Russlands Rüstungsboom: Peak 2025 erreicht?

Hat Russlands Rüstungsboom 2025 seinen Höhepunkt erreicht? Nach fast vier Jahren Krieg gegen die Ukraine meldet der Kreml Rekordausgaben, volle Werke und selbstbewusste Töne aus Moskau. Doch gleichzeitig mehren sich Signale, dass die Dynamik nachlässt: geringere Wachstumsraten in kriegsnahen Branchen, sinkende Importe von Dual-Use-Gütern und weniger offene Stellen in der Rüstungsindustrie. Der Artikel zeigt, warum 2025 wie ein Wendepunkt wirkt – und warum Russland seine Kernproduktion zwar wohl halten kann, aber bei Hightech-Komponenten zunehmend an Grenzen stößt.

Russlands Rüstungsboom: Peak 2025 erreicht?
Russlands Rüstungsboom: Peak 2025 erreicht?

Das Wichtigste in Kürze

  • Russlands Militärausgaben stiegen seit 2021 fast um 300%: von 3,6 Billionen Rubel auf 13,5 Billionen Rubel für 2025 (39 auf 147 Mrd. Dollar).
  • Der Rüstungssektor zog massenhaft Personal an: 600.000–700.000 Neueinsteiger 2023–24, insgesamt rund 3,8 Mio. Beschäftigte (etwa 5% der Erwerbstätigen).
  • 2025 schwächt sich das Wachstum ab: Das Wirtschaftsministerium erwartet nur 1% Industrieplus (nach 5,6% im Vorjahr).
  • Kriegsrelevante Produktionszuwächse fallen deutlich niedriger aus als 2024 – außer bei „sonstigem Transport“ (u. a. Panzer/Drohnen), der stabil bleibt.
  • Sanktionen wirken schleichend: Russland kann Kernmaterial wohl weiter liefern, doch fortschrittliche Systeme werden durch fehlende Hightech-Komponenten teurer und schwieriger.

Hat Russlands Rüstungsboom 2025 seinen Peak erreicht?

Die Militärausgaben bleiben extrem hoch, aber Produktions- und Rekrutierungsindikatoren verlieren 2025 an Tempo. Kernprodukte wie Drohnen, Panzer und Munition kann Russland voraussichtlich weiter in großen Mengen herstellen. Gleichzeitig erschweren Sanktionen die Beschaffung moderner Mikroelektronik, wodurch Hightech-Waffensysteme langfristig teurer und schwerer produzierbar werden.

Produktionszahlen zeigen: Wachstum, aber weniger Schub

Russlands Kriegswirtschaft war 2023 und 2024 ein Wachstumsmotor. 2025 wirkt dieser Motor weniger kräftig. Das zeigt sich besonders in den Branchen, die direkt für Artillerie, Munition und militärische Elektronik wichtig sind. Zwar steigen die Werte weiter, aber nicht mehr mit der Wucht des Vorjahres.

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Genau das ist typisch für einen Boom, der an Reife verliert. Gleichzeitig bleibt ein Bereich stabil: „sonstige Transportausrüstung“, also etwa Panzer und Drohnen. Das spricht dafür, dass Prioritäten stärker auf Kernbedarf im Krieg ausgerichtet werden. Der Boom kippt also nicht abrupt, aber er flacht ab.

Tabelle: Produktionswachstum in kriegsrelevanten Sektoren

Sektor (kriegsrelevant) Wachstum 2025 (Jan–Okt) Wachstum 2024
Metallerzeugnisse (u. a. Artillerie/Munition) 15,9% 31,6%
Computer-, Elektronik- und optische Güter (militärnah) 13,6% 27,9%
Sonstige Transportausrüstung (u. a. Panzer/Drohnen) 33,1% 34,2%

Rekordausgaben und ein neues „Kriegs-Sozialmodell“

Die finanziellen Dimensionen sind zentral für die Frage nach dem Peak. Russlands Militärbudget steigt laut Text seit 2021 fast um 300%. Für 2025 sind 13,5 Billionen Rubel eingeplant, zuvor waren es 3,6 Billionen. Diese massive Nachfrage des Staates wirkt wie ein Dauerauftrag an die Industrie.

Ein Experte von Chatham House beschreibt das als „Defense Keynesianism“. Gemeint ist: Wachstum entsteht, weil der Staat gigantische Rüstungsaufträge bezahlt. Das kann die Gesamtwirtschaft stützen, aber es macht sie auch abhängig. Wenn der Staat irgendwann weniger bestellt oder später zahlt, entsteht sofort Stress. Genau solche Reibungen tauchen 2025 immer sichtbarer auf.

Arbeitskräfte-Boom: hohe Löhne, aber sinkende Nachfrage

Der Rüstungssektor zog Personal aus anderen Branchen an, weil die Bezahlung stark stieg. Große Produzenten wie Kalashnikov oder die Alabuga-Drohnenfabrik warben mit vielen offenen Stellen. Genannt wird ein Richtwert von rund 150.000 Rubel Monatslohn für Shopfloor-Jobs.

