Fregatte F128: Deutschlands neuer U-Boot-Jäger im Detail
Vier Schiffe sind finanziert, vier weitere geplant: Was über MEKO A-200 DEU, Sensoren, Bewaffnung, Einsatzräume und den Zeitplan bis 2032 bekannt ist.
Die Deutsche Marine bekommt einen neuen U-Boot-Jäger – und zwar in einem Tempo, das für deutsche Großprojekte auf See außergewöhnlich ist. Die als F128 bezeichnete MEKO A-200 DEU soll bereits Ende 2029 erstmals übergeben werden. Vier Fregatten sind finanziert, vier weitere politisch vorgesehen. Aus einer kurzfristig gedachten Antwort auf Verzögerungen wurde nach dem Ende der F126 das künftige Rückgrat der deutschen U-Boot-Abwehr. Doch wie viel Kriegsschiff passt in rund 4.000 Tonnen, welche Technik ist tatsächlich beschlossen und wo beginnt bislang die Spekulation?
Das Wichtigste in Kürze: Die F128 basiert auf der erprobten MEKO-A-200-Plattform von TKMS, wird für Deutschland aber als spezialisierte U-Jagd-Fregatte ausgerüstet. Bestätigt sind Bug- und Schleppsonar, MU90-Torpedos, ein NH90 Sea Tiger, ein Vertical-Launch-System, See-/Landzielflugkörper sowie Saab 9LV, Sea Giraffe 4A Fixed Face und Sea Giraffe 1X. Die ersten vier Schiffe kosten als Beschaffungspaket knapp 6,3 Milliarden Euro; vier weitere sind als Option vorgesehen. Die genaue Zahl der VLS-Zellen sowie die Typen vieler Flugkörper und Geschütze waren zum Redaktionsstand öffentlich noch nicht verbindlich benannt.
Stand: 14. August 2026. Bei einem laufenden Rüstungsprojekt können sich Konfiguration, Termine und Kosten verändern. Dieser Beitrag trennt deshalb bestätigte Programmdaten von Angaben zur allgemeinen MEKO-A-200-Plattform und von noch offenen Ausrüstungsfragen.
F128 oder MEKO A-200 DEU: Wie heißt die neue Fregatte?
In Medien und Fachkreisen hat sich für das Vorhaben die Bezeichnung F128 eingebürgert. Die offiziellen Veröffentlichungen der Bundeswehr, des Beschaffungsamtes und des Herstellers verwenden bislang vor allem den Projektnamen MEKO A-200 DEU. Eine öffentlich dokumentierte Klassennummer, Namensgebung der einzelnen Schiffe oder endgültige amtliche Einführung als „Klasse 128“ lag zum Redaktionsstand nicht vor.
Für die Einordnung ist das mehr als Wortklauberei. „MEKO A-200“ bezeichnet zunächst eine international genutzte Plattformfamilie von TKMS. Das Kürzel „DEU“ steht für die deutsche Ausführung mit eigenem Einsatzprofil, deutschen Marineforderungen und einer noch im Detail festzulegenden Ausrüstung. Nicht jede Fähigkeit, die TKMS für das allgemeine A-200-Design bewirbt, ist automatisch Bestandteil der deutschen Schiffe. Umgekehrt erhält die deutsche Variante Systeme, die andere A-200-Nutzer so nicht verwenden.
In diesem Dossier steht F128 daher als gut verständliche Kurzbezeichnung für die künftige deutsche Klasse – technisch und vertraglich maßgeblich ist jedoch die MEKO A-200 DEU.
Vom Lückenfüller zum Rückgrat der U-Boot-Jagd
Die Entstehungsgeschichte der F128 ist bemerkenswert kurz. Erste Überlegungen, die MEKO A-200 für die Deutsche Marine zu beschaffen, reichen nach Angaben der Bundeswehr erst bis August 2025 zurück. Ursprünglich sollte sie eine schnell verfügbare Überbrückung bilden: Die Modernisierung der vier Fregatten der Klasse F123 verzögerte sich, während das neue Mehrzweckkampfschiff F126 später als geplant zulaufen sollte.
Dann kippte die gesamte Flottenplanung. Am 24. Juni 2026 beendete das Verteidigungsministerium das F126-Projekt. Der bisherige Generalunternehmer konnte nach Darstellung der Bundeswehr die termin-, leistungs- und sachgerechte Umsetzung nicht mehr gewährleisten. Auch ein Wechsel des Generalunternehmers hätte erhebliche Verzögerungen, vertragliche Nachteile und Gesamtkosten von mehr als 18 Milliarden Euro für sechs Schiffe bedeutet.
