GTK Boxer: Alle Fakten im Überblick

Der GTK Boxer gehört zu den modernsten Radpanzern Europas und kombiniert hohe Schutzwirkung mit einem einzigartigen modularen Aufbau. Sein Konzept aus Fahrmodul und austauschbarem Missionsmodul macht ihn extrem vielseitig und weltweit gefragt. Seit 2011 dient er der Bundeswehr und wurde seitdem stetig weiterentwickelt. Internationale Nutzer wie Großbritannien, Niederlande, Litauen und Australien setzen auf seine Mobilität, Feuerkraft und Zuverlässigkeit. Dazu kommt eine große Auswahl an Waffenstationen, die den Boxer für jede Einsatzrolle ausrüstbar machen.

GTK Boxer: Alle Fakten im Überblick
GTK Boxer: Alle Fakten im Überblick

Das Wichtigste in Kürze

  • Modularer Aufbau mit austauschbaren Missionsmodulen in nur 30 Minuten.
  • Leistungsstarker MTU-V8-Motor mit 720 PS und bis zu 1050 km Reichweite.
  • Zahlreiche Exportkunden wie UK, Niederlande, Australien und Litauen.
  • Große Auswahl an leichten, mittleren und schweren Waffenstationen.
  • Zukunftssicher durch neue Motorvarianten, Turmsysteme und Artillerieanwendungen.

Was macht den GTK Boxer so besonders?

Der GTK Boxer ist wegen seines modularen Designs besonders flexibel. Das Fahrzeug besteht aus einem festen Fahrmodul und schnell austauschbaren Missionsmodulen, die in 30 Minuten gewechselt werden können. Dadurch eignet es sich für Transport, Führung, Sanität oder Gefechtsrollen. Zudem bietet es moderne Waffenstationen, starke Motorisierung und hohe Schutzwirkung.

Modularer Aufbau und Einsatzkonzept

Der GTK Boxer nutzt ein zweiteiliges System aus Fahrmodul und Missionsmodul. Das Fahrmodul wiegt etwa 22 Tonnen und trägt den Antrieb, das Fahrwerk sowie den geschützten Innenraum für die Besatzung. Das Missionsmodul kann zwischen 8 und 11 Tonnen wiegen und wird für verschiedene Aufgaben konfiguriert.

Dies umfasst Transport, Sanität, Führungsaufgaben oder spezialisierte Unterstützungsrollen. Der Wechsel erfolgt innerhalb von nur 30 Minuten und macht das System äußerst flexibel. Diese Struktur reduziert Kosten, denn mehrere Rollen lassen sich mit demselben Basisfahrzeug realisieren. Zudem erleichtert sie Upgrades, da neue Module ohne große Umrüstungen integrierbar sind.

Technische Leistungsdaten des GTK Boxer

Der Boxer wird von einem MTU 8V199 TE20/TE21 V8-Dieselmotor angetrieben. Dieser leistet 530 kW (720 PS) und bietet ein Drehmoment von 2700 Nm. Die Kraftübertragung erfolgt über ein 7-Gang-Automatikgetriebe Allison HD 4070. Damit erreicht der Boxer bis zu 103 km/h, obwohl er für taktische Fahrten auf 80 km/h begrenzt ist. Die Reichweite liegt bei 1000 bis 1050 km, was längere Einsätze ohne Versorgung ermöglicht.

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Mit bis zu 36,5 Tonnen Gefechtsgewicht bleibt er dank modernem Fahrwerk äußerst beweglich. Geländedaten wie 0,50 m Bodenfreiheit, 60 % Steigfähigkeit und 2 m Grabenüberschreitfähigkeit sichern Mobilität im schwierigen Terrain. Damit zählt er zu den geländegängigsten Radpanzern weltweit.

