U212CD: Deutschlands lautlosestes U-Boot im großen Dossier
Zwölf Boote sind für Deutschland und Norwegen bestellt, Kanada verhandelt über bis zu zwölf weitere: das große Dossier zu Technik, Tarnung, Bewaffnung, Bau und Einsatz.
Das gefährlichste U-Boot ist nicht das schnellste und nicht das größte. Es ist jenes, dessen Anwesenheit der Gegner erst bemerkt, wenn es für eine Reaktion zu spät ist. Genau auf diesen Vorsprung ist die neue Klasse U212CD zugeschnitten. Deutschland und Norwegen lassen zwölf nahezu identische Boote bauen; Kanada hat den Typ im Juli 2026 als bevorzugte Lösung für bis zu zwölf weitere ausgewählt. Damit könnte aus einem bilateralen Projekt die wichtigste konventionelle U-Boot-Familie der nördlichen NATO werden. Doch was ist über Technik, Bewaffnung und Kosten wirklich bestätigt – und wo beginnen Herstellerwerbung, nationale Sonderausstattung und Spekulation?
Das Wichtigste in Kürze: Deutschland und Norwegen haben jeweils sechs U212CD fest bestellt. Das rund 73 Meter lange Boot verdrängt aufgetaucht etwa 2.500 Kubikmeter und ist damit deutlich größer als U212A. Ein diesel-elektrischer Antrieb mit wasserstoffbasierter Brennstoffzelle ermöglicht lange Tauchphasen. Der facettierte Rumpf soll akustische und andere Signaturen reduzieren. ORCCA integriert Sensoren, Navigation und Waffen; für die deutschen Boote ist der neue Schwergewichtstorpedo DM2A5 beauftragt. Die erste norwegische Einheit ist für 2029, das erste deutsche Boot für 2032 vorgesehen. Kanada verhandelt über bis zu zwölf Boote, hat aber noch keinen endgültigen Bauvertrag geschlossen.
Redaktionsstand: 14. August 2026. U-Boot-Daten unterliegen aus nachvollziehbaren Gründen besonderer Geheimhaltung. Dieses Dossier trennt bestätigte Angaben der Regierungen, Streitkräfte und beteiligten Unternehmen von plausiblen, aber nicht öffentlich belegten Details.
U212CD in Zahlen
| Merkmal | Öffentlich bestätigter Stand |
|---|---|
| Hersteller / Generalunternehmer | TKMS |
| Feste Bestellungen | 6 Deutschland, 6 Norwegen |
| Kanada | TKMS seit Juli 2026 bevorzugter Anbieter für bis zu 12; Vertragsverhandlungen laufen |
| Länge | ca. 73 Meter |
| Breite | ca. 10 Meter |
| Höhe | ca. 13 Meter |
| Verdrängung aufgetaucht | ca. 2.500 m³ nach Bundeswehr-Vergleichstabelle |
| Antrieb | diesel-elektrisch plus wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-AIP |
| Gefechtssystem | ORCCA von kta naval systems |
| Bestätigte deutsche Hauptwaffe | DM2A5-Schwergewichtstorpedo |
| Produktionsbeginn | September 2023 |
| Erste Auslieferungen | Norwegen 2029, Deutschland 2032 |
| Deutsche Serie | gestaffelt bis 2037 |
| Norwegisches Programm | Fertigstellung bis 2038 vorgesehen |
Eine Höchstgeschwindigkeit, Tauchtiefe, Reichweite, Besatzungsstärke oder genaue Zahl der Waffenrohre haben die deutschen und norwegischen Auftraggeber bislang nicht als belastbaren Datensatz veröffentlicht. Häufig zitierte Werte aus Messegrafiken und Sekundärquellen sollten deshalb nicht wie amtliche Spezifikationen behandelt werden.
Was bedeutet „Common Design“?
Das Kürzel CD steht für Common Design. Dahinter steckt mehr als die gemeinsame Bezahlung einer Entwicklung. Deutschland und Norwegen wollen dieselbe Grundkonstruktion betreiben, Ausbildung, Ersatzteile, Logistik, Wartung und Weiterentwicklung eng verzahnen und ihre Boote im Bündnis leichter gemeinsam einsetzen. 2017 wählte Norwegen Deutschland als strategischen Partner; 2018 folgte die Programmvereinbarung, am 8. Juli 2021 wurden die ersten Beschaffungsverträge unterzeichnet.
