Die Precision Strike Missile (PrSM) – nächste Generation taktischer Raketenartillerie der US Army
Die Precision Strike Missile (PrSM) markiert einen tiefgreifenden technologischen Umbruch in der Raketenartillerie der United States Army. Sie ersetzt das veraltete ATACMS-System und erweitert die Reichweite, Präzision und Flexibilität bodengebundener Wirkmittel deutlich. Entwickelt von Lockheed Martin, ist PrSM für den Abschuss von HIMARS– und M270 MLRS-Plattformen ausgelegt. Stand Dezember 2025 befindet sich das System in der Serienproduktion, mit laufenden Tests, steigenden Auslieferungszahlen und klaren Ausbaupfaden für künftige Einsatzszenarien.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- PrSM ersetzt ATACMS vollständig und steigert die Reichweite auf über 400 km
- Serienproduktion läuft, Milestone C wurde im Juli 2025 erreicht
- Verdoppelte Feuerkraft pro HIMARS-Pod durch zwei Raketen
- Modulares Design ermöglicht Anti-Schiff- und Langstreckenvarianten
- Zentrale Rolle für Joint All-Domain Operations der US-Streitkräfte
Was ist die Precision Strike Missile (PrSM)?
Die Precision Strike Missile ist eine hochpräzise, taktische Rakete der US Army, die ATACMS ablöst und Ziele in über 400 Kilometern Entfernung von mobilen Raketenwerfern aus bekämpfen kann.
Aktueller Entwicklungs- und Einsatzstatus
Die Precision Strike Missile hat 2025 einen entscheidenden Reifegrad erreicht. Im September absolvierte PrSM Increment 1 erfolgreich den Initial Operational Test and Evaluation. Dabei wurden reale Abschüsse über mehr als 200 Kilometer gegen simulierte Ziele durchgeführt. Die ersten Raketen wurden bereits im Dezember 2023 ausgeliefert. Im Jahr 2024 folgten 26 weitere Einheiten, 2025 kamen nochmals 54 hinzu.
Parallel erhielt das Programm im Juli 2025 Milestone C, also die Freigabe für die Massenproduktion. Ein Vertrag über 4,94 Milliarden US-Dollar sichert die industrielle Skalierung langfristig ab. Ab 2027 sind Produktionsraten von bis zu 400 Raketen pro Jahr vorgesehen.
Technische Leistungsdaten und Systemarchitektur
PrSM Increment 1 erreicht eine bestätigte Reichweite von über 499 Kilometern. Die Lenkung erfolgt über ein kombiniertes INS/GPS-System, das auch bei elektronischer Störung eine hohe Treffgenauigkeit ermöglicht. Der eingesetzte Splittergefechtskopf ist für stationäre, hochwertige Landziele optimiert.
Ein zentraler Vorteil ist die verdoppelte Kapazität pro HIMARS-Pod. Statt einer ATACMS-Rakete können nun zwei PrSM-Flugkörper mitgeführt werden. Die offene Systemarchitektur erlaubt Software- und Hardware-Upgrades ohne vollständige Neuentwicklung. Damit bleibt das System langfristig anpassungsfähig für neue Bedrohungslagen.
Varianten, Increments und zukünftige Fähigkeiten
PrSM ist bewusst als mehrstufiges Entwicklungsprogramm ausgelegt. Increment 1 ist seit 2024 einsatzbereit und konzentriert sich auf präzise Landzielbekämpfung über 500 Kilometer hinaus. Increment 2 erweitert das Einsatzspektrum erheblich.
Diese Variante erhält einen passiven Radar- und Infrarotsuchkopf und wird zur Anti-Schiff-Rakete mit Reichweiten bis zu 1.000 Kilometern. Der operative Einsatz ist ab 2027 geplant. Increment 3 und 4 befinden sich in der Konzeptphase. Sie sollen verstärkte Gefechtsköpfe für gehärtete Ziele sowie weitere Reichweitensteigerungen bringen. Erste Tests für Increment 2 begannen bereits im Januar 2024.
Produktion, Stückzahlen und industrielle Skalierung
Lockheed Martin baut die Produktionslinien konsequent aus. Für das Haushaltsjahr 2025 sind 230 Raketen vorgesehen, für FY 2026 bereits 268. Langfristig soll die jährliche Produktionskapazität auf 400 Einheiten steigen. Besonders relevant ist das geplante Gesamtvolumen von 1.589 Raketen für Increment 2.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass PrSM nicht als Nischenwaffe, sondern als Massenwirkmittel konzipiert ist. Die steigende Produktion beschleunigt zugleich die vollständige Ausmusterung des ATACMS-Systems. Industriell entsteht damit eines der größten Raketenprogramme der US-Army-Artillerie.
Produktionsüberblick (Auswahl):
| Jahr | Geplante/gelieferte Einheiten |
|---|---|
| 2023 | Erste Lieferung |
| 2024 | 26 Raketen |
| 2025 | 54 Raketen |
| ab 2027 | bis zu 400/Jahr |
Betreiber, Exportpläne und strategische Bedeutung
Hauptbetreiber der Precision Strike Missile ist die US Army. Eine erste Early Operational Capability ist bereits erreicht. International zeigt vor allem Australien starkes Interesse. Im Juni 2025 wurde ein Memorandum of Understanding zur Beschaffung und möglichen lokalen Produktion unterzeichnet.
Tests folgten im Juli 2025. Eine Anfrage Norwegens wurde hingegen abgelehnt, weitere Exporte sind derzeit nicht bestätigt. Strategisch stärkt PrSM die Abschreckung im Indo-Pazifik und in Europa. Die Fähigkeit, weitreichende Präzisionsschläge von mobilen Plattformen auszuführen, verändert die operative Planung moderner Landstreitkräfte grundlegend.
Fazit
Die Precision Strike Missile ist weit mehr als ein ATACMS-Nachfolger. Sie ist ein zentrales Element zukünftiger US-Gefechtsführung. Große Reichweite, hohe Präzision und modulare Erweiterbarkeit machen PrSM zu einem strategischen Schlüsselwerkzeug. Mit steigender Produktion und neuen Varianten wird sie die Rolle bodengebundener Raketenartillerie nachhaltig verändern.