Bundeswehr das System ausgewählt hat.

Die Bundesregierung erklärte 2024, fünf an die Ukraine abgegebene MARS-II-Werfer durch fünf PULS-Systeme ersetzen zu wollen. PULS und GMARS sind unterschiedliche Angebote. MARS II bleibt bei der Bundeswehr eingeführt. Eine öffentlich bestätigte Bestellung von GMARS liegt mit Stand 21. August 2026 nicht vor.

Für eine künftige größere Raketenartillerie könnten mehrere Systeme, europäische Fertigung und verschiedene Munitionsfamilien diskutiert werden. Eine belastbare Aussage über Stückzahl, Standort oder Einführungstermin von GMARS wäre derzeit Spekulation.

GMARS im Vergleich zu M270 und HIMARS

Kriterium GMARS M270/MARS II HIMARS
Fahrwerk 8×8-Rad Kette 6×6-Rad
Pods 2 2 1
GMLRS-Bereitschaft 12 12 6
Schwerpunkt Feuerkraft plus Straßenmobilität Geländegängigkeit plus Doppelpod geringeres Gewicht plus strategische Verlegbarkeit
Status Demonstrator, keine bestätigte Serie eingeführt eingeführt

Die Tabelle ist keine Rangliste. HIMARS ist leichter und unter bestimmten Bedingungen einfacher luftverlegbar. M270 besitzt Kettenmobilität und eine bestehende Nutzerbasis. GMARS bietet auf dem Papier die größte Straßenmobilität bei zwei Pods, muss seine logistischen und taktischen Vorteile aber erst in einem Beschaffungs- und Truppenprogramm nachweisen.

Welche Ziele kann GMARS bekämpfen?

  • Artillerie und Flugabwehr: präzise Schläge gegen aufgeklärte Batterien, Radare und Startgeräte.
  • Führung: Gefechtsstände, Kommunikationsknoten und Sensorzentren.
  • Logistik: Munitionslager, Umschlagpunkte und wichtige Versorgungseinrichtungen.
  • Infrastruktur: militärisch genutzte Brücken, Flugplätze und Verkehrsknoten im Rahmen des Völkerrechts.
  • Bewegliche Ziele: nur mit ausreichend aktueller Zielinformation und dafür geeigneten Suchköpfen.

Die Wahl des Gefechtskopfes muss zum Ziel passen. Präzision allein ersetzt keine gesicherte Identifizierung. Bei großen Reichweiten steigt die Bedeutung aktueller Daten, weil bewegliche Ziele den Treffpunkt während der Flugzeit verlassen können.

Die größten Programmrisiken

  • Fehlende Bestellung: Ohne Ankerkunden bleibt GMARS ein Demonstrator.
  • Munitionsabhängigkeit: US-Flugkörper unterliegen Verfügbarkeit und Exportfreigaben.
  • Europäische Integration: angekündigte Raketenoptionen müssen real qualifiziert werden.
  • Gewicht: knapp 40 Tonnen verlangen geeignete Straßen, Brücken und Bergefahrzeuge.
  • Signatur: ein großer Werfer bleibt für Drohnen und Satelliten auffällig.
  • Kosten: Fahrzeugpreis und vor allem der Verbrauch teurer Präzisionsraketen sind nicht veröffentlicht.

Offene und klassifizierte Details

Nicht öffentlich sind der Angebotspreis, geplante Stückzahlen, Schutzstufe der Kabine, Reaktions- und Nachladezeiten unter Einsatzbedingungen, genaue Geländedaten, Kommunikations- und Kryptografieausstattung, nationale Feuerleitkonfigurationen, Signaturen sowie die vollständige qualifizierte Waffenliste.

Auch bei PrSM und künftigen europäischen Flugkörpern ist zwischen mechanischer Aufnahme, softwareseitiger Integration, Schießnachweis und militärischer Zulassung zu unterscheiden. Erst wenn alle Stufen abgeschlossen sind, kann eine Munition als einsatzbereit gelten.

Redaktionelle Einordnung: Die Rakete entscheidet mehr als der Werfer

GMARS ist technisch plausibel, weil er zwei erprobte Welten verbindet: den HX-Lkw und die MLRS-Munitionsfamilie. Seine strategische Bedeutung hängt dennoch weniger vom Fahrgestell als von der verfügbaren Rakete ab. Reichweite, Gefechtskopf, Produktionsrate und Freigaberecht bestimmen die Wirkung.

Für Europa wäre ein Doppelwerfer mit offener Munitionspalette attraktiv. Er könnte amerikanische Interoperabilität und europäische Lieferfähigkeit verbinden. Doch diese Souveränität existiert erst, wenn europäische Raketen tatsächlich integriert, finanziert und in Stückzahl produziert sind. Bis dahin bleibt GMARS vor allem ein leistungsfähiges Angebot auf einem umkämpften Markt.

Fazit

GMARS verspricht zwölf GMLRS-Raketen, vier PrSM oder zwei ATACMS auf einem 100 km/h schnellen 8×8-Fahrzeug. Der erste scharfe Schuss 2025 zeigte, dass das Grundkonzept funktioniert. Reichweite, Doppelpod und weit verbreitetes Fahrgestell machen das System für europäische Raketenartillerie interessant.

Der entscheidende Schritt steht noch aus: ein verbindlicher Kunde, eine qualifizierte Serienkonfiguration und eine verlässlich verfügbare Munitionsfamilie. Solange diese Punkte offen sind, ist GMARS kein eingeführter Nachfolger von MARS II oder HIMARS, sondern ein vielversprechender Demonstrator mit erheblichem Potenzial.

Offizielle Quellen

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