Der ursprüngliche Auftrag umfasste zwei deutsche und vier norwegische Boote. Deutschland zog Ende 2024 die Option auf vier weitere Einheiten. Norwegen bestellte am 30. Januar 2026 ebenfalls zwei zusätzliche Boote. Damit umfasst das feste Programm zwölf U-Boote – paritätisch auf beide Marinen verteilt.
„Identisch“ bedeutet dennoch nicht, dass jedes Kabel und jedes Stück Ausrüstung auf Dauer gleich bleiben muss. Nationale Kommunikationsmittel, Kryptografie, Waffenbestände oder rechtliche Zulassungen können Unterschiede erzeugen. Der Wert des Common Design liegt in einer möglichst großen gemeinsamen Basis und kontrollierten Abweichungen, nicht in der Vorstellung zweier vollkommen unveränderlicher Serien.
Größer als U212A – und für weitere Wege gebaut
U212CD baut auf der deutschen Klasse U212A auf, ist aber kein bloß verlängertes Los. Die Bundeswehr nennt rund 73 statt 56 Meter Länge, etwa zehn statt sieben Meter Breite und eine aufgetauchte Verdrängung von ungefähr 2.500 gegenüber 1.450 Tonnen. Das zusätzliche Volumen wird für größere Reichweiten, mehr Ausdauer, modernere Sensorik und die Anforderungen des Nordatlantiks benötigt.
U212A war besonders für Ostsee, Nordsee und küstennahe europäische Gewässer optimiert. U212CD soll weiter, länger und mit höherer Mobilität operieren. Der Jahresbericht des Marinekommandos beschreibt ausdrücklich größere Entfernungen in kürzerer Zeit und stark verbesserte Signatureigenschaften. Das ist strategisch entscheidend: Ein Boot aus Eckernförde oder Haakonsvern muss seine Patrouillengebiete an der NATO-Nordflanke erreichen, dort lange verdeckt bleiben und anschließend Reserven für Rückmarsch und ungeplante Lageänderungen besitzen.
Warum der Diamantrumpf leiser sein soll
Das sichtbarste Merkmal ist der ungewöhnlich facettierte Querschnitt. TKMS spricht von einer charakteristischen Diamantform, die die Signatur verringern soll. Bei einem U-Boot umfasst „Stealth“ mehrere voneinander verschiedene Spuren:
- Akustik: Maschinen, Pumpen, Propeller und Strömung erzeugen Geräusche, die passive Sonare auffangen können.
- Aktives Sonar: Ein ausgesandter Schallimpuls wird an Rumpf, Turm und Anbauten reflektiert. Form und Beschichtung beeinflussen das Echo.
- Magnetik: Metallische Strukturen verändern das Erdmagnetfeld und können von Sensoren oder Minen erkannt werden.
- Radar und Infrarot: Sobald Masten, Schnorchel oder Bootskörper die Oberfläche durchbrechen, entstehen weitere Signaturen.
- Elektromagnetische Emissionen: Funk, Radar und Datenverbindungen können verraten, dass und wo ein Boot sendet.
Die Form allein macht das Boot nicht unsichtbar. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus hydrodynamischer Gestaltung, elastischer Lagerung von Maschinen, leiser elektrischer Fahrt, Beschichtungen, Entmagnetisierung und diszipliniertem Betrieb. Exakte Messwerte wären militärisch hochsensibel und sind nicht öffentlich. Die seriöse Aussage lautet deshalb: U212CD wurde gegenüber U212A wesentlich stärker auf ein künftiges Umfeld mit leistungsfähigerer U-Boot-Jagd optimiert; wie groß der Vorsprung unter realen Bedingungen ausfällt, bleibt geheim.
Brennstoffzelle: Tage und Wochen ohne Schnorcheln
Das Boot besitzt einen diesel-elektrischen Antrieb und eine luftunabhängige Energieversorgung auf Basis von Wasserstoff-Brennstoffzellen. Bei der Brennstoffzellenreaktion entsteht elektrische Energie, ohne dass ein Verbrennungsmotor ständig Außenluft benötigt. Dadurch kann das U-Boot bei geringer Fahrt lange getaucht bleiben, ohne zum Laden der Batterien den Schnorchel auszufahren.