Wichtige technische Daten

Kategorie Wert
Motor MTU 8V199 TE20/21
Leistung 530 kW / 720 PS
Drehmoment 2700 Nm
Länge 7,93–8,31 m
Breite 2,93–3,0 m
Höhe bis 3,4 m
Gefechtsgewicht bis 36,5 t
Reichweite 1000–1050 km
Höchstgeschwindigkeit 103 km/h (80 km/h abgeregelt)
Bodenfreiheit 0,50 m
Steigfähigkeit 60 %
Grabenüberschreiten 2,0 m

Internationale Bestellungen und Exporterfolge

Die Bundeswehr war der erste große Kunde und bestellte zwischen 2009 und 2016 insgesamt 172 Boxer. Der Stückpreis lag dabei zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro. Danach stiegen weitere Staaten ein. Großbritannien orderte 2019 einen Großauftrag über 528 Fahrzeuge in Varianten wie Infantry Carrier und Ambulance.

Auch die Niederlande nutzen den Boxer seit 2013 in mehreren Versionen. Litauen beschaffte modern bewaffnete Modelle mit Turmsystemen. Australien setzt ebenfalls ein erweitertes Boxer-Portfolio ein. Zuletzt entschied sich Slowenien für 45 Fahrzeuge unterschiedlicher Konfigurationen. Damit hat der Boxer sich zu einem europäischen Erfolgsprogramm entwickelt, das weiter wächst.

Perspektiven, Weiterentwicklungen und neue Anwendungen

Der GTK Boxer hat noch erhebliches Wachstumspotenzial. Die modulare Bauweise erlaubt neue Einsatzrollen, darunter Schützenpanzer-Varianten oder Artilleriesysteme wie den RCH 155. Viele europäische Staaten prüfen derzeit die Beschaffung, um veraltete Flotten zu modernisieren.

Die britische A3-Version zeigt, dass Upgrades gut umsetzbar sind. Dort wurde ein stärkerer Motor mit 600 kW verbaut, was das Gesamtgewicht auf 38,5 Tonnen anhebt. Dieser Leistungssprung zeigt, wie anpassbar die Plattform ist. Auch Digitalisierung, aktive Schutzsysteme und unbemannte Turmlösungen erweitern das Einsatzspektrum. Damit gilt der Boxer als eines der zukunftssichersten Radfahrzeuge der NATO.

Leichte und mittlere Waffenstationen des Boxers

Für Transport- und Unterstützungsvarianten nutzt der Boxer leichte und mittlere Waffenstationen. Dazu zählt die FLW 200, die ein 12,7-mm-MG oder eine 40-mm-Granatmaschinenwaffe aufnehmen kann. Diese Station ist stabilisiert und kann vollständig aus dem geschützten Innenraum bedient werden. Nebelwurfbecher erhöhen den Eigenschutz. Für intensivere Gefechtsrollen stehen komplexere Systeme bereit.

Der Samson Mk II ist ein unbemannter Turm mit einer 30-mm-Maschinenkanone Bushmaster II. Zusätzlich trägt er ein koaxiales 7,62-mm-MG und zwei Spike-LR-Panzerabwehrraketen. Auch der Lance-Turm von Rheinmetall bietet ähnliche Fähigkeiten. Seine Konfiguration ist sehr flexibel und eignet sich für Spähfahrzeuge oder Waffenträger. Damit deckt der Boxer ein breites Spektrum an Feuerkraft ab.

Schwere Turmsysteme und spezialisierte Bewaffnung

Für besonders anspruchsvolle Einsätze bietet der Boxer schwere Turmsysteme. Der RCT 30 ist eine Variante des Puma-Turms und nutzt die MK30-2/ABM. Diese ermöglicht Luftzündungsmunition und hochpräzises Feuer. Ergänzt wird das System durch MELLS/Spike-Lenkwaffen zur Panzerabwehr.

Für Joint Fire Support Teams ist die Protector RS4 verbreitet. Diese kann MGs verschiedener Kaliber oder einen 40-mm-Granatwerfer aufnehmen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Luftabwehr. Der Skyranger 30 nutzt eine Oerlikon-Kanone mit Air-Burst-Munition. Zusätzlich können Lenkflugkörper wie Stinger integriert werden. Moderne Sensorik mit Wärmebild und Laser unterstützt die Bedienung. Damit eignet sich der Boxer sogar zur Drohnenabwehr, was heute immer wichtiger wird.

