AW249 Fenice: Technik, Bewaffnung und Italiens neuer Kampfhubschrauber
8,3 Tonnen, CT7-Triebwerke und Drohnenkooperation: Was der Nachfolger des A129 wirklich leisten soll
Italien ersetzt seinen A129 Mangusta nicht mit einer bloßen Neuauflage. Der AW249 Fenice soll Kampfhubschrauber, fliegender Sensor und Führungsknoten zugleich sein. Leonardo nennt 8,3 Tonnen maximales Abfluggewicht, zwei CT7-8E6-Triebwerke und 287 km/h maximale Reisegeschwindigkeit unter definierten Bedingungen. Diese Zahlen sind greifbar. Schwieriger zu bewerten ist der eigentliche Anspruch: in einem umkämpften digitalen Gefechtsfeld bemannte und unbemannte Systeme zusammenzuführen.
Technische Kerndaten
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Nutzer und Hersteller | Italienisches Heer; Leonardo Helicopters |
| Maximales Abfluggewicht | 8.300 kg nach Herstellerangabe |
| Antrieb | zwei GE CT7-8E6 plus Hilfstriebwerk, zusammen mehr als 2 × 2.500 shp |
| Abmessungen | 17,63 m Länge bei drehendem Rotor, 14,60 m Rotordurchmesser, 4,26 m Höhe |
| Bewaffnung | 20-mm-Kanone, 70-mm-Raketen sowie Luft-Luft- und Luft-Boden-Flugkörper |
Warum Italien einen neuen Kampfhubschrauber baut
Der A129 war ein europäischer Pionier, stößt aber bei Nutzlast, Stromversorgung, Sensorik und Wachstum an Grenzen. Das Programm NEES – Nuovo Elicottero da Esplorazione e Scorta – setzt deshalb auf eine größere Plattform. Sie soll bewaffnete Aufklärung, Eskorte, Luftnahunterstützung und Abriegelung leisten. Der italienische Name Fenice, Phönix, passt zur Logik: nicht alles vom Mangusta verwerfen, sondern Erfahrung in eine deutlich schwerere und digitalere Architektur überführen.
Zelle, Antrieb und Leistungsdaten
Leonardo veröffentlicht 8.300 Kilogramm maximales Abfluggewicht, 14,60 Meter Rotordurchmesser und 17,63 Meter Länge bei drehendem Rotor. Zwei GE CT7-8E6 mit jeweils mehr als 2.500 Wellen-PS treiben die Maschine an; ein APU unterstützt Energieversorgung und Bodenbetrieb. Als maximale Reisegeschwindigkeit nennt der Hersteller 287 km/h beziehungsweise 155 Knoten bei mittlerem Missionsgewicht und maximaler Dauerleistung. Dieser Zusatz ist wichtig: Er ist kein pauschaler Höchstwert für jede Beladung und jedes Klima.
Sensorfusion statt einzelner Zieloptik
Der klassische Kampfhubschrauber sucht Ziele mit elektrooptischem Turm und Helmvisier. AW249 erweitert dieses Modell um taktische Datenlinks, Software Defined Radios, Full-Motion-Video und ein Gefechtsführungssystem, das Informationen zusammenführen soll. Die Besatzung kann damit ein Lagebild aus eigenen Sensoren, Bodentruppen und anderen Luftfahrzeugen erhalten. Der Nutzen hängt von Bandbreite, Störfestigkeit und Bedienbarkeit ab. Mehr Daten helfen nur, wenn die Software Wichtiges priorisiert und die Zwei-Mann-Besatzung nicht überlastet.
Manned-Unmanned Teaming und Air-Launched Effects
Leonardo stellt die Kooperation mit Drohnen und aus der Luft gestarteten Effektoren ins Zentrum. Eine Drohne kann hinter einem Geländerücken aufklären, Ziele bestätigen oder elektronische Signale erfassen, während der Hubschrauber in Deckung bleibt. Denkbar ist auch die Aufgabenverteilung an mehrere unbemannte Systeme. Öffentlich ist jedoch nicht vollständig bekannt, welche Drohnentypen, Autonomiestufen und Waffenfreigaben die erste italienische Konfiguration erhält. Das Konzept ist bestätigt; die konkrete Einsatzreife jeder Funktion muss getrennt betrachtet werden.