Dieser Unterschied ist taktisch enorm. Ein konventionelles U-Boot ist am verwundbarsten, wenn es nahe der Oberfläche schnorchelt: Radar, elektrooptische Sensoren, Infrarot und Flugzeuge können den Mast oder dessen Spur erfassen. Die Brennstoffzelle verschiebt diesen Zwang. Sie liefert keine magische unbegrenzte Energie und ist nicht für jede Hochgeschwindigkeitsfahrt gedacht; sie erlaubt aber eine sehr leise, ausdauernde Patrouille, während Batterien Leistungsspitzen übernehmen.
Kanadas Regierung warb bei der Auswahlentscheidung mit mehr als 40 Tagen vollständiger Tauchfahrt sowie Lithium-Ionen-Batterien. Diese Angaben beziehen sich auf das kanadische Angebot beziehungsweise dessen vorgesehene Konfiguration. Sie sollten nicht ungeprüft auf jedes deutsche oder norwegische Serienboot übertragen werden. Die Auftraggeber haben für ihre Boote weder exakt 40 Tage noch eine identische Batteriekonfiguration öffentlich bestätigt.
ORCCA: Das digitale Nervensystem
Das Gefechtssystem ORCCA wird von kta naval systems entwickelt und geliefert, einem Gemeinschaftsunternehmen von TKMS, ATLAS ELEKTRONIK und Kongsberg. Es verbindet Sonare, optronische Masten, Navigation, Kommunikationsmittel und Waffen mit den Arbeitsplätzen der Besatzung. Kongsberg liefert dafür unter anderem Elemente der Gefechts-, Navigations- und Sonarverarbeitung.
Die Aufgabe eines solchen Systems ist nicht nur, Kontakte auf Bildschirmen anzuzeigen. Es muss schwache Geräuschspuren zusammenführen, Bewegungsmuster berechnen, Klassifizierungen unterstützen, eigene und verbündete Daten abgleichen und eine Feuerleitlösung erzeugen. Unter Wasser ist das besonders anspruchsvoll: Schall breitet sich abhängig von Temperatur, Salzgehalt, Tiefe und Meeresboden unregelmäßig aus. Ein Kontakt kann verschwinden, gespiegelt erscheinen oder im zivilen Schiffsverkehr untergehen.
Im Dezember 2025 erhielt Kongsberg einen Auftrag über 3,5 Milliarden norwegische Kronen für ORCCA-Elemente der zusätzlichen vier deutschen und zwei norwegischen Boote. Damit ist das System für alle zwölf fest bestellten Einheiten vorgesehen. Genaue Sonarmodelle, Reichweiten und Betriebsarten bleiben öffentlich bewusst unscharf.
Bewaffnung: DM2A5 bestätigt, vieles andere offen
Für die deutschen U212CD ist seit Dezember 2025 der neue DM2A5-Schwergewichtstorpedo vertraglich bestätigt. TKMS und das BAAINBw schlossen einen Rahmenvertrag über Entwicklung, Produktion und Lieferung. Der elektrisch angetriebene Torpedo soll eine modulare Batterie, geringe akustische Signatur, digitale Sonartechnik und eine breitbandige Glasfaserverbindung zum U-Boot erhalten. Letztere erlaubt der Besatzung, Sensordaten des Torpedos zu nutzen und ihn auch nach dem Schuss präzise zu führen.
Der DM2A5 ist damit der klar belegte Haupt-Effektor gegen Unter- und Überwasserziele. Stückzahl, Reichweite, Geschwindigkeit und Gefechtskopfdetails wurden nicht veröffentlicht. Auch die genaue Zahl der Torpedorohre und die Munitionszuladung von U212CD sind öffentlich nicht verlässlich bestätigt.
Beim Flugkörpersystem IDAS ist Zurückhaltung nötig. Deutschland finanziert Entwicklung und Qualifizierung einer aus dem getauchten U-Boot startbaren Selbstverteidigungswaffe gegen U-Jagd-Hubschrauber. Das System wird aus einem Torpedorohr ausgestoßen und bleibt über Glasfaser mit dem Bediener verbunden. Es ist für die U212-Familie hochrelevant; eine öffentlich belastbare Erklärung, dass IDAS bereits Teil der anfänglichen U212CD-Einsatzkonfiguration oder für jedes Boot in konkreter Stückzahl bestellt ist, liegt jedoch nicht vor.