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Die zukünftige Rolle des GTK Boxer bei den Mittleren Kräften

Der GTK Boxer spielt eine zentrale Rolle in der Neuausrichtung der Bundeswehr hin zu den sogenannten Mittleren Kräften, welche auf schnellen und geschützten Radfahrzeugen basieren. Herzstück dieser Entwicklung ist die Einführung des Schweren Waffenträgers Infanterie (sWaTrInf), einer Variante mit dem Lance-Turm, welche die direkte Feuerunterstützung der abgesessenen Infanterie sicherstellen soll.

Dieses neue Missionsmodul, das derzeit in der Beschaffung ist, erhöht die Feuerkraft des GTK Boxer dramatisch und ermöglicht den Schutz von Infanteriekräften gegen härtere Ziele. Durch diese neue Rolle verschiebt sich die primäre Aufgabe des GTK Boxer vom reinen Transport hin zu einem vielseitigen Gefechtsfahrzeug, das moderne Kampfverbände flexibel unterstützen kann.

Einsatzerfahrungen: Die Bewährung des GTK Boxer in Afghanistan

Der GTK Boxer stellte seine hohe Schutzwirkung und seine Zuverlässigkeit erstmals während des Einsatzes in Afghanistan unter Beweis. Die Truppe profitierte dort stark vom hervorragenden Minen- und IED-Schutz (Improvised Explosive Device), der durch die spezielle Konstruktion und die modulare Panzerung erreicht wurde. Berichte zeigten, dass die Besatzungen auch schwerste Anschläge oft unversehrt überstanden, was das Vertrauen in den Radpanzer signifikant stärkte.

Die modulare Bauweise des GTK Boxer erlaubte es zudem, missionsspezifische Aufgaben wie den geschützten Sanitätstransport schnell und sicher zu gewährleisten, wodurch er in kritischen Situationen maßgeblich zur Sicherheit der Soldaten beitragen konnte.

Die logistische Kette und der Lufttransport des GTK Boxer

Aufgrund seiner beeindruckenden Größe und des hohen Gewichts von bis zu 38,5 Tonnen stellt der GTK Boxer besondere Anforderungen an die logistische Kette. Im Gegensatz zu leichteren Fahrzeugen ist ein strategischer Lufttransport nur mit dem Airbus A400M möglich, wobei der Boxer zerlegt werden muss, da Fahrmodul und Missionsmodul getrennt transportiert werden.

Dies ist der Preis für das hohe Schutzniveau, jedoch ist der schnelle Tausch der Missionsmodule innerhalb einer Stunde ein logistischer Vorteil, der die Anpassungsfähigkeit des GTK Boxer an unterschiedliche Einsatzszenarien sicherstellt. Für die Ausbildung der Fahrer ist zudem das spezielle Fahrschulfahrzeug-Modul unerlässlich, da es eine sichere und realistische Schulung des Fahrpersonals gewährleistet.

Fazit

Der GTK Boxer hat sich zu einem der flexibelsten Militärfahrzeuge weltweit entwickelt. Sein modulares Konzept, seine starke Motorisierung und die große Auswahl an Waffenstationen machen ihn für viele Einsatzrollen attraktiv. Zudem wächst sein internationaler Erfolg stetig. Neue Turmsysteme, Luftabwehrlösungen und stärkere Motorvarianten erweitern das Potenzial weiter. Für viele Armeen ist der Boxer damit ein Zukunftsmodell, das Mobilität, Schutz und Feuerkraft vereint und gleichzeitig modernisierungsfähig bleibt.

Quellen:


FAQ:

Was bedeutet die Abkürzung GTK beim GTK Boxer?

Die Abkürzung GTK steht für Gepanzerter Transport-Kraftfahrzeug, was die ursprüngliche Hauptaufgabe des Radpanzers bereits im Namen trägt. Der Name Boxer selbst ist ein Projektname des Herstellerkonsortiums ARTEC, um das Fahrzeug international zu vermarkten.