Das liegt laut Text fast doppelt so hoch wie der nationale Medianlohn. Offiziell sollen 2023–24 etwa 600.000 bis 700.000 Menschen neu in den militärisch-industriellen Komplex gegangen sein. Insgesamt arbeiteten dort damit rund 3,8 Millionen Menschen, etwa 5% der Arbeitskräfte. Doch 2025 kühlt die Rekrutierung ab. Ein Bericht von Novaya Gazeta Europe deutet auf weniger Vakanzen hin. Das ist ein wichtiges Signal: Wenn weniger gesucht wird, ist die „Aufheizphase“ oft vorbei.

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Tabelle: Rekrutierungsindikator (Online-Vakanzen)

Zeitraum Vakanzen bei Rüstungs-/militäraffiliierten Firmen
Sommer 2024 ca. 52.000
Sommer 2025 ca. 34.500

Dual-Use-Importe: weniger Zufluss aus China

Neben Produktion und Personal ist die Versorgung mit Komponenten entscheidend. Der Text betont, dass Importe von Dual-Use-Gütern sinken. Diese Güter sind im Westen wegen möglicher militärischer Nutzung besonders eingeschränkt. Russland bezieht viel aus China, und genau dort zeigen die Zahlen einen Rückgang.

Für Januar bis November 2025 werden Importe relevanter Güter aus China von 2,6 Milliarden Dollar genannt. Das entspricht einem Minus von 3,7% gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig liegen die Importe 14,4% unter dem Vergleichszeitraum 2023. Das ist doppelt relevant: weniger Menge und damit potenziell mehr Beschaffungsdruck. Und es erhöht die Kosten, weil Ersatzwege oft teurer sind. So entstehen Engpässe, die nicht sofort alles stoppen, aber die Expansion begrenzen.

Tabelle: Battlefield-relevante Importe aus China

Zeitraum Wert Veränderung
Jan–Nov 2025 2,6 Mrd. $ -3,7% ggü. Vorjahr
Jan–Nov 2025 vs. Jan–Nov 2023 -14,4%

Strukturprobleme: Korruption, Auftragslücken und Zahlungsstau

Der Artikel zeichnet auch ein Bild aus dem Inneren der Lieferketten. Viele Details sind geheim, doch es gibt „sporadische“ Hinweise auf Graft und Lücken in der staatlichen Beschaffung. Beispiel: Staatsanwälte wollen KIMP verstaatlichen, einen Zulieferer von Lagern, und werfen den Eigentümern Bereicherung „auf Kosten vitaler Interessen“ vor. Gleichzeitig berichten einzelne Betriebe von finanziellen Schwierigkeiten. Genannt werden Optron-Stavropol und die Mikroelektronikgruppe Angstrem.

Sogar bei einem großen Akteur, der United Shipbuilding Corporation, wird von Entlassungen im Werk Rybinsk wegen fehlender neuer Aufträge gesprochen. Dazu kommt ein harter Kurs des Staates gegen Nichterfüllung: Mindestens 34 Personen wurden seit Kriegsbeginn wegen Problemen bei Staatsverteidigungsverträgen angeklagt. Ein extremes Protestzeichen war die Selbstverbrennung von Vladimir Arsenyev im Juli 2024 auf dem Roten Platz, als Reaktion auf die als „stalinistisch“ beschriebenen Methoden. All das passt zu einem Boom, der an operative Grenzen stößt.

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Hält Russland das Niveau – oder kippt es erst später?

Trotz der Bremsanzeichen sieht der zitierte Experte noch keinen Kipppunkt. Russland habe genügend Ressourcen, um die militärische Maschine auf dem aktuellen Niveau zu halten, teils sogar darüber. Als Kernprodukte nennt er Drohnen, Panzer und Munition. Das ist wichtig: Ein Peak bedeutet hier eher „Peak des Wachstums“, nicht zwingend „Peak der Menge“.

Gleichzeitig betont der Text die schleichende Wirkung der Sanktionen. Je länger sie greifen, desto schwieriger wird die Beschaffung moderner Komponenten. Genannt werden Mikroelektronik und siliziumbasierte Teile, die für elektronische Kriegsführung, Weltraumsysteme und Präzisionszieltechnik nötig sind. Das bedeutet: Masse kann bleiben, aber Qualität und technische Weiterentwicklung werden teurer. Damit verschiebt sich die Frage vom „Ob“ zum „Wie lange“ und „zu welchem Preis“. Genau hier liegt die Pointe des Titels: 2025 wirkt wie der Moment, in dem der Boom nicht mehr schneller wird, sondern komplizierter.

Fazit

2025 könnte der Peak des Rüstungsbooms sein, weil Wachstum, Importe und Rekrutierung an Schwung verlieren. Russlands Staat hält die Nachfrage zwar auf Rekordniveau, doch Zahlungsstau, Auftragslücken und Engpässe bei Hightech-Komponenten bremsen die Dynamik. Kurzfristig bleibt die Kernproduktion wahrscheinlich stabil. Langfristig wird sie teurer – und technisch verwundbarer. Wer verstehen will, wie Kriegswirtschaft kippt, findet hier die wichtigsten Indikatoren.

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