| System | Status zum Redaktionsstand |
|---|---|
| DM2A5-Schwergewichtstorpedo | Für U212CD vertraglich bestätigt |
| ORCCA-Integration von Sensoren und Waffen | Für alle zwölf deutschen und norwegischen Boote bestätigt |
| IDAS | Entwicklung und Qualifizierung finanziert; konkrete U212CD-Erstbeladung nicht öffentlich bestätigt |
| Minen, Drohnen oder Spezialkräfte-Ausrüstung | Operativ plausibel, aber keine vollständige öffentliche Serienkonfiguration |
Die Mission: Nordflanke, GIUK-Lücke und kritische Infrastruktur
U212CD ist für die Landes- und Bündnisverteidigung an der nördlichen NATO-Flanke optimiert. Norwegen liegt gegenüber den Operationsräumen und Basen der russischen Nordflotte. Zwischen Barentssee, Norwegischer See und Nordatlantik verlaufen die Wege, über die russische U-Boote in den Atlantik gelangen – und über die im Krisenfall Verstärkung aus Nordamerika nach Europa kommt.
Ein verborgenes U-Boot kann Seegebiete überwachen, gegnerische Schiffe binden und einem Gegner die sichere Nutzung von Räumen verwehren, ohne ständig Waffen einzusetzen. Seine Unsichtbarkeit erzeugt Unsicherheit: Der Gegner muss Flugzeuge, Fregatten, Sonarbojen und eigene U-Boote für die Suche abstellen. Diese Sea-Denial-Wirkung ist bereits Abschreckung.
Zu den wahrscheinlichen Aufgaben gehören:
- Aufklärung und verdeckte Gewinnung eines Unterwasserlagebildes,
- Jagd auf gegnerische U-Boote und Überwasserschiffe,
- Schutz transatlantischer Verstärkungs- und Versorgungswege,
- Überwachung der GIUK-Lücke und weiterer Zugänge zum Nordatlantik,
- Beobachtung kritischer Unterwasserinfrastruktur wie Daten- und Energiekabel,
- Unterstützung von Spezialkräften, soweit national vorgesehen,
- gemeinsame Operationen mit P-8A-Seefernaufklärern, Fregatten und verbündeten U-Booten.
Für Deutschland ergänzen die neuen Boote zunächst die sechs U212A des 1. Ubootgeschwaders in Eckernförde. Für Norwegen ersetzen sie die alternde Ula-Klasse. Beide Flotten erhalten damit dieselbe Grundplattform, aber unterschiedliche Übergänge: Deutschland baut seine U-Boot-Zahl aus, Norwegen muss während der Einführung zugleich eine alte Klasse bis zur Ablösung verfügbar halten.
Bau in Kiel und Wismar, Wartung in Haakonsvern
Nach dem erfolgreichen Critical Design Review begann die Produktion im September 2023. Anfang 2026 befanden sich in Kiel bereits drei Boote im Bau, zwei norwegische und ein deutsches. Das erste norwegische Boot soll 2027 zu Wasser gelassen und 2029 übergeben werden. Deutschland erwartet sein erstes U212CD 2032; die sechs deutschen Einheiten sollen bis 2037 folgen, das norwegische Programm bis 2038 abgeschlossen werden.
Die auf zwölf Boote gewachsene Serie verlangt zusätzliche Kapazität. Deshalb entsteht in Wismar eine zweite Produktionslinie. TKMS modernisiert den Standort; nach Unternehmensangaben können dort bei voller Auslastung bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen. Eine zweite Linie ist mehr als Industriepolitik: Sie soll parallele Fertigung ermöglichen, Terminrisiken mindern und Raum für mögliche weitere Partner schaffen.
Norwegen baut in Haakonsvern bei Bergen neue U-Boot-Anlagen. Dort sollen sowohl norwegische als auch deutsche U212CD gewartet werden. Gemeinsame Instandhaltung, Ersatzteilbevorratung und Ausbildung machen die Partnerschaft im Alltag sichtbar – und schaffen zugleich gegenseitige Abhängigkeit, die in Krise und Frieden belastbar organisiert werden muss.
Kosten: Was Deutschland und Norwegen tatsächlich ausweisen
Der deutsch-norwegische Erstvertrag von 2021 hatte laut Bundeswehr einschließlich umfangreicher Logistik- und Ausbildungsmittel ein Volumen von rund 5,5 Milliarden Euro für die damaligen sechs Boote. Diese Summe ist kein einfacher Stückpreis, weil Simulatoren, Projektleistungen und Unterstützung enthalten sind und Deutschland sowie Norwegen eigene Verträge finanzieren.
