Rheinmetall steigt in Marineschiffbau ein

Die EU-Kommission hat grünes Licht gegeben: Rheinmetall darf die Militärsparte der Lürssen übernehmen. Damit steigt der Düsseldorfer Rüstungskonzern offiziell in den Marineschiffbau ein. Vier norddeutsche Werften wechseln den Eigentümer. Die Entscheidung markiert einen strategischen Wendepunkt für Rheinmetall. Das Unternehmen erweitert sein Portfolio deutlich. Gleichzeitig stärkt es seine Position im Verteidigungssektor. Die Genehmigung durch die EU-Wettbewerbshüter erfolgte nach eingehender Prüfung. Wettbewerbsrechtliche Bedenken sieht Brüssel nicht.

Rheinmetall steigt in Marineschiffbau ein
Rheinmetall steigt in Marineschiffbau ein

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU-Kommission genehmigt Rheinmetall die Übernahme der Lürssen-Militärsparte.
  • Rheinmetall steigt erstmals in den Bau von Marineschiffen ein.
  • Vier norddeutsche Werften gehen an die Werftengruppe Naval Vessels Lürssen.
  • NVL beschäftigt rund 2.100 Mitarbeitende und erzielte 2024 etwa eine Milliarde Euro Umsatz.
  • Rheinmetall setzte zuletzt 9,8 Milliarden Euro um und profitiert stark vom Rüstungsboom seit dem Ukraine-Krieg.

Was bedeutet die EU-Genehmigung für Rheinmetall konkret?

Die Zustimmung erlaubt Rheinmetall die Übernahme der Militärsparte von Lürssen und damit den Einstieg in den Bau von Überwasserschiffen für den Verteidigungssektor, einschließlich zugehöriger Dienstleistungen.

EU-Kommission stimmt Übernahme zu

Die Genehmigung erfolgte durch die Wettbewerbshüter der Europäischen Union. Die Prüfung konzentrierte sich auf mögliche Auswirkungen auf die Marktstruktur. Laut Mitteilung betrifft die Transaktion in erster Linie den Bau von Überwasserschiffen. Zudem geht es um verteidigungsnahe Dienstleistungen. Die Kommission sah jedoch nur begrenzte Auswirkungen auf den Wettbewerb. Deshalb wurden keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken festgestellt. Damit ist der Weg für die Übernahme frei. Die Entscheidung schafft Planungssicherheit für beide Unternehmen.

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Strategischer Schritt in den Marineschiffbau

Rheinmetall hatte die Übernahme bereits im September angekündigt. Nun wird der Plan Realität. Bislang baute der Konzern keine eigenen Schiffe. Allerdings war er bereits im Marinesektor aktiv. So liefert Rheinmetall unter anderem Schiffsgeschütze und Lasermodule. Mit dem Kauf erweitert das Unternehmen sein Rüstungsgeschäft um einen neuen Kernbereich. Konzernchef Armin Papperger betonte das strategische Ziel. Rheinmetall wolle „zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein“. Der Einstieg in den Marineschiffbau passt daher klar zur langfristigen Ausrichtung.

Vier norddeutsche Werften wechseln den Eigentümer

Im Zuge der Übernahme wechseln vier zentrale Standorte den Eigentümer. Die Werftengruppe Naval Vessels Lürssen betreibt mehrere Standorte in Deutschland.

Werft Standort
Peene-Werft Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern)
Blohm+Voss (Teile) Hamburg
Norderwerft Hamburg
Neue Jadewerft Wilhelmshaven

Neben diesen Standorten existieren weitere Niederlassungen in Bulgarien, Kroatien, Ägypten und Brunei. Damit verfügt NVL über eine internationale Präsenz. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Synergien und industrielle Perspektiven

Rheinmetall erhofft sich Synergieeffekte mit bestehenden Standorten in Norddeutschland. Die Integration der Werften könnte Prozesse bündeln. Zudem lassen sich Technologien besser verknüpfen. Besonders relevant ist die Kombination von Schiffbau und moderner Waffentechnik. Rheinmetall bringt Erfahrung bei Waffen- und Lasersystemen ein. Die Werften liefern Expertise im Schiffbau. Gemeinsam entsteht eine vertikal integrierte Struktur. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Verteidigungsmarkt.

Unternehmenszahlen im Vergleich

Ein Blick auf die Kennzahlen verdeutlicht die Dimension der Transaktion.

Kennzahl NVL Rheinmetall
Beschäftigte ca. 2.100 ca. 40.000
Umsatz 2024 ca. 1 Mrd. € ca. 9,8 Mrd. €

Rheinmetall ist deutlich größer aufgestellt. Dennoch bringt NVL spezifisches Know-how ein. Besonders relevant ist die Erfahrung im Bau militärischer Überwasserschiffe. Die Integration erweitert somit die industrielle Basis des Konzerns erheblich.

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Börsenkurs seit Ukraine-Krieg stark gestiegen

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich der Börsenkurs von Rheinmetall vervielfacht. Der Verteidigungssektor profitiert von steigenden Rüstungsausgaben in Europa. Staaten investieren massiv in militärische Modernisierung. Rheinmetall zählt zu den größten Gewinnern dieser Entwicklung. Die Übernahme der Lürssen-Militärsparte erfolgt also in einem Umfeld hoher Nachfrage. Das stärkt die strategische Position zusätzlich. Investoren bewerten die Expansion positiv.

Fazit

Die EU-Genehmigung ist ein Meilenstein für Rheinmetall. Der Konzern erweitert sein Geschäft konsequent auf den Marineschiffbau. Vier norddeutsche Werften stärken die industrielle Basis. Gleichzeitig wächst die strategische Bedeutung im europäischen Verteidigungsmarkt. Angesichts steigender Rüstungsausgaben könnte dieser Schritt langfristig entscheidend sein.

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