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Wie viele Soldaten kann der GTK Boxer transportieren?

In der gängigen Konfiguration als Gruppentransportfahrzeug bietet der GTK Boxer Platz für eine Besatzung von 3 Personen (Fahrer, Kommandant, Richtschütze) plus eine abgesessene Infanteriegruppe von bis zu 8 Soldaten. Damit kann er insgesamt bis zu 11 Personen geschützt befördern, abhängig vom jeweiligen Missionsmodul.

Welche Länder nutzen den GTK Boxer außer Deutschland noch?

Der GTK Boxer ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt und wird von mehreren NATO-Staaten genutzt, darunter die Niederlande, Großbritannien, Litauen und Australien. Italien hat ebenfalls Interesse an einer Beschaffung bekundet und plant, den Boxer als Basis für ein zukünftiges Radfahrzeugprogramm zu nutzen.

Welche Bewaffnung trägt der GTK Boxer standardmäßig?

Das Gruppentransportfahrzeug (GTFz) der Bundeswehr ist in der Regel mit einer fernbedienbaren Waffenstation des Typs FLW 200 ausgestattet. Diese kann wahlweise mit einem schweren Maschinengewehr (MG3 oder M2) oder einem Granatmaschinenwerfer (GMW) ausgerüstet werden, um vielfältige Bedrohungen abdecken zu können.

Was ist das Besondere an der modularen Bauweise des GTK Boxer?

Die modulare Bauweise trennt das Fahrmodul (Chassis, Motor) vom versionsspezifischen Missionsmodul (z.B. Sanität, Führung), das innerhalb einer Stunde gewechselt werden kann. Dies ermöglicht eine extrem hohe Flexibilität und Anpassung an unterschiedliche Einsatzanforderungen, ohne dass jeweils ein komplett neues Fahrzeug benötigt wird.

Wie hoch ist die Höchstgeschwindigkeit des GTK Boxer?

Der GTK Boxer verfügt über einen 720 PS starken Motor und erreicht auf der Straße eine maximale Höchstgeschwindigkeit von bis zu 103 km/h. Dies ist für ein Fahrzeug seiner Gewichtsklasse beachtlich und trägt zur schnellen Verlegbarkeit im Einsatz bei.

Wie ist der Boxer gegen Minen geschützt?

Der GTK Boxer verfügt über einen der höchsten Schutzstandards seiner Klasse und bietet einen hervorragenden Minenschutz bis zur Schutzklasse STANAG 4569 Level IIIb. Die Besatzung sitzt in einer hochgeschützten Sicherheitszelle, die vor Minenexplosionen und improvisierten Sprengsätzen (IEDs) bestmöglich abgeschirmt ist.

Was ist der Boxer in der Sanitätsversion?

Das Sanitätsfahrzeug-Modul (sgSanKfz) des GTK Boxer dient als schweres, geschütztes Sanitätskraftfahrzeug und bietet einen großen Innenraum für die Behandlung und den Transport von Verwundeten. Es ist mit umfangreicher medizinischer Ausrüstung ausgestattet und kann bis zu sieben liegende oder sitzende Verletzte aufnehmen.

Welche Rolle spielt der Lance-Turm beim GTK Boxer?

Der Lance-Turm, ausgestattet mit einer 30-mm-Maschinenkanone, verwandelt den GTK Boxer in einen Schweren Waffenträger Infanterie, also in einen Radschützenpanzer. Diese Variante dient der unmittelbaren Feuerunterstützung der Infanterie und soll die Kampfkraft der Mittleren Kräfte massiv erhöhen.

Wer sind die Hersteller des GTK Boxer?

Der GTK Boxer wird vom Konsortium ARTEC (Armoured Vehicle Technology) hergestellt, einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Rüstungsfirmen Rheinmetall Landsysteme und KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG). Dies unterstreicht die starke deutsch-niederländisch-britische Zusammenarbeit in der Entwicklung und Produktion.

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