Boeing entwickelt den Nachfolger der F-22. Die F-47 soll weiter fliegen, schwerer zu orten sein und unbemannte Begleiter führen – doch das wichtigste Leistungsmerkmal bleibt bislang die Geheimhaltung.

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Der wichtigste amerikanische Kampfjet der kommenden Jahrzehnte existiert öffentlich vor allem als Versprechen. Seine endgültige Form ist geheim, seine Bewaffnung nicht benannt, sein Triebwerk nicht ausgewählt. Trotzdem soll die Boeing F-47 noch vor 2029 fliegen, mehr als 1.000 nautische Meilen Kampfradius erreichen und gemeinsam mit autonomen Begleitflugzeugen gegnerische Luftverteidigung durchdringen. Für die US Air Force ist sie nicht bloß der Nachfolger der F-22, sondern der bemannte Mittelpunkt eines neuen Systems des Luftkriegs.

Boeing F-47: Amerikas Kampfjet der sechsten Generation [Bildinhalt mit KI erstellt]
Boeing F-47: Amerikas Kampfjet der sechsten Generation [Bildinhalt mit KI erstellt]

Das Wichtigste in Kürze: Die US Air Force vergab den Entwicklungsauftrag für die F-47 am 21. März 2025 an Boeing. Geplant sind mehr als 185 Flugzeuge. Offiziell genannt werden ein Kampfradius von über 1.000 nautischen Meilen, eine Geschwindigkeit von mehr als Mach 2, deutlich weiterentwickelte Tarnung und der gemeinsame Einsatz mit Collaborative Combat Aircraft. Der Erstflug soll noch während der bis Januar 2029 laufenden Präsidentschaft Donald Trumps stattfinden. Belastbare Angaben zu Abmessungen, Triebwerk, Radar, Waffenlast und Stückpreis sind nicht veröffentlicht.

Redaktionsstand: 15. August 2026. Die F-47 ist ein klassifiziertes Entwicklungsprogramm. Dieses Dossier trennt bestätigte Angaben der US-Regierung, der Air Force und von Boeing von technischen Ableitungen. Das Artikelbild ist eine KI-generierte Konzeptdarstellung und zeigt nicht das reale, weiterhin geheime Flugzeug.

F-47: der bestätigte Programmstand

Merkmal Öffentlich bestätigter Stand
Auftraggeber United States Air Force
Hauptauftragnehmer Boeing
Programm Next Generation Air Dominance, bemannte Plattform
Phase Engineering and Manufacturing Development
Geplante Flotte mehr als 185 Flugzeuge
Kampfradius mehr als 1.000 nautische Meilen / rund 1.850 Kilometer
Geschwindigkeit mehr als Mach 2
Vorgesehener Erstflug vor Januar 2029
Aufgabe Luftüberlegenheit und tiefes Eindringen in stark verteidigte Räume
Produktion Großraum St. Louis, Missouri

Diese Tabelle ist bemerkenswert kurz. Wer Spannweite, Leergewicht, Schub, Radarreichweite oder Zahl der internen Waffenstationen angibt, bewegt sich nicht mehr auf gesichertem Boden. Selbst die veröffentlichten Bilder sind ausdrücklich künstlerische Darstellungen. Sie belegen keine konkrete Flügel-, Leitwerks- oder Lufteinlaufgeometrie.

Warum die F-47 gebraucht wird

Die F-22 Raptor bleibt ein außergewöhnlich leistungsfähiger Luftüberlegenheitsjäger, wurde aber für eine andere Epoche entwickelt. Ihre relativ kurze Reichweite, eine kleine Flotte von weniger als 190 Kampfmaschinen, hohe Betriebskosten und eine schwer modernisierbare Architektur begrenzen den Einsatz in einem möglichen Konflikt im Indopazifik. Dort liegen Flugplätze weit auseinander, Tankflugzeuge wären selbst bedroht und moderne Flugabwehrsysteme decken große Räume ab.

Die F-47 soll dieses Entfernungsproblem entschärfen. Ein Kampfradius von mehr als 1.000 nautischen Meilen läge deutlich über dem öffentlich bekannten Wert der F-22. Er würde die Abhängigkeit von vorgeschobenen Basen und verwundbaren Tankern nicht beseitigen, aber reduzieren. Zugleich soll das Flugzeug in einem Raum operieren, in dem gegnerische Radare, Langstreckenraketen, elektronische Kampfführung, Satelliten und Abfangjäger miteinander vernetzt sind.