Damit wurde aus vier schnellen Ersatzschiffen plötzlich ein strategisches Kernprogramm. Das Verteidigungsministerium plant nun insgesamt acht MEKO A-200 DEU. Die ersten vier sollen die akut drohende Lücke schließen; vier weitere würden die nicht mehr gebauten F126 teilweise ersetzen und die U-Boot-Abwehr dauerhaft stärken. Vollständig beauftragt sind diese zusätzlichen Einheiten noch nicht: Ihre Option muss erneut dem Haushaltsausschuss vorgelegt werden.
Der Beschaffungsfahrplan in Rekordzeit
- August 2025: Beginn der konkreten Überlegungen zur Einführung der MEKO A-200 DEU.
- Ende Januar 2026: TKMS und das BAAINBw schließen einen Vorvertrag. Er sichert Kapazitäten, Material und vorbereitende Arbeiten.
- Februar 2026: In Bremerhaven beginnen erste Schweißarbeiten für das Typschiff.
- März 2026: Der Haushaltsausschuss verlängert die Vorbereitungsphase.
- Mai 2026: Kiellegung des ersten Schiffes.
- 24. Juni 2026: Das Verteidigungsministerium beendet das F126-Projekt; der Bedarf an MEKO-Schiffen steigt auf bis zu acht.
- 8. Juli 2026: Der Haushaltsausschuss gibt knapp 6,3 Milliarden Euro für vier Fregatten und eine Option auf weitere Einheiten frei.
- 16. Juli 2026: Saab meldet den Auftrag über Gefechtssystem, Sensoren und Kompositaufbauten für vier Schiffe.
- Dezember 2029: Geplante Übergabe des ersten Schiffes an die Bundeswehr.
- Anfang 2030: Geplante Abnahme der Waffenanlagen im scharfen Schuss.
- Danach: Geplant ist die Ablieferung eines weiteren Schiffes im Abstand von jeweils neun Monaten. Saab nennt für seine Lieferungen den Zeitraum 2029 bis 2032.
Zwischen der ersten Planung und der vorgesehenen Übergabe liegen damit kaum mehr als vier Jahre. Vergleichbare Marineprojekte benötigen oft etwa ein Jahrzehnt. Möglich wird das nur, weil kein völlig neues Schiff entwickelt wird: TKMS greift auf eine gebaute und exportierte Plattformfamilie zurück, während Vorverträge lange vor der endgültigen Finanzierungsentscheidung Produktionsplätze und Zulieferungen absicherten.
Das beschleunigt den Bau, beseitigt aber nicht jedes Risiko. Die deutsche Ausrüstung muss konstruktiv integriert, Software muss geprüft und die Waffenanlage zugelassen werden. Dass ein Rumpf früh entsteht, bedeutet noch nicht, dass das vollständige Kampfsystem ebenso schnell einsatzreif ist.
Technische Daten der deutschen F128
| Merkmal | Bestätigter Stand MEKO A-200 DEU |
|---|---|
| Hersteller / Generalunternehmer | TKMS |
| Anzahl | 4 finanziert, Option auf 4 weitere |
| Länge | 121 Meter |
| Breite | 16,3 Meter |
| Tiefgang | 6,1 Meter nach Bundeswehr-Angabe für die deutsche Ausführung |
| Einsatzverdrängung | rund 4.000 Tonnen |
| Höchstgeschwindigkeit | mehr als 27,5 Knoten |
| Seeausdauer | 28 Tage |
| Stammbesatzung | 121 Soldatinnen und Soldaten |
| Zusätzlich einschiffbar | 35 Personen |
| Antrieb | zwei Dieselmotoren; eine Gasturbine wirkt zusätzlich auf einen mittigen Wasserstrahlantrieb |
| Hauptauftrag | U-Boot-Jagd / Anti-Submarine Warfare |
| Unterwassersensoren | Bugsonar und Schleppsonar |
| Bordhubschrauber | ein NH90 MRFH Sea Tiger |
Wer online andere Werte findet, stößt meist auf das allgemeine Herstellerdatenblatt der MEKO A-200. TKMS nennt dort beispielsweise 3.950 Tonnen, 16,4 Meter Breite, 4,4 Meter Konstruktionstiefgang, mehr als 29 Knoten und über 6.500 Seemeilen Reichweite bei 16 Knoten. Diese Werte beschreiben die Plattformfamilie, nicht zwingend das fertig konfigurierte deutsche Schiff. Für die F128 sind die spezifischen Angaben der Bundeswehr maßgeblich.
