Drone Round: Neues C-UAS Konzept
Auf der Enforce Tac sorgt eine neue Lösung für Aufmerksamkeit: Die Drone Round Munition des US-Herstellers Drone Round Defense verwandelt Standardsturmgewehre in ein kinetisches C-UAS-System. Ohne Anbauteile, ohne Zusatztraining und ohne technische Umrüstung. Entwickelt für moderne Gefechtssituationen mit steigender Drohnenbedrohung, kombiniert die Munition hohe Mündungsgeschwindigkeit, gezielte Streuung und volle Kompatibilität mit bestehenden Waffenplattformen. Das Konzept ist einfach, aber taktisch wirkungsvoll – und könnte die Infanterieausrüstung nachhaltig verändern.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das Wichtigste in Kürze
- 2 Was ist die Drone Round Munition?
- 3 Kinetische C-UAS-Fähigkeit ohne Zusatzsysteme
- 4 Leistung, Geschwindigkeit und Streuwirkung im Einsatz
- 5 Kaliber, Varianten und taktische Anwendung
- 6 Wirkung gegen Glasfaser-Drohnen und elektronische Resistenz
- 7 Produktion, Industriepartner und Zertifizierung
- 8 Tests durch die U.S. Army und taktisches Konzept
- 9 Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- Kinetische C-UAS-Lösung für Standardsturmgewehre ohne Zusatztechnik
- Verfügbar in 5,56×45 mm und 7,62×51 mm, 6,8×51 mm geplant
- Zwei Varianten: K (bis 50 m) und L (bis 100 m)
- Mündungsgeschwindigkeit bis 670 m/s (ca. 2.200 FPS)
- Bereits durch die U.S. Army getestet, US-Zertifizierung bis Mai 2026 geplant
Was ist die Drone Round Munition?
Die Drone Round ist eine speziell entwickelte Anti-Drohnen-Munition, die Standardinfanteriewaffen in ein kinetisches C-UAS-System verwandelt und kleine UAVs durch gezielte Projektile mit hoher Streuwirkung bekämpft – ohne elektronische Gegenmaßnahmen.
Kinetische C-UAS-Fähigkeit ohne Zusatzsysteme
Die Drone Round Munition wurde gezielt für die Abwehr unbemannter Luftfahrtsysteme entwickelt. Der Fokus liegt auf kinetischer Wirkung. Das bedeutet: Keine Störsender, keine elektronische Kampfführung. Stattdessen wird die Drohne physisch neutralisiert.
Ein entscheidender Vorteil ist die vollständige Kompatibilität mit gängigen Standardsturmgewehren. Es sind keine Anbauteile erforderlich. Auch zusätzliche Schulungen sind laut Hersteller nicht notwendig. Die Bedienung entspricht der von Standardmunition.
Von außen wirkt die Patrone nahezu identisch mit herkömmlicher Munition. Lediglich das Geschoss besitzt eine leicht veränderte Form. Dadurch bleibt die logistische Integration einfach. Soldaten können ihre bestehende Ausrüstung weiter nutzen. Genau diese Einfachheit macht das System taktisch interessant.
Leistung, Geschwindigkeit und Streuwirkung im Einsatz
Die Drone Round erreicht Mündungsgeschwindigkeiten von bis zu 670 Metern pro Sekunde. Das entspricht etwa 2.200 FPS. Damit ist sie ungefähr doppelt so schnell wie eine Standard-12-Kaliber-Schrotpatrone.
Diese hohe Geschwindigkeit sorgt für ausreichende Durchschlagskraft. Gleichzeitig erzeugt die spezielle Konstruktion eine gezielte Streuung. Dadurch erhöht sich die Trefferwahrscheinlichkeit gegen kleine Luftziele deutlich.
Das System ist für den Einsatz mit Schalldämpfern geeignet. Zudem funktioniert die Munition zuverlässig in Gurt- und Magazinzuführung. Auch vollautomatische Waffen können verwendet werden.
Der Hersteller betont die nachgewiesene Treffsicherheit auf größere Entfernungen. Gleichzeitig soll die Streuung Kollateralschäden minimieren. Gerade in urbanen Einsatzumgebungen ist das ein wichtiger Faktor.