NGAD ist kein einzelner Jet

Next Generation Air Dominance bezeichnet eine Familie von Systemen. Die F-47 ist deren bemannte, tief eindringende Luftüberlegenheitsplattform. Hinzu kommen Collaborative Combat Aircraft, vernetzte Sensoren, weltraumgestützte Aufklärung, Kommunikationsverbindungen, Waffen und Unterstützungsplattformen.

Das verändert die Rolle des Piloten. Er soll nicht jede Aufgabe selbst ausführen, sondern einen verteilten Kampfverband führen. Unbemannte Begleiter können zusätzliche Sensoren tragen, elektronische Angriffe fliegen, Waffen vorausbringen oder besonders gefährliche Korridore erkunden. Geht ein günstigeres CCA verloren, ist das militärisch und politisch weniger schwerwiegend als der Verlust eines Piloten und einer extrem teuren F-47.

Von „Loyal Wingmen“ zu sprechen greift dennoch zu kurz. Die Drohnen sollen nicht nur einem Flugzeug im engen Verband folgen. Entscheidend ist eine vernetzte Einsatzführung, in der Aufgaben, Sensordaten und Ziele dynamisch verteilt werden. Die F-47 wird damit ebenso Gefechtsstand in der Luft wie klassischer Jäger.

Stealth: nicht unsichtbar, sondern später erkennbar

Die Air Force verspricht eine deutlich weiterentwickelte Tarnung gegenüber heutigen Kampfflugzeugen. Gemeint ist nicht Unsichtbarkeit. Stealth senkt die Wahrscheinlichkeit und Reichweite einer Entdeckung, erschwert eine stabile Zielverfolgung und verkürzt die Reaktionszeit des Gegners.

Für die F-47 dürfte vor allem eine geringe Signatur aus vielen Blickrichtungen wichtig sein. Ein Flugzeug, das tief in einen gegnerischen Verteidigungsraum eindringt, kann nicht dauerhaft seine günstigste Frontansicht zum Radar halten. Formgebung, radarabsorbierende Werkstoffe, abgeschirmte Verdichter, interne Waffenräume, gekühlte Abgasführung und kontrollierte elektromagnetische Emissionen müssen zusammenwirken. Welche Lösungen Boeing gewählt hat, ist nicht öffentlich.

Ebenso entscheidend ist die Wartbarkeit. Tarnkappenflugzeuge nützen wenig, wenn Beschichtungen nach jedem Einsatz viele Arbeitsstunden verlangen. Die Air Force nennt höhere Verfügbarkeit, geringeren Personalbedarf und weniger Infrastruktur als Ziele. Damit ist Stealth nicht nur ein aerodynamisches, sondern auch ein logistisches Designproblem.

Sensoren und der Kampf um das elektromagnetische Spektrum

Offiziell bestätigt sind fortgeschrittene Sensorfusion und Interoperabilität, nicht jedoch konkrete Sensormodelle. Ein Flugzeug dieser Klasse wird Informationen aus eigenem Radar, passiven Hochfrequenzsensoren, Infrarot, CCA, Satelliten und anderen Plattformen zu einem Lagebild verbinden müssen. Der Pilot soll nicht mehrere Anzeigen interpretieren, sondern eine priorisierte taktische Darstellung erhalten.

Passives Arbeiten wird wichtiger. Wer sendet, kann geortet werden. Deshalb muss die F-47 gegnerische Emissionen erkennen, Daten anderer Sensoren empfangen und nur dann aktiv strahlen, wenn der taktische Gewinn das Risiko überwiegt. Elektronische Kampfführung ist dabei kein Zusatzbehälter, sondern Teil des Überlebenskonzepts: täuschen, stören, gegnerische Sensoren blenden und eigene Verbindungen gegen Störung schützen.

Antrieb: XA102, XA103 – oder eine andere Lösung?

Parallel zu NGAD finanzierte die Air Force das Programm Next Generation Adaptive Propulsion. General Electric entwickelt den XA102, Pratt & Whitney den XA103. Adaptive Triebwerke sollen ihren Luftstrom je nach Flugzustand verändern: hoher Schub für Kampf und Überschall, bessere Effizienz für lange Anflüge sowie zusätzliche Kühlleistung für Sensoren und Elektronik.