MEKO: Ein Baukasten, kein Schiff von der Stange
MEKO steht für „Mehrzweck-Kombination“. Hinter dem Konzept steckt die Idee, Waffen, Sensoren, Elektronik und andere Funktionsgruppen in standardisierten Modulen und Schnittstellen zu integrieren. Das erleichtert den Bau verschiedener Varianten, spätere Modernisierungen und den Austausch einzelner Systeme. Die Familie reicht über mehrere Generationen und fährt unter anderem in Südafrika, Algerien und Ägypten.
Die A-200-Unterklassen teilen sich eine weitgehend ähnliche Plattform, können aber völlig unterschiedliche Gefechtssysteme und Waffen tragen. Die deutsche Marine kauft also kein unverändertes Exportmodell. Sie nutzt einen erprobten Schiffskörper und Antrieb als Grundlage, kombiniert diese aber mit einer für NATO-Operationen und deutsche Verfahren vorgesehenen Systemlandschaft.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Konstruktive Grundfragen, Seeverhalten und Fertigungsabläufe sind nicht völlig neu. Der Nachteil ist ebenso real: Eine kompakte Plattform setzt Grenzen. Die Bundeswehr weist selbst darauf hin, dass die Wachstumsreserve geringer ist als bei einer großen Neuentwicklung. Spätere Systeme mit hohem Platz-, Gewichts-, Kühlungs- oder Energiebedarf könnten nur mit größerem Aufwand nachgerüstet werden.
CODAG-WARP: Drei Antriebsstränge für Tempo und leise Fahrt
Eine Besonderheit der MEKO A-200 ist ihr CODAG-WARP-Antrieb. Das Kürzel steht für „Combined Diesel and Gas – Waterjet and Refined Propeller“. Zwei Dieselmotoren treiben zwei geräuscharme Verstellpropeller an. Für hohe Geschwindigkeit kommt eine Gasturbine hinzu, deren Leistung über einen mittig angeordneten Wasserstrahlantrieb ins Wasser gelangt.
Im allgemeinen A-200-Datenblatt nennt TKMS eine 20-Megawatt-Gasturbine sowie zwei Dieselmotoren mit jeweils sechs Megawatt. Die Bundeswehr bestätigt für die deutsche Variante das Prinzip aus zwei Dieseln, Gasturbine und Wasserjet, veröffentlicht aber nicht sämtliche Leistungswerte. Deshalb sollten die generischen Zahlen nicht ungeprüft als endgültige F128-Daten behandelt werden.
Für die U-Boot-Jagd zählt nicht nur Geschwindigkeit, sondern vor allem Ruhe. Propeller, Getriebe, Pumpen und Strömung erzeugen Geräusche, die eigene Sonare stören und das Schiff für gegnerische Sensoren verraten können. Die A-200-Konstruktion verlegt die Antriebsanlage weit nach achtern, nutzt vergleichsweise kleine Propeller und soll akustische Emissionen reduzieren. Bei schneller Fahrt liefert der Wasserjet zusätzliche Leistung, ohne einen dritten konventionellen Wellenstrang zu benötigen.
Stealth auf See: Radar, Wärme, Schall und Magnetfeld
Die kantigen Außenflächen sind nur der sichtbarste Teil der Signaturreduzierung. Die sogenannte X-Form der Aufbauten lenkt Radarenergie von der Quelle weg. Ausrüstung an Deck wird verkleidet, Öffnungen werden bündig geschlossen. Auffällig ist der fehlende klassische Schornstein: Abgase sollen horizontal auf oder unter Höhe der Wasserlinie austreten und aktiv gekühlt werden. Auch eine Kühlung der Außenhaut dient dazu, die Infrarotsignatur zu verringern.
Unter Wasser sollen leise Propeller und die Anordnung des Antriebs das akustische Profil senken. Eine aktive dreiachsige Entmagnetisierungsanlage reduziert zudem die magnetische Signatur, die für Minen und andere Sensoren relevant sein kann.
Stealth macht eine Fregatte nicht unsichtbar. Es verkürzt vielmehr die gegnerische Entdeckungs- und Bekämpfungsdistanz, erschwert eine eindeutige Klassifizierung und verbessert die Chancen eigener Täusch- und Abwehrmaßnahmen. Besonders in der U-Boot-Jagd ist ein leises Eigenschiff zugleich Voraussetzung dafür, schwache Kontakte überhaupt aus dem Umgebungsrauschen herauszulösen.
