F127 – Deutschlands neue Super-Fregatte
Die Fregatte 127 (F127) wird ab den frühen 2030er-Jahren zur zentralen Plattform der deutschen maritimen Luftverteidigung aufsteigen. Sie verbindet weitreichende Flug- und Raketenabwehr mit modernen Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd, Landzielbekämpfung und Verbandsführung. Damit stärkt sie die NATO-Nordflanke und füllt eine gewachsene Fähigkeitslücke der Marine. Der geplante Schiffstyp basiert auf dem MEKO-A400-AMD-Entwurf und soll Deutschland langfristig in die Lage versetzen, Hochintensitätsoperationen auf hoher See souverän und multinational zu führen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das Wichtigste in Kürze
- 2 Strategische Bedeutung der F127
- 3 Programmstand, Finanzierung und Zeitplan
- 4 Kooperationen und industrielle Basis
- 5 Technische Plattform und Leistungsdaten
- 6 Sensorik, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme
- 7 Bewaffnung, Hyperschallabwehr und Landzielbekämpfung
- 8 Seekriegsführung über und unter Wasser
- 9 Fazit
- 9.0.1 FAQ:
- 9.0.1.1 Was ist die Fregatte 127 und welche Rolle wird sie in der Marine übernehmen?
- 9.0.1.2 Wie viele Einheiten der Fregatte 127 sind für die Deutsche Marine geplant?
- 9.0.1.3 Wann wird mit der Indienststellung der ersten Fregatte 127 gerechnet?
- 9.0.1.4 Welche Hauptwaffensysteme werden auf der Fregatte 127 installiert sein?
- 9.0.1.5 Welches Radar wird als zentrales Element der Fregatte 127 dienen?
- 9.0.1.6 Wie hoch ist die geschätzte Verdrängung der Fregatte 127?
- 9.0.1.7 Wie wird die Modularität durch das Flex-Heck gewährleistet?
- 9.0.1.8 Wird die Fregatte 127 Hubschrauber mitführen können?
- 9.0.1.9 Wie schnell wird die Fregatte 127 voraussichtlich sein?
- 9.0.1.10 Welche Rolle spielt das AEGIS-Kampfsystem bei der Fregatte 127?
- 9.0.1 FAQ:
Das Wichtigste in Kürze
• Die F127 soll das Rückgrat der deutschen Luft- und Raketenabwehr auf See bilden.
• Geplant sind fünf bis sechs Schiffe, der finale Bedarf ist politisch offen.
• AEGIS, SPY-6/SPY-7 und umfangreiche VLS-Bewaffnung prägen das Systemdesign.
• Die F127 erhält Fähigkeiten gegen Hyperschallwaffen und weitreichende Landziele.
• Ohne rechtzeitige Beschaffung entsteht eine sicherheitspolitisch kritische Lücke.
Was ist die Fregatte 127 (F127)?
Die Fregatte 127 ist ein geplanter deutscher Großkampfschiffstyp, der ab den frühen 2030er-Jahren die maritime Luft- und Raketenabwehr stärken soll. Sie kombiniert AEGIS-basierte Weitbereichsverteidigung mit U-Boot-Jagd, Seezielbekämpfung, Präzisionsschlägen und moderner Verbandsführung und übernimmt damit eine Schlüsselrolle in der NATO-Nordflanke.
Strategische Bedeutung der F127
Die F127 ist als global einsetzbares Hochseeschiff ausgelegt, das große Einsatzverbände gegen moderne und kommende Luft-, Raketen- und Drohnenbedrohungen schützt. Sie wird zum Kern der deutschen Hochseekampfgruppen und ergänzt die U-Boot-Jagd-Fregatten der Klasse 126. Durch ihre Weitbereichsradare und die Integration des AEGIS Combat Systems kann sie mehrere Bedrohungen gleichzeitig erfassen und bekämpfen. Ziel ist, dauerhaft zwei einsatzbereite Schiffe parallel zu stellen, was rechnerisch sechs Einheiten erfordert.
