Oreschnik: Russlands Hyperschall-Gefahr

Die Oreschnik gilt als eine der strategisch bedeutendsten Neuentwicklungen im russischen Raketenarsenal. Die ballistische Hyperschallrakete wurde erstmals im November 2024 im Ukrainekrieg eingesetzt und sorgte international für große Aufmerksamkeit. Ihre Kombination aus extrem hoher Geschwindigkeit, großer Reichweite und moderner MIRV-Technologie verändert die militärische Bedrohungslage spürbar. Besonders brisant ist die laufende Serienproduktion sowie die Stationierung außerhalb Russlands. Der folgende Text bietet eine umfassende, faktenbasierte Einordnung aller bekannten technischen, historischen und geopolitischen Aspekte der Oreschnik.

Oreschnik: Russlands Hyperschall-Gefahr
Oreschnik: Russlands Hyperschall-Gefahr

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Oreschnik ist eine russische ballistische Hyperschallrakete mit Mach-10-Geschwindigkeit
  • Erster Kampfeinsatz am 21. November 2024 gegen ein Ziel in Dnipro
  • Ausgestattet mit MIRV-Technologie für bis zu 36 Zielpunkte
  • Serienproduktion seit August 2025, finanziert durch den Nationalen Wohlstandsfonds
  • Stationierung atomwaffenfähiger Systeme in Belarus seit Dezember 2025

Was ist die Oreschnik-Rakete?

Die Oreschnik ist eine russische ballistische Hyperschallrakete mit Mehrfachsprengkopf-Technologie, die konventionell oder nuklear bestückt werden kann und seit 2024 einsatzfähig ist.

Technische Spezifikationen und Leistungsdaten

Die Oreschnik erreicht eine maximale Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern und zählt damit zu den Mittel- bis Langstreckensystemen. Ihre Geschwindigkeit liegt bei etwa Mach 10, was rund 12.300 bis 14.000 Kilometern pro Stunde entspricht. Diese enorme Geschwindigkeit erschwert eine frühzeitige Erfassung und Abwehr erheblich.

Die Rakete kann eine Nutzlast von bis zu 1,5 Tonnen tragen. Besonders relevant ist die MIRV-Technologie, mit der mehrere unabhängige Gefechtsköpfe transportiert werden. Jeder dieser Gefechtsköpfe kann wiederum Submunition freisetzen. Die hohe kinetische Energie beim Wiedereintritt verstärkt die Zerstörungswirkung zusätzlich.

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Merkmal Angabe
Reichweite bis zu 5.500 km
Geschwindigkeit Mach 10
Nutzlast bis zu 1,5 t
MIRV-Gefechtsköpfe bis zu 6
Submunition gesamt bis zu 36
CEP ca. 90–250 m
Wiedereintrittstemperatur 4.000–7.000 °C

MIRV-Technologie und Zerstörungspotenzial

Die MIRV-Technologie ist ein zentraler Bestandteil der Oreschnik. MIRV steht für „Multiple Independently Targetable Reentry Vehicles“. Das bedeutet, dass eine einzige Rakete mehrere Ziele gleichzeitig angreifen kann. Im Fall der Oreschnik sind bis zu sechs Gefechtsköpfe möglich.

Jeder dieser Gefechtsköpfe kann sich in bis zu sechs Submunitionen aufteilen. Dadurch können theoretisch bis zu 36 Zielpunkte gleichzeitig getroffen werden. Jede Submunition wiegt zwischen 20 und 50 Kilogramm. Die dabei freigesetzte kinetische Energie entspricht der Sprengkraft von etwa 90 bis 176 Kilogramm TNT. Diese Kombination macht klassische Raketenabwehrsysteme deutlich weniger wirksam.

Entwicklung und militärischer Erst­einsatz

Die Entwicklung der Oreschnik begann vermutlich bereits in den frühen 2010er-Jahren. Sie ist dem russischen „Kedr“-Programm zuzuordnen, das auf neue ballistische Systeme abzielte. Einzelne Komponenten sollen bereits ab 2017 getestet worden sein.

Der erste bestätigte Kampfeinsatz erfolgte am 21. November 2024. Ziel war eine ukrainische Rüstungsfabrik in Dnipro. Dieser Einsatz galt als direkte Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur. Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Rakete mehrfach als nahezu unabfangbar. Er betonte zudem, dass sowohl konventionelle als auch nukleare Varianten existieren.

Nukleare Optionen und strategische Bedeutung

Neben der konventionellen Ausführung kann die Oreschnik auch nuklear bestückt werden. In diesem Fall wird eine Sprengkraft von bis zu 900 Kilotonnen angenommen. Das übertrifft die Hiroshima-Bombe um ein Vielfaches. Diese Option verleiht der Rakete eine erhebliche strategische Abschreckungsfunktion.

Durch die hohe Geschwindigkeit und die Mehrfachsprengköpfe verkürzt sich die Reaktionszeit potenzieller Gegner drastisch. Militäranalysten sehen darin eine Verschiebung des strategischen Gleichgewichts. Besonders kritisch ist die Kombination aus Reichweite und Präzision. Sie ermöglicht Angriffe tief im gegnerischen Hinterland.

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Serienproduktion und industrielle Umsetzung

Seit August 2025 befindet sich die Oreschnik offiziell in der Serienproduktion. Mehr als 50 russische Rüstungsunternehmen sind an der Fertigung beteiligt. Die Finanzierung erfolgt über den russischen Nationalen Wohlstandsfonds. Präsident Putin kündigte weitere Tests und eine deutliche Produktionssteigerung an.

Öffentlich sprach er sogar von möglichen „Duellen“ mit westlichen Abwehrsystemen. Parallel dazu sind technische Upgrades geplant. Bis Ende 2025 sollen insbesondere die Sprengköpfe modernisiert werden. Ziel ist eine noch höhere Durchschlagskraft und verbesserte Zielgenauigkeit.

Stationierung in Belarus und geopolitische Folgen

Im Dezember 2025 wurden atomwaffenfähige Oreschnik-Raketen erstmals außerhalb Russlands stationiert. Der Standort liegt in Belarus, in der Region Mogilew. Diese Region befindet sich nur rund 200 Kilometer von der EU-Außengrenze entfernt. Dadurch verkürzen sich die Flugzeiten nach Westeuropa erheblich. Belarusische Einheiten trainierten den Einsatz im Rahmen von Manövern wie „Zapad-2025“.

Die operative Kontrolle verbleibt jedoch vollständig bei Russland. Von Belarus aus lassen sich nahezu ganz Europa und sogar Teile der US-Westküste erreichen. NATO-Staaten bewerten diese Stationierung als erhebliche Eskalation.

Fazit

Die Oreschnik ist weit mehr als eine neue Rakete. Sie steht für einen strategischen Paradigmenwechsel. Ihre Geschwindigkeit, Reichweite und MIRV-Technologie stellen bestehende Abwehrkonzepte infrage. Der Kampfeinsatz 2024, die Serienproduktion und die Stationierung in Belarus unterstreichen ihre militärische Relevanz.

Für Europa bedeutet sie kürzere Vorwarnzeiten und höhere Risiken. Gleichzeitig dient sie Russland als zentrales Abschreckungsinstrument. Die Oreschnik prägt damit nachhaltig die sicherheitspolitische Lage der kommenden Jahre.

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