Das passt exakt zum F-47-Profil, beweist aber noch nicht, welches Triebwerk in die Serie gelangt. Eine öffentliche Auswahlentscheidung liegt nicht vor. Auch die Zahl der Triebwerke wurde nicht offiziell bestätigt. Mehr als Mach 2 ist ein Programmziel; ob Supercruise ohne Nachbrenner, in welcher Höhe und mit welcher Waffenlast erreicht wird, bleibt offen.

Bewaffnung: Reichweite vor spektakulärer Stückzahl

Zur konkreten Bewaffnung schweigt die Air Force. Für einen Stealth-Jäger sind interne Waffenschächte praktisch zwingend, weil Außenlasten die Radarsignatur erhöhen. Plausibel sind weitreichende Luft-Luft-Flugkörper, Waffen gegen Sensoren und Luftverteidigung sowie präzise Wirkmittel gegen hochwertige Bodenziele. Eine bestätigte Einsatzliste existiert nicht.

Im künftigen Luftkrieg zählt nicht allein, wie viele Raketen die F-47 selbst trägt. CCA können zusätzliche Effektoren in den Kampf bringen. Ein vorausfliegender unbemannter Träger könnte auf Zielinformationen der F-47 feuern, während diese passiv und schwerer auffindbar bleibt. So entsteht eine verteilte Waffenlast – allerdings nur, wenn Datenverbindungen unter massiver Störung funktionieren.

Entwicklung: X-Planes statt Papierflugzeug

Die F-47 begann nicht erst mit der Bekanntgabe 2025. Nach Angaben des damaligen Air-Force-Stabschefs David Allvin flogen über fünf Jahre experimentelle X-Planes mehrere hundert Stunden. Diese Demonstratoren erprobten Technologien und Einsatzkonzepte, waren aber nicht zwingend Prototypen der späteren Serienform.

Der Boeing-Vertrag umfasst die Entwicklungs- und Fertigungsreifephase, Integration, Tests und eine kleine Zahl von Erprobungsflugzeugen. Hinzu kommen preislich festgelegte Optionen für eine anfängliche Kleinserienproduktion. Digitale Entwicklung und eine staatlich kontrollierte offene Architektur sollen Änderungen schneller ermöglichen als bei früheren Programmen.

Der Zeitplan bleibt ehrgeizig: Der bemannte F-47-Entwurf soll vor Januar 2029 erstmals fliegen. Zwischen Erstflug, Waffenerprobung, Softwarefreigabe und Einsatzbereitschaft liegen jedoch gewöhnlich Jahre. Ein öffentlich bestätigtes Datum für die erste einsatzbereite Staffel gibt es nicht.

Boeing, Lockheed Martin und die industrielle Entscheidung

Im Wettbewerb setzte sich Boeing gegen Lockheed Martin durch; Northrop Grumman hatte sich zuvor aus dem Rennen um die bemannte Plattform zurückgezogen. Für Boeing ist der Auftrag strategisch. Die Produktion von F/A-18 und EA-18G läuft aus, während die F-15EX-Linie allein keine dauerhafte Auslastung garantiert. Die F-47 hält Fähigkeiten für Entwurf und Bau hochklassiger Kampfflugzeuge in einem zweiten US-Industriezweig neben Lockheed Martin.

Boeing investiert im Raum St. Louis Milliarden in neue Entwicklungs- und Fertigungsanlagen. Dort sitzen Phantom Works, digitale Entwicklungszentren und die Kampfjetproduktion. Der Standort wird damit zum industriellen Kern des Programms – und sein Erfolg hängt von Fachkräften, Lieferketten und einer Fertigungsqualität ab, die über Jahrzehnte gehalten werden muss.

Kosten: Milliarden sicher, Stückpreis geheim

Für das Haushaltsjahr 2026 wies das Pentagon in seinen Programmunterlagen rund 3,48 Milliarden Dollar für Forschung, Entwicklung, Integration und Tests aus: etwa 2,58 Milliarden im regulären Haushalt und 900 Millionen aus verpflichtenden Mitteln. Der später verabschiedete reguläre Verteidigungshaushalt stellte nach Auswertung des Congressional Research Service rund 3,08 Milliarden Dollar bereit. Diese Summen finanzieren Entwicklung, nicht die Beschaffung einer bestimmten Stückzahl.

Die Air Force erklärt, die F-47 solle weniger kosten als die F-22. Ohne offengelegte Bezugsgröße ist das keine belastbare Stückpreisangabe: Gemeint sein können Beschaffung, Betrieb oder Lebenszyklus; zudem wurde die F-22 in kleiner Serie gebaut. Der ehrliche Stand lautet daher: Die F-47 ist eines der teuersten laufenden US-Entwicklungsprogramme, ein seriöser Preis pro Flugzeug ist öffentlich noch nicht bestimmbar.