Die Kernaufgabe: U-Boote finden, verfolgen und bekämpfen
Die F128 entsteht vor allem als Plattform für Anti-Submarine Warfare, kurz ASW. Ein modernes U-Boot lässt sich jedoch nicht mit einem einzelnen Sensor „sehen“. Reichweite und Qualität der Ortung hängen von Wassertemperatur, Salzgehalt, Tiefe, Meeresboden, Eigengeräusch und gegnerischer Taktik ab. Schallschichten können Signale ablenken oder abschirmen. Erfolgreiche U-Jagd ist deshalb ein Verbund aus mehreren Sensoren in unterschiedlichen Tiefen und an verschiedenen Orten.
Das Bugsonar der F128 arbeitet direkt vom Rumpf aus und eignet sich für die kontinuierliche Suche im Nah- und Mittelbereich. Ein Schleppsonar wird hinter dem Schiff ausgebracht. Es kann Abstand zu den Eigengeräuschen gewinnen und – abhängig von seiner konkreten Bauart – in günstigere Wasserschichten gebracht werden. Welcher Hersteller und welches Modell die Sonarsysteme liefert, war öffentlich noch nicht bekanntgegeben.
Aus einer Ortung muss anschließend eine belastbare Spur werden: Kurs, Geschwindigkeit, Tiefe und Identität des Kontakts müssen bewertet werden. Dafür tauscht die Fregatte Daten mit weiteren Schiffen, U-Booten, Luftfahrzeugen und NATO-Führungsstellen aus. Die deutsche P-8A Poseidon kann großräumig Sonarbojen ausbringen; verbündete Plattformen schließen Lücken. Die F128 ist damit nicht der einsame Jäger, sondern Knoten eines Unterwasserlagebildes.
Sea Tiger: Der lange Arm des Schiffes
Ein NH90 MRFH Sea Tiger erweitert den Such- und Wirkradius erheblich. Der rund elf Tonnen schwere Bordhubschrauber kann unabhängig vom Kurs der Fregatte in ein Verdachtsgebiet fliegen, Sonarbojen setzen und sein Tauchsonar in ausgewählten Positionen absenken. Seine Sensoren umfassen außerdem ein Seeraumüberwachungsradar, elektrooptische Kameras und ein System zur elektronischen Kampfführung.
Wird ein feindliches U-Boot klassifiziert und ein Waffeneinsatz befohlen, kann der Sea Tiger einen MU90-Leichtgewichtstorpedo abwerfen. Gegen Überwasserziele ist der Hubschrauber mit dem Marte ER ausrüstbar, dessen veröffentlichte Reichweite mehr als 100 Kilometer beträgt. Diese Hubschrauberbewaffnung ist nicht mit der noch offenen Flugkörperkonfiguration des Schiffes zu verwechseln.
Die Marine erhält bis 2030 insgesamt 31 Sea Tiger. Für die F128 ist ein Hubschrauber bestätigt. Ob die deutsche Ausführung darüber hinaus dauerhaft unbemannte Luftfahrzeuge mitführt, ist nicht öffentlich festgelegt. Die allgemeine A-200-Plattform kann laut TKMS einen Hubschrauber der Elf-Tonnen-Klasse und zwei UAV aufnehmen; daraus folgt aber noch keine bestätigte deutsche Bordausstattung.
Saab 9LV: Das Nervensystem der Fregatte
Das Gefechtsmanagementsystem entscheidet, ob aus vielen Einzelinformationen rechtzeitig ein taktisches Bild entsteht. Für die ersten vier Fregatten liefert Saab das 9LV Combat System einschließlich Führungs- und Feuerleitsystem. Der im Juli 2026 gemeldete Unterauftrag hat einen Wert von rund 8,7 Milliarden schwedischen Kronen und umfasst außerdem Sensoren sowie Kompositaufbauten. Die Lieferungen sollen zwischen 2029 und 2032 erfolgen; für weitere Fregatten besteht eine Option.
9LV führt Radar-, Sonar-, Elektrooptik-, Funk- und Linkdaten zusammen, unterstützt die Klassifizierung von Kontakten und weist Effektoren zu. Seine offene Architektur soll neue Sensoren und Waffen leichter integrierbar machen. Für Deutschland ist auch die Flottenharmonisierung wichtig: Die modernisierten F123 erhalten ebenfalls eine Saab-Systemwelt. Gemeinsame Bedienlogik, Ausbildung, Ersatzteile und Softwarepflege können den Betrieb vereinfachen.
Ein Softwarestandard allein erzeugt allerdings noch keine vollständige Gleichheit. Jede Schiffsklasse hat eigene Schnittstellen, Sensoren und Einsatzverfahren. Die Integration und Zulassung bleiben ein anspruchsvoller Teil des Zeitplans.
