ASUL: Bundeswehr rüstet Drohnenabwehr auf

Die Bundeswehr treibt den Schutz ihrer Einsatzkräfte konsequent voran. Mit der Entscheidung, das Drohnenabwehrsystem ASUL um kinetische Wirkmittel zu erweitern, reagiert sie auf die wachsende Bedrohung durch kleine unbemannte Luftfahrzeuge. Was bislang vor allem auf elektronische Störmaßnahmen setzte, wird nun um eine physische Bekämpfungskomponente ergänzt. Der Auftrag an die ESG markiert eine klare Kampfwertsteigerung und zeigt, wie ernst die Bundeswehr die Drohnengefahr inzwischen nimmt.

ASUL: Bundeswehr rüstet Drohnenabwehr auf
ASUL: Bundeswehr rüstet Drohnenabwehr auf

Das Wichtigste in Kürze

  • ASUL wird um kinetische Wirkmittel zur aktiven Drohnenbekämpfung erweitert
  • Auftraggeber ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr
  • Auftragnehmer ist die ESG als ASUL-Entwickler und Softwareanbieter
  • Detektionsreichweite bis 400 m bei beweglichen und 800 m bei statischen Zielen
  • Vertragslaufzeit von Dezember 2025 bis Mai 2027

Warum erhält das Drohnenabwehrsystem ASUL kinetische Wirkmittel?

ASUL wird erweitert, damit die Bundeswehr Drohnen nicht nur stören, sondern bei Bedarf auch gezielt abschießen kann. So steigt die Wirksamkeit gegen moderne sUAS-Bedrohungen deutlich.

Auftrag und Hintergrund der Beschaffung

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hat die zu Hensoldt gehörende ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH offiziell mit der Integration kinetischer Wirkmittel in ASUL beauftragt. Grundlage ist eine auf der europäischen Vergabeplattform TED veröffentlichte Mitteilung. Der Auftrag wurde ohne Wettbewerb vergeben. Als Begründung nennt das BAAINBw bestehende Ausschließlichkeitsrechte. Dazu zählen insbesondere geistige Eigentumsrechte an Software und Systemarchitektur. Die ESG hatte ASUL ursprünglich entwickelt und programmiert. Ein Wechsel des Auftragnehmers wäre technisch kaum möglich gewesen. Der Vertragsabschluss erfolgte am 9. Dezember. Der Leistungszeitraum beginnt im Dezember 2025 und endet am 25. Mai 2027.

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Technische Fähigkeiten des erweiterten ASUL-Systems

Mit der Kampfwertsteigerung wird ASUL deutlich leistungsfähiger. Das System soll kleine unbemannte Luftfahrzeuge frühzeitig erkennen. Bewegliche Drohnen können bereits auf bis zu 400 Meter detektiert werden. Bei statischen Zielen steigt die Reichweite sogar auf bis zu 800 Meter. Diese Entfernungen sind entscheidend, um rechtzeitig reagieren zu können. Die Detektion bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen. Erst nach Identifikation und Klassifizierung erfolgt die Bekämpfung. Die Erweiterung verändert ASUL damit von einem reinen Schutz- zu einem aktiven Abwehrsystem.

Kombination aus Softkill und kinetischer Wirkung

ASUL wird von der Bundeswehr bereits seit Jahren eingesetzt. Bisher lag der Fokus auf sogenannten Softkill-Fähigkeiten. Sensoren erkennen anfliegende Drohnen und analysieren deren Verhalten. Anschließend werden Störsender eingesetzt, um Steuerung oder Navigation zu unterbrechen. Diese Methode ist effektiv, stößt aber an Grenzen. Autonome oder gehärtete Drohnen lassen sich oft nicht dauerhaft stören. Genau hier setzen die neuen kinetischen Wirkmittel an. Künftig können Drohnen auch physisch zerstört werden. Das erhöht die Einsatzsicherheit erheblich.

Rolle bestehender Waffenstationen

Schon im Vorjahr gab es Hinweise auf eine mögliche Lösung. Im Rahmen des abgebrochenen Projekts „qualifizierte Fliegerabwehr“ hatte die Bundeswehr zehn Waffenstationen beschafft. Hersteller ist der norwegische Rüstungskonzern Kongsberg. Diese Stationen verfügen über integrierte Granatmaschinenwaffen. Beobachter gingen früh davon aus, dass sie als kinetische Wirkmittel für ASUL dienen könnten. Mit dem aktuellen Auftrag gilt diese Annahme als bestätigt. Die Integration dieser Systeme schafft eine kosteneffiziente Nutzung vorhandener Ressourcen.

Bedeutung für den Schutz von Feldlagern

Der Schutz von Feldlagern ist einer der wichtigsten Einsatzzwecke von ASUL. Drohnen werden zunehmend zur Aufklärung oder als Waffenträger genutzt. Gerade kleine sUAS stellen eine schwer erkennbare Bedrohung dar. Durch die Erweiterung kann die Bundeswehr flexibel reagieren. Je nach Lage kommen elektronische oder kinetische Mittel zum Einsatz. Das reduziert Risiken für Personal und Infrastruktur. Gleichzeitig erhöht es die Abschreckung gegenüber potenziellen Angreifern. ASUL entwickelt sich damit zu einem zentralen Baustein moderner Truppenverteidigung.

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Vertragliche Rahmenbedingungen und Zeitplan

Über den finanziellen Umfang des Vertrags macht das BAAINBw keine Angaben. Das ist bei sicherheitsrelevanten Projekten nicht unüblich. Fest steht jedoch der klare Zeitrahmen. Der Auftragsbeginn ist für den 9. Dezember 2025 angesetzt. Bis zum 25. Mai 2027 soll die Integration abgeschlossen sein. In diesem Zeitraum erfolgen Entwicklung, Anpassung und Tests. Anschließend dürfte ASUL in der erweiterten Konfiguration einsatzbereit sein. Die Bundeswehr erhält damit ein deutlich schlagkräftigeres Drohnenabwehrsystem.

Fazit

Die Entscheidung, ASUL mit kinetischen Wirkmitteln auszustatten, ist ein logischer und notwendiger Schritt. Die Bundeswehr reagiert damit auf reale Einsatzbedrohungen. Durch die Kombination aus Softkill und physischer Bekämpfung entsteht ein modernes, flexibles Abwehrsystem. Bestehende Technik wird sinnvoll weitergenutzt. ASUL entwickelt sich so von einer Schutzlösung zu einem aktiven Verteidigungsinstrument. Das stärkt die Einsatzfähigkeit und erhöht die Sicherheit deutscher Soldaten spürbar.

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