Für vier zusätzliche deutsche U212CD bewilligte der Bundestag Ende 2024 eine überplanmäßige Ausgabe von 595 Millionen Euro und Verpflichtungsermächtigungen von rund 3,97 Milliarden Euro. Die Haushaltsunterlagen nennen für die gesamte Beschaffungsmaßnahme rund 4,97 Milliarden Euro. Auch hier verbietet sich die bloße Division: Entwicklung, Preisgleitung, Ausrüstung, Logistik und Zahlungszeitpunkte sind Teil des Pakets.
Norwegen beziffert das Gesamtprojekt für sechs Boote inzwischen mit rund 98 Milliarden norwegischen Kronen. Für die ursprünglichen vier Einheiten lag der zentrale Steuerungsrahmen zum 1. Juli 2025 bei 47,166 Milliarden und der Kostenrahmen einschließlich Unsicherheitsreserve bei 51,884 Milliarden Kronen. Unterschiedliche Mehrwertsteuer-, Infrastruktur- und Risikopositionen machen nationale Summen nur eingeschränkt vergleichbar.
Kanada: ausgewählt, aber noch nicht bestellt
Am 6. Juli 2026 erklärte Kanada TKMS mit U212CD zum bevorzugten Anbieter seines Canadian Patrol Submarine Project. Geplant sind bis zu zwölf Boote; die Vertragsverhandlungen sollen spätestens Ende 2027 abgeschlossen werden. Scheitern sie, bleibt Hanwha Ocean als Reserveanbieter im Verfahren. Von einem festen kanadischen Auftrag kann deshalb noch nicht gesprochen werden.
Kanada strebt die ersten vier Einheiten bis 2034 an. Die Regierung brachte dafür eine mögliche Neuordnung bereits vorgesehener deutscher und norwegischer Produktionsplätze ins Spiel. Welche Boote, Termine oder Baulose tatsächlich betroffen wären, ist nicht veröffentlicht. Genau hier liegt die zentrale industriepolitische Frage: Ein kanadischer Auftrag könnte die Nutzerbasis, Ersatzteilversorgung und Weiterentwicklung massiv stärken – darf aber die Einsatzplanung der Erstkunden nicht unterlaufen.
Kommt der Vertrag zustande, könnten Deutschland, Norwegen und Kanada zusammen bis zu 24 U212CD betreiben. Das wäre eine außergewöhnlich große NATO-Flotte konventioneller U-Boote mit Schwerpunkt Nordatlantik und Arktis. Bis zur Unterschrift bleibt diese Zahl ein Szenario, kein Auftragsbestand.
U212A und U212CD im Vergleich
| Merkmal | U212A | U212CD |
|---|---|---|
| Länge | 56 Meter | ca. 73 Meter |
| Breite | 7 Meter | ca. 10 Meter |
| Höhe | 11,5 Meter | ca. 13 Meter |
| Verdrängung aufgetaucht | 1.450 Tonnen | ca. 2.500 m³ |
| Grundkonzept | kompaktes, sehr leises Küsten- und Randmeer-U-Boot | größere Reichweite und Ausdauer für Nordatlantik und NATO-Nordflanke |
| Gefechtssystem | Systeme der bestehenden deutschen Lose | ORCCA |
| Haupttorpedo Deutschland | DM2A4 | DM2A5 beauftragt |
Die Tabelle zeigt Evolution und Bruch zugleich. Brennstoffzelle, leise elektrische Fahrt und die Erfahrung der U212-Familie bleiben erhalten. Größe, Reichweite, Sensorfusion, Signaturkonzept und die gemeinsame multinationale Nutzung verschieben U212CD jedoch in eine andere operative Gewichtsklasse.
Stärken und offene Risiken
- Stealth: Form, Antrieb und Signaturmanagement sind konsequent auf verdeckte Operationen ausgelegt.
- Ausdauer: Brennstoffzellen-AIP reduziert den gefährlichen Zwang zum Schnorcheln.
- Gemeinsame Flotte: Zwölf identische Grundplattformen verbessern Ausbildung, Ersatzteile und Weiterentwicklung.
- ORCCA: Eine gemeinsame digitale Architektur verbindet Sensoren, Navigation und Waffen.
- DM2A5: Deutschland erhält einen neuen, softwareorientiert weiterentwickelbaren Schwergewichtstorpedo.