Sea Giraffe 4A und 1X: Zwei Radare für verschiedene Ebenen
Für die weiträumige Überwachung erhält die F128 das fest installierte Sea Giraffe 4A Fixed Face. Seine nicht rotierenden Antennenflächen beobachten den Luftraum und die Seeoberfläche elektronisch. Ein solches AESA-Radar kann zahlreiche Ziele schnell aktualisieren und kleine, schnelle oder tieffliegende Kontakte erfassen. Es bildet damit die Grundlage für Luftlage, Flugkörperwarnung und Waffeneinsatz.
Ergänzt wird es durch das leichte Mehrzweckradar Sea Giraffe 1X. Es ist für den Nahbereich und die Erfassung kleiner Ziele geeignet – darunter Drohnen, Flugkörper oder kleine Boote. Saab nennt außerdem passive Sensoren, ohne deren genaue Zusammenstellung öffentlich auszuschlüsseln. Passive Systeme suchen nicht selbst aktiv, sondern empfangen gegnerische Radar- und Funkemissionen. Das ermöglicht Aufklärung, ohne die eigene Position auf dieselbe Weise preiszugeben wie ein sendendes Radar.
Die Sensorwahl zeigt, dass die F128 trotz ihres ASW-Schwerpunktes nicht nur unter Wasser kämpfen soll. Sie benötigt Selbstschutz gegen Luftbedrohungen, ein präzises Oberflächenlagebild und Fähigkeiten zur elektronischen Aufklärung. Eine großräumige Flugkörperabwehr oder ballistische Raketenabwehr ist dagegen Aufgabe der geplanten F127.
Bewaffnung: Was bestätigt ist – und was nicht
Kaum ein Aspekt der F128 wird derzeit so häufig mit scheinbar exakten Angaben versehen wie die Bewaffnung. Die offiziellen Quellen bleiben bewusst allgemeiner. Für einen seriösen Überblick ist daher eine klare Trennung nötig.
| Bestätigt | Zum Redaktionsstand nicht öffentlich bestätigt |
|---|---|
| Vertical-Launch-System für Flugabwehrflugkörper | Anzahl und Typ der VLS-Zellen; konkrete Flugkörpertypen |
| Separate Starter für See- und Landzielflugkörper | Typ und Anzahl der See-/Landzielflugkörper |
| Torpedorohrsätze für MU90-Leichtgewichtstorpedos | Zahl und Anordnung der Torpedorohre |
| Verschiedene Geschütze | Kaliber, Modelle und Stückzahl |
| Ein Sea Tiger mit MU90; Marte ER ist eine Fähigkeit des Hubschraubers | Ob und in welchem Umfang Hubschrauberflugkörper für jedes Schiff beschafft und eingeschifft werden |
Renderings und Ableitungen aus anderen A-200-Klassen lassen unter anderem ein Hauptgeschütz, Nahbereichsabwehr, kleinere fernbediente Waffen und ein VLS plausibel erscheinen. Häufig genannt werden 16 Mk-41-Zellen, ESSM, RAM, NSM oder später der norwegisch-deutsche Flugkörper Tyrfing. Solche Annahmen können technisch nachvollziehbar sein, sind aber noch keine belastbare Konfigurationsliste der F128. Selbst ein auf einer Grafik sichtbarer Starter beweist weder die endgültige Waffenwahl noch die beschaffte Munitionsmenge.
Entscheidend ist zudem der Unterschied zwischen Einbauplatz und tatsächlicher Feuerkraft. Ein Vertical-Launch-System kann je nach Zelle und Flugkörper unterschiedlich beladen werden; Munitionsvorrat, Softwareintegration, Feuerleitung und Haushaltsfreigabe bestimmen die reale Fähigkeit. Bis das Verteidigungsministerium konkrete Verträge veröffentlicht, wäre jede scheinbar präzise Zahl eine Momentaufnahme oder Spekulation.
Einsatzgebiete: Wo die F128 besonders gebraucht wird
Das natürliche Operationsgebiet der F128 liegt an der Nordflanke der NATO. Russische U-Boote aus den Stützpunkten der Nordflotte müssen auf dem Weg in den Atlantik durch Seegebiete, die für europäische Verstärkung und transatlantische Verbindungen zentral sind. Nordmeer, Norwegische See, Nordsee und Nordatlantik sind deshalb wahrscheinliche Schwerpunkte. Die Zugänge zwischen Grönland, Island und Großbritannien – die sogenannte GIUK-Lücke – behalten ihre strategische Bedeutung.
Auch die Ostsee ist relevant, obwohl flaches Wasser, dichter Schiffsverkehr und komplexe Bodenverhältnisse dort andere Anforderungen stellen. Die F128 kann NATO-Verbände begleiten, Seewege schützen und an der Überwachung kritischer Unterwasserinfrastruktur mitwirken. Pipelines, Stromkabel und Datenleitungen sind keine klassischen Flottenziele, ihre Beschädigung kann Gesellschaften jedoch massiv treffen.