Kaliber, Varianten und taktische Anwendung
Aktuell ist Drone Round in zwei Kalibern erhältlich:
| Kaliber | Verfügbarkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| 5,56×45 mm | verfügbar | Anti-Drohnen-Munition mit hoher Geschwindigkeit |
| 7,62×51 mm | verfügbar | höhere Energie für größere Plattformen |
| 6,8×51 mm | geplant | zukünftige Erweiterung |
Zusätzlich existieren zwei Varianten pro Kaliber:
| Variante | Anzahl Projektile | Einsatzreichweite |
|---|---|---|
| K | 8 Projektile | bis 50 Meter |
| L | 5 Projektile | bis 100 Meter |
Die K-Variante eignet sich für kurze Distanzen. Sie enthält acht Projektile im Geschosskopf. Die L-Variante besitzt fünf Projektile und erreicht größere Entfernungen.
Empfohlen wird eine gemischte Magazinbeladung. Unten die K-Variante für kurze Distanz. Oben die L-Variante für weiter entfernte Ziele. Dadurch bleibt die Infanterie flexibel.
Wichtig ist auch die Rohrlänge. Unter 11 Zoll wird die Ausbreitung kritisch. Empfohlen wird eine Lauflänge von 14 Zoll. Das sichert eine optimale Projektilverteilung.
Wirkung gegen Glasfaser-Drohnen und elektronische Resistenz
Moderne Gefechtsfelder sind zunehmend von FPV-Drohnen geprägt. Viele dieser Systeme nutzen Glasfaserverbindungen. Dadurch sind sie resistent gegen Jammer und andere elektronische Gegenmaßnahmen.
Genau hier setzt die Drone Round an. Da sie rein kinetisch wirkt, spielt die Art der Steuerung keine Rolle. Die Drohne wird physisch bekämpft.
Das breitere Streumuster erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit erheblich. Gerade bei kleinen, schnellen Zielen ist das entscheidend. Elektronische Abwehrsysteme stoßen hier oft an Grenzen. Die kinetische Lösung schließt diese Lücke.
Damit ergänzt Drone Round bestehende C-UAS-Systeme sinnvoll. Sie ersetzt sie nicht zwingend, sondern erweitert das taktische Spektrum.
Produktion, Industriepartner und Zertifizierung
Die Produktion erfolgt vollständig in den USA. Unterstützt wird sie von einer der größten Munitionsproduktionsstätten des Landes.
Beteiligt sind Unlimited Ammo, Freedom Munitions und Ammo Load. Aktuell liegt die Produktionskapazität bei rund 100 Millionen Patronen pro Jahr. Ab 2027 könnten es bis zu 350 Millionen Schuss jährlich sein. Möglich wird das durch eine vollintegrierte Produktionslinie.
Das System wird derzeit exklusiv an US-Militärorganisationen, Strafverfolgungsbehörden, private Sicherheitsdienste und autorisierte Verteidigungseinrichtungen angeboten.
Die NATO- und US-Zertifizierung läuft noch. Die behördliche US-Zertifizierung soll im Mai 2026 abgeschlossen sein. Das ist ein wichtiger Schritt für eine breitere Einführung.
Tests durch die U.S. Army und taktisches Konzept
Im November 2025 führte die U.S. Army offizielle Tests mit der 5,56×45 mm Drone Round durch. Eingesetzt wurden die Patronen gegen FPV-Drohnen auf kurze Distanz.
Das taktische Konzept ist klar. Infanteristen führen neben Standardmunition auch spezielle Anti-Drohnen-Magazine mit. Bei Drohnenbedrohung erfolgt ein schneller Magazinwechsel. Das Sturmgewehr wird zum kinetischen C-UAS-System.
Dieses Prinzip ist einfach. Es erfordert keine neue Plattform. Gleichzeitig erhöht es die Reaktionsfähigkeit auf Gruppen- und Zugebene deutlich.
Gerade in asymmetrischen Konflikten mit hoher Drohnendichte kann dieser Ansatz entscheidend sein. Die Integration in bestehende Strukturen macht die Lösung besonders praktikabel.
Fazit
Die Drone Round Munition zeigt auf der Enforce Tac, wie moderne C-UAS-Fähigkeit ohne komplexe Technik realisiert werden kann. Hohe Geschwindigkeit, gezielte Streuung und volle Kompatibilität mit Standardwaffen machen das System taktisch attraktiv. Besonders gegen jam-resistente Glasfaser-Drohnen bietet die kinetische Lösung einen klaren Vorteil. Sollte die Zertifizierung wie geplant erfolgen, könnte Drone Round die Infanterieausrüstung im Drohnenzeitalter nachhaltig verändern.