Der Rüstungsbericht nennt jedoch nur fünf als konzeptionellen Bedarf. Diese Unklarheit verdeutlicht den politischen Handlungsrahmen. Die F127 schließt zudem Fähigkeitslücken, die durch unzureichende Modernisierung älterer Klassen entstanden sind. Damit wird sie zu einem Eckpfeiler deutscher und NATO-Gefechtsführung auf See.
Programmstand, Finanzierung und Zeitplan
Das Projekt befindet sich in der Analysephase Teil 2. Hier untersucht man unter anderem Kosten, Verwundbarkeit, Architektur und industrielle Optionen. Parallel läuft eine US-Studie zur Integration von AEGIS. Die Entscheidung des Generalinspekteurs ist für das erste Quartal 2025 vorgesehen. Die Bestellung soll im gleichen Jahr erfolgen, während die erste Einheit frühestens 2033 oder 2034 zulaufen kann.
Problematisch ist die aktuelle Finanzierung, denn das Vorhaben ist weder im regulären Verteidigungshaushalt noch im Sondervermögen gesichert. Die Gesamtkosten liegen Schätzungen nach bei 12 bis 15 Milliarden Euro. Deshalb plant man eine Anschubfinanzierung im dreistelligen Millionenbereich, um kritische Komponenten frühzeitig zu beauftragen. Diese finanzielle Lücke zeigt die Dringlichkeit politischer Entscheidungen. Ohne strukturelle Budgeterhöhung bleibt der Zeitplan gefährdet.
Kooperationen und industrielle Basis
Politisch setzt Deutschland auf internationale Zusammenarbeit. Vor allem Dänemark und Norwegen sind relevante Partner, weil beide Länder neue Fregattenprogramme planen. Während Norwegen eine U-Boot-Jagd-orientierte Lösung anstrebt, plant Dänemark neue Flugabwehrfregatten als Ersatz für die Iver-Huitfeldt-Klasse. Eine Kooperation kann die Kosten senken und die Interoperabilität stärken. Besonders günstig wären gemeinsame Radar- und Lenkflugkörpersysteme wie SM-6.
Deutschland hat sich jedoch bereits klar positioniert und verfolgt einen nationalen Schiffsentwurf. Nach dem Zusammenschluss von TKMS und NVL gilt der MEKO-A400-AMD-Entwurf als gesetzt. Die Wahl eines eigenen Designs ist industriepolitisch bedeutsam, aber sie erschwert potenzielle Multi-Nation-Beschaffungen. Gleichzeitig ermöglicht sie eine präzise Anpassung an deutsche Einsatzanforderungen. Damit entsteht ein modernes, aber komplexes Rüstungsprojekt.
Technische Plattform und Leistungsdaten
Der MEKO-A400-AMD folgt einem modularen Konzept und ist für Luft- und Raketenabwehr optimiert. Mit 160 Metern Länge, 21 Metern Breite und etwa 10.000 Tonnen Einsatzverdrängung zählt die F127 zu den größten deutschen Kriegsschiffen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Besatzung umfasst rund 150 Personen, erweitert durch bis zu 70 zusätzliche Kräfte für besondere Einsätze.
Das Schiff soll rund 31 Knoten erreichen, mindestens 30 Tage autark operieren und über 4.000 Seemeilen Reichweite verfügen. Damit eignet es sich für globale Einsätze und ständige NATO-Präsenzoperationen. Die modulare Architektur erleichtert spätere Modernisierungen, was angesichts schnell wachsender Bedrohungstechnologien entscheidend ist.
Auch die große Plattform erlaubt Reserven für zukünftige Hyperschallsysteme. Damit entsteht ein Schiff, das nicht nur für heutige Missionen, sondern auch für kommende Jahrzehnte ausgelegt ist.
Technische Tabelle der F127 (basierend auf MEKO A400 AMD)
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Länge | ca. 160 m |
| Breite | ca. 21 m |
| Tiefgang | ca. 5,5 m |
| Einsatzverdrängung | ca. 10.000 t |
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 31 kn |
| Reichweite | ≥ 4.000 sm |
| Seeausdauer | ≥ 30 Tage |
| Besatzung | ca. 150 + 70 Zusatzkräfte |
| VLS-Zellen | 64 (Mk-41 Strike) |
Sensorik, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme
Für die Luftlageerfassung stehen zwei hochmoderne Radarsysteme zur Auswahl: SPY-6(V)1 und SPY-7. Beide bieten große Reichweiten und exzellente Zielauflösung. SPY-6 wäre besonders kompatibel zur US Navy, was multinationale Operationen erleichtert. Das AEGIS Combat System bildet den Kern der Einsatzführung. Wegen ITAR-Restriktionen setzt Deutschland zusätzlich auf ein zweites System, bevorzugt das CMS-330.