Über den ASW-Kern hinaus kommen folgende Aufgaben infrage:
- Begleitschutz für Flugzeugträger, amphibische Verbände, Versorgungsschiffe und Konvois,
- Überwachung von Seegebieten und Embargos,
- Bekämpfung von Überwasserzielen,
- lokale Luftverteidigung und Selbstschutz,
- Präsenz- und Abschreckungsmissionen in ständigen NATO-Seeverbänden,
- Aufklärung und maritime Lagebilderstellung,
- Evakuierungs-, Rettungs- oder humanitäre Unterstützungsoperationen im Rahmen ihrer Bordmittel.
Die F128 ist damit kein reines Spezialschiff, aber ihre Prioritäten sind klar. Für weltweite Stabilisierungsmissionen mit besonders langen Stehzeiten wurde die F125 konzipiert. Für weitreichende Luftverteidigung und den Beitrag zur Abwehr ballistischer Flugkörper soll die deutlich größere F127 entstehen. Die F128 schließt die Lücke unter Wasser.
Besatzung, Ausdauer und Alltag an Bord
Eine Stammbesatzung von 121 Personen ist für ein Schiff dieser Größe keineswegs klein. Hinzu kommen bis zu 35 weitere Menschen, etwa die Hubschraubercrew, Techniker, Stabspersonal oder Spezialkräfte. Die Seeausdauer wird mit 28 Tagen angegeben.
Der enge Zeitplan und die kompakte Plattform haben ihren Preis beim Komfort. Die Bundeswehr nennt Unterkünfte mit bis zu zwölf Personen und schmale Gänge. Während moderne deutsche Fregatten häufig auch mit reduzierter Besatzung und großzügigeren Standards argumentieren, setzt die F128 viel Personal und Kampftechnik auf begrenzten Raum.
Für acht Schiffe wären rechnerisch bereits 968 Dienstposten in den Stammbesatzungen nötig – noch ohne Wechselbesatzungen, Hubschrauberanteile, Ausbildung und Landorganisation. Die eigentliche Verfügbarkeit einer Flotte entscheidet sich deshalb nicht nur auf der Werft. Die Marine muss Fachkräfte gewinnen, mehrere Crews aufbauen, Simulatoren bereitstellen und Wartungszyklen so organisieren, dass ausreichend Schiffe gleichzeitig einsatzklar sind.
Hersteller und industrielle Arbeitsteilung
TKMS ist Generalunternehmer, Eigentümer des MEKO-Designs und verantwortlich für die Gesamtintegration. Das erste Schiff entsteht nach Angaben der Bundeswehr seit Februar 2026 in Bremerhaven. Der beschleunigte Ansatz stützt sich auf Partner und Zulieferer in Deutschland; eine abschließende öffentlich zugängliche Liste sämtlicher Werften und Systemlieferanten liegt noch nicht vor.
Saab übernimmt ein besonders großes Arbeitspaket: Kompositaufbauten, das 9LV-Gefechts- und Feuerleitsystem, Sea Giraffe 4A Fixed Face, Sea Giraffe 1X sowie passive Sensorik. Der Auftrag über 8,7 Milliarden schwedische Kronen zeigt, wie groß der Anteil von Sensorik, Software und Integration am Wert eines modernen Kriegsschiffes ist.
Weitere zentrale Komponenten – darunter Sonare, Kommunikationsanlagen, elektronische Gegenmaßnahmen, VLS, Flugkörper und Geschütze – waren zum Stichtag nicht vollständig mit Lieferant und Variante öffentlich zugeordnet. Das ist für ein Projekt in dieser Phase nicht ungewöhnlich. Es bedeutet aber, dass eine vermeintlich vollständige Herstellerliste derzeit mehr Sicherheit vortäuschen würde, als die Quellen hergeben.
Kosten: 6,3 Milliarden Euro sind kein einfacher Stückpreis
Für die ersten vier Fregatten hat der Haushaltsausschuss knapp 6,3 Milliarden Euro freigegeben. Die Option für vier weitere Schiffe wurde vom Verteidigungsministerium mit rund 5,3 Milliarden Euro beziffert. Werden alle acht realisiert, ergibt sich auf heutiger Grundlage ein Volumen von ungefähr 11,6 Milliarden Euro.