Bewaffnung mit Raum für nationale Integration
Das bestätigte Spektrum umfasst eine schwenkbare 20-mm-Kanone, ungelenkte und gelenkte 70-mm-Raketen, Luft-Luft- sowie Luft-Boden-Flugkörper. Das italienische Heer nennt moderne Spike-Flugkörper und eine Kanone mit 500 Schuss. Die offene Missionsarchitektur soll weitere Effektoren erleichtern. Integration bedeutet dennoch mehr als mechanisches Anbauen: Flugerprobung, Software, Zielzuweisung, elektromagnetische Verträglichkeit und Zulassung bestimmen, wann eine Waffe tatsächlich einsatzfähig ist.
Schutz: von Panzerung bis Cyberresilienz
Leonardo nennt gepanzerte Sitze, ballistisch tolerante Kraftstofftanks, Crashsicherheit und aktive wie passive Selbstschutzmittel. Das Getriebe soll nach Ölverlust mindestens 50 Minuten trocken weiterlaufen können. Sensoren sollen Radar-, Laser-, Infrarot- und Beschusswarnungen liefern. Gegen moderne Flugabwehr zählt jedoch nicht nur Panzerung. Tiefflug, Signaturmanagement, verteilte Sensoren, Täuschkörper, elektronische Gegenmaßnahmen und der Einsatz aus Abstand bilden gemeinsam die Überlebensstrategie. Auch Cyberangriffe auf Datenlinks und Missionssoftware gehören zum Bedrohungsbild.
Programmstand und Beschaffung
Leonardo meldete für 2024 eine erste Schießkampagne und die Teilnahme an einer Übung des italienischen Heeres. In den Ergebnissen für 2025 nennt der Konzern einen Auftrag über weitere Hubschrauber in Standardkonfiguration und zusätzliche Fähigkeitsentwicklung. Das bestätigt den Übergang von Prototypen zu einer frühen Beschaffungsphase, ersetzt aber keine Erklärung voller Einsatzbereitschaft. Das Heer hatte öffentlich eine Lieferung ab 2027 vorgesehen; tatsächliche Staffelreife hängt von Abnahme, Ausbildung und logistischer Ausstattung ab.
Exportchance und Konkurrenz
AW249 tritt in einem kleinen, politisch sensiblen Markt gegen Apache, Tiger-Modernisierungen, T129/T929 und verschiedene bewaffnete Mehrzweckhubschrauber an. Sein Verkaufsargument ist eine neue Zelle mit europäischen Schnittstellen, Wachstumspotenzial und Drohnenkooperation. Käufer bewerten aber nicht nur Flugleistung: verfügbare Waffen, Exportgenehmigungen, Lieferzeit, industrielle Beteiligung und langfristige Betriebskosten entscheiden. Ohne ausreichende Stückzahl kann eine moderne Plattform technisch stark und trotzdem teuer im Unterhalt bleiben.
Redaktionelles Urteil
Fenice ist interessant, weil Leonardo den Kampfhubschrauber nicht isoliert denkt. Die Plattform soll als bemannter Knoten unbemannte Sensoren und Effektoren dirigieren, während starke Triebwerke und ein größeres Abfluggewicht Reserven schaffen. Die Hardwaredaten sind plausibel und teilweise veröffentlicht. Die entscheidende Unbekannte liegt in der Software: Wie robust, intuitiv und interoperabel das vernetzte Gefechtssystem unter Störung funktioniert, lässt sich erst in Truppenversuchen und Übungen bewerten.
Video: AW249 im Herstellerporträt
Primärquellen und Methode
Die Einordnung stützt sich auf Unterlagen von Streitkräften, Beschaffungsstellen und Herstellern. Herstellerwerte werden als solche kenntlich gemacht; fehlende oder klassifizierte Daten werden nicht durch Schätzungen ersetzt.
- Leonardo – AW249 product data
- Italian Army – AH-249 Fenice capabilities
- Leonardo – 2025 annual results and AW249 order
- Leonardo – AW249 brochure
Häufige Fragen
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Ist der AW249 Fenice bereits einsatzbereit?
Das Programm befindet sich in Erprobung und früher Beschaffung. Eine umfassende Einsatzbereitschaft der italienischen Verbände ist öffentlich noch nicht bestätigt.
Welche Waffen trägt der AW249?
Bestätigt sind eine schwenkbare 20-mm-Kanone, 70-mm-Raketen sowie Luft-Luft- und Luft-Boden-Flugkörper; die konkrete Zulassung hängt von Konfiguration und Nutzer ab.
Kann der AW249 Drohnen steuern?
Manned-Unmanned Teaming ist ein Kernelement. Welche Drohnen und Autonomiestufen in der ersten Einsatzversion vollständig verfügbar sein werden, ist nicht abschließend öffentlich.
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