F-22, F-35 und F-47: keine einfache Wachablösung

Merkmal F-22 F-35A F-47
Hauptrolle Luftüberlegenheit Mehrzweck / Angriff / Sensorik Luftüberlegenheit in hoch umkämpften Räumen
Generation 5. 5. von der USAF als 6. bezeichnet
Öffentlicher Kampfradius deutlich unter 1.000 nm je nach Profil rund 590 nm mehr als 1.000 nm geplant
Geschwindigkeit über Mach 2 Mach 1,6 über Mach 2 geplant
Unbemannte Partner nachrüstbar begrenzt CCA-Integration vorgesehen von Beginn an Kern des Konzepts

Die F-47 ersetzt nicht die F-35. Beide erfüllen unterschiedliche Schwerpunkte und sollen gemeinsam kämpfen. Die F-22 wird modernisiert und bleibt bis zum Aufbau einer ausreichend großen F-47-Flotte unverzichtbar. Der Übergang dürfte deshalb über viele Jahre drei bemannte Stealth-Muster parallel umfassen.

Stärken, Risiken und offene Fragen

  • Reichweite: über 1.000 nautische Meilen adressieren das indopazifische Entfernungsproblem.
  • Stealth und elektronische Kampfführung: sollen das Eindringen gegen moderne integrierte Luftverteidigung ermöglichen.
  • CCA-Verbund: verteilt Sensoren, Risiken und Waffen auf bemannte und unbemannte Plattformen.
  • Offene Architektur: soll schnellere Software- und Hardware-Upgrades erlauben.
  • Industrie: Boeing erhält eine langfristige Perspektive im Kampfflugzeugbau.

Die Risiken sind ebenso groß: hochgesteckte Anforderungen können Kosten und Zeitplan treiben; adaptive Triebwerke und sichere Datenverbindungen sind technisch anspruchsvoll; CCA müssen unter Störung zuverlässig handeln; und ein klassifiziertes Programm entzieht zentrale Annahmen der öffentlichen Kontrolle. Mehr als 185 Flugzeuge sind ein Ziel, keine bereits finanzierte Bestellung.

Fazit: Die entscheidende Waffe ist der Verbund

Die F-47 wird nicht daran gemessen werden, ob sie in einer Kurve spektakulärer fliegt als die F-22. Ihr Wert liegt in Reichweite, Informationsvorsprung, Tarnung, Anpassbarkeit und der Fähigkeit, einen Schwarm verteilter Sensoren und Waffen zu dirigieren. Sie soll zuerst sehen, zuerst entscheiden und aus größerer Entfernung wirken.

Noch ist das vor allem ein Entwicklungsversprechen. Boeing muss aus Demonstratoren ein wartbares Serienflugzeug machen, die Air Force muss das Zusammenspiel mit CCA operationalisieren und der Kongress muss über Jahre Milliarden bereitstellen. Gelingt das, ist die F-47 weniger ein neuer Jet als die Kommandozentrale eines neuen Luftkriegssystems. Scheitert der Verbund, bleibt selbst das modernste Flugzeug allein.

Häufige Fragen zur F-47

Ist die F-47 bereits geflogen?

Experimentelle NGAD-X-Planes flogen mehrere hundert Stunden. Der konkrete bemannte F-47-Entwurf soll vor Januar 2029 erstmals fliegen; ein öffentlich bestätigter Erstflug liegt noch nicht vor.

Wie viele F-47 will die US Air Force kaufen?

Die veröffentlichte Planung nennt mehr als 185 Flugzeuge. Das ist ein Flottenziel, kein vollständig finanzierter Festauftrag.

Wie schnell und wie weit fliegt die F-47?

Die Air Force nennt mehr als Mach 2 und über 1.000 nautische Meilen Kampfradius. Weitere Bedingungen und Detailwerte sind geheim.

Welche Waffen trägt die F-47?

Eine offizielle Waffenliste wurde nicht veröffentlicht. Interne Luft-Luft- und Präzisionswaffen sind technisch plausibel, aber Typen und Stückzahlen bleiben unbestätigt.

Warum heißt das Flugzeug F-47?

Die Bezeichnung wurde 2025 von Präsident Trump verkündet. Politische und historische Deutungen kursieren; eine belastbare technische Bedeutung hat die Zahl nicht.

Offizielle Quellen

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