Dies reduziert Abhängigkeiten und schafft Flexibilität. Langfristig soll das neue Führungs- und Waffeneinsatzsystem auf weiteren Schiffsklassen genutzt werden, um die Vielfalt heutiger Systeme zu reduzieren. Diese Standardisierung senkt Ausbildungskosten und verbessert die Wartung. Die Kombination der Systeme macht die F127 zu einer Plattform, die in hochkomplexen Lagen schnell reagieren kann. Damit wird sie zum Leitstand maritimer Gefechtsführung.
Bewaffnung, Hyperschallabwehr und Landzielbekämpfung
Die Bewaffnung ist für moderne Bedrohungen ausgelegt. Zwei Mk-41-VLS-Module bieten 64 Zellen für ESSM Block 2, SM-2 IIIC oder SM-6. ESSM kann gequadpackt werden und vervierfacht so die Munitionskapazität. SM-6 deckt die Abwehr ballistischer Raketen ab und bietet Mehrrollenfähigkeit. SM-3 ist aktuell nicht vorgesehen, könnte technisch aber später nachgerüstet werden.
Für künftige Hyperschallbedrohungen sind Programme wie HYDIS und HEDEEF im Gespräch. Ob diese Systeme realisierbar sind, ist offen, dennoch zeigen sie den Anspruch des Projekts. Die Integration von Tomahawk-Marschflugkörpern schafft weitreichende Landzielbekämpfung. Damit erhält die Marine eine strategische Fähigkeit, die bislang fehlte. Diese Kombination macht die F127 zu einer modernen Multi-Role-Plattform, die über reine Luftverteidigung hinaus wirkt.
Seekriegsführung über und unter Wasser
Für Seezielangriffe erhält die F127 acht bis sechzehn Überschall-Seezielflugkörper des Typs 3SM Tyrfing. Diese Waffe entsteht in Kooperation mit Norwegen. Sie soll die Naval Strike Missile langfristig ersetzen. Zur Nahbereichsverteidigung dienen zwei RAM-Starter, später ergänzt durch ein mögliches Lasersystem. In der U-Boot-Abwehr wird ein Schleppsonar eingesetzt.
Ergänzend ist ein VLS-basiertes System nach Art VL-ASROC vorgesehen, das U-Boote schnell auf große Distanz bekämpfen kann. Zudem plant man vier bis sechs Sea-Spider-Abwehrtorpedos. Diese schützen das Schiff gegen modernste Torpedos. Die Kombination aus Sonarsystemen, Torpedos und Flugkörpern schafft ein rundes U-Jagd-Profil. Damit wird die F127 zu einer Plattform, die in zwei Dimensionen gleichzeitig kämpfen kann: über und unter Wasser.
Fazit
Die Fregatte 127 wird zu einem der wichtigsten sicherheitspolitischen Projekte Deutschlands. Sie stärkt die NATO-Nordflanke, modernisiert die Marine und bietet weitreichende Fähigkeiten gegen aktuelle und zukünftige Bedrohungen. Doch Zeit und Finanzierung sind kritisch. Nur eine konsequente politische Priorisierung verhindert eine gefährliche Fähigkeitslücke. Die F127 ist mehr als ein Schiff: Sie ist ein strategisches Versprechen, Deutschlands maritime Sicherheit langfristig zu sichern.
Quellen:
- Fregatte 127 – Wikipedia
- Die nächste Generation der Luftverteidigung – Erste Überlegungen zur Fregatte F 127 – Europäische Sicherheit & Technik (ESUT)
- Fregatten der Klasse F127 – Fortschritte im Prozess und beim Design erkennbar – hartpunkt
FAQ:
Was ist die Fregatte 127 und welche Rolle wird sie in der Marine übernehmen?