Eine simple Division durch die Zahl der Rümpfe führt dennoch nicht zu einem sauberen „Preis pro Schiff“. Das erste Paket umfasst neben Bau und Lieferung auch ein industrielles Ausbildungspaket; weitere Unterstützungs- und Nutzungsverträge kommen hinzu. Entwicklung, Erstintegration, Ersatzteile, Infrastruktur, Munition, Ausbildung und Preisgleitung können zwischen Grundauftrag und Option unterschiedlich verteilt sein. Ebenso können politische Änderungen oder zusätzliche Ausrüstung die Summe verändern.
Im Vergleich zu den mehr als 18 Milliarden Euro, die für eine Fortführung von sechs F126 unter verändertem Generalunternehmer genannt wurden, erscheint die A-200-Lösung günstiger und schneller. Beide Zahlen bilden jedoch nicht zwingend identische Leistungs- und Vertragspakete ab. Die F128 ersetzt die größere F126 nicht eins zu eins; sie setzt enger auf ASW und bietet weniger Raumreserven.
F123, F125, F126, F127 und F128 im Vergleich
| Klasse / Projekt | Rolle in der deutschen Flottenplanung | Status 2026 |
|---|---|---|
| F123 Brandenburg | Bestehende U-Jagd-Fregatten; Modernisierung von Sensorik und Gefechtssystem | Vier Schiffe, Modernisierung verzögert; Zulauf modernisierter Einheiten ab 2029 vorgesehen |
| F125 Baden-Württemberg | Lange Präsenz- und Stabilisierungseinsätze, Landzielwirkung, niedrige Besatzungsbelastung durch Mehrbesatzungskonzept | Vier Schiffe im Dienst |
| F126 Niedersachsen | Großes, modular ausgelegtes Mehrzweckkampfschiff, unter anderem für ASW | Projekt am 24. Juni 2026 beendet |
| F127 | Luftverteidigung, Verbandsflugabwehr und perspektivisch Abwehr ballistischer Flugkörper | In Planung; nicht durch F128 ersetzbar |
| F128 / MEKO A-200 DEU | Kompakte, schnell verfügbare ASW-Fregatte mit Mehrzweckfähigkeiten | Vier finanziert, vier weitere vorgesehen; erstes Schiff im Bau |
Die Tabelle macht deutlich, warum der Ausdruck „Ersatz für die F126“ nur teilweise stimmt. Politisch und zahlenmäßig tritt die F128 an die Stelle des beendeten Vorhabens. Technisch ist sie kleiner, enger und weniger wachstumsfähig. Ihre Stärke liegt in der schnellen Bereitstellung einer klar priorisierten Fähigkeit – nicht darin, jeden ursprünglichen Anspruch der F126 unverändert zu übernehmen.
Stärken des Konzepts
- Geschwindigkeit: Eine erprobte Plattform und früh gesicherte Produktionskapazitäten ermöglichen einen ungewöhnlich kurzen Zulauf.
- Klare operative Priorität: Bugsonar, Schleppsonar, MU90 und Sea Tiger bilden ein schlüssiges ASW-Paket.
- Flottenstandardisierung: Saab 9LV und die Sea-Giraffe-Familie schaffen Nähe zur modernisierten F123.
- Signaturreduzierung: Radar-, Wärme-, Schall- und Magnetsignatur werden konstruktiv adressiert.
- Hohe Geschwindigkeit bei kompakten Abmessungen: Der WARP-Antrieb bietet Flexibilität zwischen leiser Dieselfahrt und schnellem Transit.
- Industrielle Verfügbarkeit: TKMS kann auf eine exportierte Produktfamilie, Lieferketten und deutsche Fertigungspartner zurückgreifen.
Risiken und offene Fragen
- Extremer Terminplan: Integration, Erprobung und Zulassung dürfen nicht hinter dem schnellen Stahlbau zurückfallen.
- Begrenzte Reserven: Platz, Gewicht, Kühlung und elektrische Leistung können spätere Modernisierungen erschweren.
- Noch offene Bewaffnung: Ohne veröffentlichte Typen und Munitionsumfänge bleibt die tatsächliche Luft- und Überwasserwirkung unklar.
- Unbekannte Sonarkonfiguration: Bug- und Schleppsonar sind bestätigt, konkrete Modelle und Leistungsdaten nicht.
- Personal: Acht zusätzliche Besatzungen samt Hubschrauber- und Landanteilen treffen auf eine Marine mit hohem Fachkräftebedarf.
- Nur vier Schiffe fest finanziert: Die zweite Hälfte der geplanten Klasse hängt von einer späteren Parlamentsentscheidung ab.
- Lebenszykluskosten: Baupreis, Betrieb, Munition, Werftliegezeiten und Modernisierung müssen über Jahrzehnte finanziert werden.