- Industriebasis: Kiel, Wismar, Kongsberg und Haakonsvern bilden ein langfristiges europäisches Ökosystem.
Dem stehen Risiken gegenüber: Der parallele Hochlauf zweier Werften ist anspruchsvoll, Fachkräfte sind knapp, geheim gehaltene Leistungsdaten erschweren öffentliche Kontrolle, und Kanada könnte die Produktionsplanung verändern. Hinzu kommt die Abhängigkeit von einer funktionierenden multinationalen Software-, Logistik- und Wartungsorganisation. Ein gemeinsames Design senkt Kosten nur dann, wenn nationale Sonderwünsche diszipliniert bleiben.
Fazit: Kein Wunderboot, sondern ein strategisches System
U212CD ist weit mehr als der Nachfolger von U212A. Die Klasse verbindet ein stark signaturreduziertes, luftunabhängig angetriebenes Boot mit einem binationalen Betriebsmodell. Ihre eigentliche Wirkung entsteht nicht durch eine einzelne spektakuläre Kennzahl, sondern aus dem Zusammenspiel von verborgenem Durchhaltevermögen, Sensorfusion, Schwergewichtstorpedo und gemeinsamer NATO-Infrastruktur.
Deutschland und Norwegen haben aus ursprünglich sechs inzwischen zwölf feste Boote gemacht. Kanada könnte die Familie verdoppeln. Damit wächst auch der Erfolgsdruck: Die ersten Nutzer brauchen ihre Einheiten termingerecht, die zweite Produktionslinie muss Qualität liefern, und die Partner müssen über Jahrzehnte gemeinsame Standards bewahren.
Gelingt das, wird U212CD nicht deshalb strategisch bedeutsam sein, weil es öffentlich zur „lautlosesten“ Plattform erklärt wird. Es wird bedeutsam sein, weil ein Gegner im Nordatlantik nie sicher wissen kann, wo eines dieser Boote wartet – und weil hinter jedem einzelnen eine ganze verbündete Flotte, gemeinsame Daten, Wartung und Ausbildung stehen.
Häufige Fragen zu U212CD
Wie viele U212CD sind bestellt?
Deutschland und Norwegen haben jeweils sechs Boote fest bestellt, zusammen zwölf. Kanada verhandelt über bis zu zwölf weitere, hat aber noch keinen endgültigen Bauvertrag unterzeichnet.
Wann erhält Deutschland das erste Boot?
Die erste deutsche Einheit ist ab 2032 vorgesehen. Alle sechs deutschen Boote sollen gestaffelt bis 2037 geliefert werden.
Wie lange kann U212CD getaucht bleiben?
Die Brennstoffzellen-AIP ermöglicht lange Tauchphasen ohne Schnorcheln. Eine verbindliche deutsche oder norwegische Maximaldauer ist öffentlich nicht genannt. Die kanadische Regierung spricht für ihr Angebot von mehr als 40 Tagen; das ist nicht automatisch die bestätigte Serienleistung aller Varianten.
Welche Waffen trägt U212CD?
Für Deutschland ist der DM2A5-Schwergewichtstorpedo bestätigt. Genaue Rohrzahl, Munitionsmenge und weitere Effektoren wurden nicht vollständig veröffentlicht. IDAS wird entwickelt und qualifiziert, seine konkrete Erstintegration auf U212CD ist öffentlich noch nicht abschließend belegt.
Ist U212CD atomgetrieben?
Nein. Es ist ein konventionelles diesel-elektrisches U-Boot mit wasserstoffbasierter Brennstoffzelle als luftunabhängiger Energiequelle.
Wo werden die Boote gebaut?
Die ersten Einheiten entstehen bei TKMS in Kiel. In Wismar wird eine zweite Produktionslinie aufgebaut. Gemeinsame Wartung deutscher und norwegischer Boote ist auch in Haakonsvern bei Bergen vorgesehen.
Weiterführende Primärquellen
- Bundeswehr: Sechs U212CD für die Deutsche Marine
- Bundeswehr: U212A und U212CD im Vergleich
- TKMS: HDW Class 212CD
- Norwegische Regierung: Ausbau des U-Boot-Programms
- Forsvarsmateriell: Projekt Neue U-Boote
- Kongsberg: ORCCA und U-Boot-Systeme
- TKMS: DM2A5 für U212CD
- Kanada: Auswahl des bevorzugten Anbieters