Die Fregatte 127 ist die geplante Nachfolgerklasse der Fregatten F124 (Sachsen-Klasse) und soll die Luftverteidigungskapazitäten der Deutschen Marine revolutionieren. Ihre Hauptaufgabe wird die weitreichende Luftraumverteidigung sowie die Abwehr ballistischer Flugkörper (BMD) sein.
Wie viele Einheiten der Fregatte 127 sind für die Deutsche Marine geplant?
Aktuellen Planungen zufolge sollen insgesamt acht Einheiten der Klasse F127 beschafft werden, um die volle Einsatzfähigkeit im benötigten Umfang zu gewährleisten. Die genaue Anzahl kann sich jedoch im Laufe des Beschaffungsprozesses noch geringfügig ändern.
Wann wird mit der Indienststellung der ersten Fregatte 127 gerechnet?
Der Baubeginn wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre erfolgen, wobei die erste Fregatte voraussichtlich in den frühen 2030er-Jahren in Dienst gestellt werden soll. Das Projekt befindet sich derzeit in der Konzept- und Entwurfsphase.
Welche Hauptwaffensysteme werden auf der Fregatte 127 installiert sein?
Die Hauptbewaffnung wird voraussichtlich aus einem Vertical Launching System (VLS) für Flugabwehrraketen wie SM-2 und möglicherweise SM-3 (für BMD) bestehen, ergänzt durch ein leistungsstarkes Geschütz für die Seeziel- und Landzielbekämpfung. Hinzu kommen Nahbereichs-Flugabwehrsysteme (RAM) und Antischiffsflugkörper.
Welches Radar wird als zentrales Element der Fregatte 127 dienen?
Als Herzstück der Sensorik ist das hochmoderne Raytheon AN/SPY-6 (V)1 Radar vorgesehen, ein AESA-System, das für seine hohe Präzision bei der Zielerfassung und -verfolgung bekannt ist. Dieses Radar ist essenziell für die Bewältigung komplexer Bedrohungsszenarien und die BMD-Aufgabe.
Wie hoch ist die geschätzte Verdrängung der Fregatte 127?
Die Technische Daten deuten auf eine deutliche Größensteigerung hin; die Einsatzverdrängung der Fregatte 127 wird auf schätzungsweise 10.000 Tonnen geschätzt. Dies entspricht der Notwendigkeit, das große Radar und eine umfangreiche Bewaffnung unterzubringen.
Wie wird die Modularität durch das Flex-Heck gewährleistet?
Das Flex-Heck ist eine innovative Designlösung, die es der Fregatte ermöglicht, flexibel unterschiedliche Missionsmodule aufzunehmen, wie etwa Schleppsonare, Einsatzboote oder Minenlegeschienen. Zudem können über diesen Bereich unbemannte Unterwasser- (UUV) und Überwasserfahrzeuge (USV) ausgesetzt und wieder aufgenommen werden.
Wird die Fregatte 127 Hubschrauber mitführen können?
Ja, die Planung sieht vor, dass die Fregatte 127 mindestens einen vollwertigen Hubschrauberhangar für einen Bordhubschrauber der Klasse NH90 Sea Tiger besitzen wird. Zusätzlich ist ein Flex-Hangar für einen zweiten Hubschrauber oder unbemannte Flugsysteme vorgesehen, um maximale Flexibilität zu gewährleisten.
Wie schnell wird die Fregatte 127 voraussichtlich sein?
Die Technische Daten geben eine Höchstgeschwindigkeit von über 31 Knoten an, was eine hohe Geschwindigkeit für Verlegungen und den Einsatz in Krisengebieten bedeutet. Für längere Fahrten ist eine hohe Seeausdauer von über 30 Tagen vorgesehen.
Welche Rolle spielt das AEGIS-Kampfsystem bei der Fregatte 127?
Das AEGIS-Kampfsystem oder ein eng verwandtes Combat Management System (CMS) wie das CMS 330 ist für die Fregatte 127 entscheidend, da es alle Sensoren und Waffen integriert. Es stellt das Gehirn des Schiffes dar und ermöglicht die gleichzeitige Führung von Operationen in der Luft, auf See und unter Wasser.