Die größte Gefahr ist nicht, dass die F128 zu klein für jede denkbare Aufgabe wäre. Militärische Planung braucht Spezialisierung. Problematisch würde es, wenn die Politik von einer kompakten ASW-Fregatte zugleich die Einsatzbreite und Wachstumsreserven eines deutlich größeren Mehrzweckschiffes verlangte. Dann würden Gewicht, Raum und Budget gegeneinander arbeiten.
Fazit: Eine pragmatische Fregatte unter enormem Erfolgsdruck
Die F128 ist das Ergebnis einer Beschaffungskrise – aber nicht zwangsläufig ein Krisenschiff. Die MEKO-A-200-Plattform ist erprobt, der Antrieb ungewöhnlich leistungsfähig und das bestätigte Sensorpaket modern. Vor allem folgt die Konfiguration einer nachvollziehbaren militärischen Priorität: Die Deutsche Marine benötigt schnell wieder mehr Schiffe, die U-Boote im Nordatlantik, in Nord- und Ostsee suchen, verfolgen und nötigenfalls bekämpfen können.
Ihr Erfolg wird sich an drei Fragen entscheiden. Erstens: Hält der Zeitplan nicht nur beim Rumpfbau, sondern auch bei Software, Sensorintegration und Waffenzulassung? Zweitens: Bekommt die Marine ausreichend Personal und Munition, um aus gelieferten Schiffen einsatzbereite Verbände zu machen? Drittens: Wird die Option auf vier weitere Einheiten rechtzeitig gezogen, damit aus einer Kleinserie tatsächlich das angekündigte ASW-Rückgrat entsteht?
Bis diese Antworten vorliegen, ist die F128 weder Wunderwaffe noch bloße Notlösung. Sie ist ein konzentrierter, industriell pragmatischer Entwurf mit wenig Platz für spätere Kurskorrekturen. Genau darin liegt ihre Chance – und ihr Risiko.
Häufige Fragen zur Fregatte F128
Ist F128 die offizielle Bezeichnung?
F128 wird öffentlich als Klassenbezeichnung verwendet. Die offiziellen Projekt- und Herstellerveröffentlichungen sprechen bislang überwiegend von MEKO A-200 DEU. Namen und endgültige amtliche Klassenbezeichnung der Schiffe wurden noch nicht veröffentlicht.
Wie viele F128 bekommt die Deutsche Marine?
Vier Schiffe sind finanziert. Der Vertrag sieht eine Option auf vier weitere vor. Für deren Beauftragung ist eine erneute Zustimmung des Haushaltsausschusses erforderlich. Politisch geplant sind insgesamt acht Einheiten.
Wann kommt die erste F128?
Die Übergabe des ersten Schiffes ist für Dezember 2029 vorgesehen. Anfang 2030 sollen die Waffenanlagen im scharfen Schuss abgenommen werden. Danach soll etwa alle neun Monate eine weitere Fregatte folgen.
Welche Hauptaufgabe hat die F128?
Ihr Schwerpunkt ist die U-Boot-Jagd. Dafür erhält sie Bug- und Schleppsonar, MU90-Torpedos und einen NH90 Sea Tiger mit Tauchsonar, Sonarbojen und Torpedobewaffnung.
Wie ist die F128 bewaffnet?
Bestätigt sind ein Vertical-Launch-System für Flugabwehrflugkörper, Starter für See-/Landzielflugkörper, verschiedene Geschütze und MU90-Torpedos. Die genaue Zahl der VLS-Zellen sowie konkrete Typen der Schiffsflugkörper und Geschütze waren zum 14. August 2026 nicht offiziell benannt.
Kann die F128 ballistische Raketen abwehren?
Eine solche Fähigkeit ist nicht als Kernauftrag bestätigt. Die weitreichende Verbandsflugabwehr und perspektivische Abwehr ballistischer Flugkörper sind vor allem für die größere F127 vorgesehen. Die F128 erhält Luftverteidigung zum Eigen- und begrenzten Verbandsschutz.
Ersetzt die F128 die F126?
Sie übernimmt politisch einen großen Teil des nach dem Projektende entstandenen Flottenbedarfs, ist aber kein technischer Eins-zu-eins-Ersatz. Die F128 ist kleiner, stärker auf ASW fokussiert und besitzt geringere Wachstumsreserven als das F126-Konzept.
Wo wird die F128 gebaut?
TKMS ist Generalunternehmer; die Schiffe werden in Deutschland produziert. Am ersten Schiff laufen seit Februar 2026 Arbeiten in Bremerhaven. Saab liefert unter anderem Kompositaufbauten, Gefechtssystem und Radare.