Munitionsarten der Bundeswehr erklärt
Von der 9-Millimeter-Patrone der Dienstpistole bis zum 155-Millimeter-Geschoss der Panzerhaubitze: Die Bundeswehr verwendet zahlreiche Munitionsarten, die genau auf Waffe, Auftrag und Ausbildungsziel abgestimmt sind. Dabei entscheidet nicht allein das Kaliber über Reichweite oder Wirkung. Auch Geschossaufbau, Treibladung, Zünder, Waffenlauf und vorgesehener Verwendungszweck spielen eine Rolle. Dieser Überblick erklärt die wichtigsten Kaliber der Bundeswehr, ordnet Gefechts-, Manöver- und Übungsmunition ein und zeigt, welche Munition bei Handwaffen, Kampfpanzern, Artillerie, Luftwaffe und Marine zum Einsatz kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Handwaffen nutzt die Bundeswehr unter anderem die Kaliber 4,6 × 30 mm, 5,56 × 45 mm, 7,62 × 51 mm, 9 × 19 mm und 12,7 × 99 mm.
- Das Kaliber allein beschreibt weder die vollständige Leistung noch die tatsächliche Wirkung einer Patrone.
- Gefechtsmunition, Leuchtspurmunition, Manövermunition und Übungsmunition erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
- Das neue Standardgewehr G95 verwendet wie das G36 Munition im NATO-Kaliber 5,56 × 45 mm.
- Außerhalb der Handwaffen kommen unter anderem 120-mm-Panzermunition, 155-mm-Artilleriemunition, Flugkörper, Torpedos und Loitering Munition hinzu.
Welche Munitionsarten nutzt die Bundeswehr?
Die Bundeswehr nutzt Patronenmunition für Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Maschinengewehre und Präzisionsgewehre. Hinzu kommen Granat-, Mörser-, Panzer- und Artilleriemunition, Bomben, Raketen, Lenkflugkörper, Torpedos sowie neu beschaffte Loitering Munition. Innerhalb dieser Gruppen existieren weitere Varianten, etwa Gefechtsmunition, Leuchtspurmunition, Übungsmunition und Manöverpatronen.
Eine einzelne, vollständige öffentliche Liste aller eingeführten Munitionsmodelle gibt es nicht. Viele genaue Ausführungen, Bestände und Leistungsparameter sind aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich dokumentiert. Verlässlich zugänglich sind jedoch die grundlegenden Kaliber, Waffensysteme und Munitionsgruppen.
Was bedeutet die Kaliberangabe bei einer Patrone?
Bei einer Bezeichnung wie 5,56 × 45 mm steht die erste Zahl für den nominellen Geschoss- beziehungsweise Laufdurchmesser. Die zweite Zahl beschreibt die nominelle Länge der Patronenhülse. Die vollständige Bezeichnung ist wichtig, denn zwei Patronen mit scheinbar ähnlichem Geschossdurchmesser können völlig unterschiedliche Abmessungen und Leistungswerte besitzen.
Das Kaliber ist deshalb nur ein Teil der technischen Beschreibung. Zur Patrone gehören außerdem:
- die Patronenhülse,
- die Treibladung,
- das Zündelement,
- das Geschoss mit Mantel und Kern,
- die Freigabe für das jeweilige Waffensystem.
Auch Reichweite und Geschossenergie lassen sich nicht allein aus der Kaliberzahl ablesen. Lauflänge, Geschossmasse, Treibladung, Visierung, Wetter und Waffenplattform verändern die praktisch nutzbare Leistung deutlich.
Übersicht: Kaliber und Handwaffen der Bundeswehr
Die folgende Tabelle zeigt öffentlich bekannte Beispiele. Die Entfernungsangaben sind waffenspezifische Richtwerte der Bundeswehr. Sie sind nicht mit einer garantierten Treffwahrscheinlichkeit oder der absoluten maximalen Flugweite eines Geschosses gleichzusetzen.
| Kaliber | Beispielwaffen | Veröffentlichte Entfernung | Typische Einordnung |
|---|---|---|---|
| 4,6 × 30 mm | MP7A1 | bis 150 m | Kompakte Maschinenpistole für kurze Entfernungen |
| 9 × 19 mm | P8, P30 | bis 50 m | Pistolenmunition für kurze Entfernungen und Selbstschutz |
| 5,56 × 45 mm | G36, G95A1, G95KA1 | G36 bis 500 m; G95 je nach Ausführung bis etwa 450 m | NATO-standardisierte Gewehrmunition |
| 5,56 × 45 mm | MG4 | regulär etwa 600 m | Leichtes Maschinengewehr mit gegurteter Munition |
| 7,62 × 51 mm | MG3, MG5 | je nach Waffe und Aufstellung bis etwa 1.200 m | Maschinengewehrmunition mit höherer Reichweite und Energie |
| 7,62 × 51 mm | G27, G28 | bis etwa 600 m | Munition für Unterstützungs- und Präzisionsgewehre |
| 7,62 × 67 mm | G22A2 | bis etwa 1.100 m | Leistungsstarke Präzisionsmunition, auch als .300 Winchester Magnum bekannt |
| 12,7 × 99 mm | G82 | bis etwa 1.800 m | Schweres Präzisionsgewehr gegen technische und materielle Ziele |
Amtliche Übersicht: Munitionsarten für Handwaffen in der Bundeswehr.
G36 und G95: Gleiches Kaliber, neue Waffenplattform
Das G36 verwendet das Kaliber 5,56 × 45 mm und war über Jahrzehnte das Standardgewehr der Truppe. Seit Dezember 2025 erhält die Bundeswehr mit dem G95 eine neue Standardwaffenfamilie. Vorgesehen sind die längere Version G95A1 und die kompaktere Ausführung G95KA1.
Auch das G95 verschießt 5,56 × 45 mm. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede beliebige Patrone dieser Kaliberbezeichnung automatisch verwendet werden darf. Militärische Munition wird für bestimmte Waffen, Läufe und Belastungsbereiche geprüft und freigegeben. Entscheidend ist immer die konkrete Spezifikation.
Dass G36, G95 und MG4 dasselbe Grundkaliber nutzen, erleichtert grundsätzlich Ausbildung und Logistik. Trotzdem unterscheiden sich die Systeme erheblich: Das MG4 führt die Patronen über einen Gurt zu, während G36 und G95 mit Magazinen arbeiten. Auch Lauflänge, Verschluss, Feuerart und vorgesehene Kampfentfernung sind verschieden.
Quelle: Bundeswehr: G95 – das neue Sturmgewehr für die Truppe.
Weichkern, Hartkern und Doppelkern: Was steckt im Geschoss?
Neben dem Kaliber beeinflusst der Geschossaufbau die technischen Eigenschaften einer Patrone. Bei militärischer Handwaffenmunition unterscheidet die Bundeswehr unter anderem zwischen Weichkern-, Hartkern- und Doppelkernmunition.
Weichkernmunition besitzt üblicherweise einen Kern aus einem vergleichsweise weichen Metall, häufig in Verbindung mit einem festen Geschossmantel. Daraus folgt nicht automatisch, dass sich das Geschoss beim Auftreffen stark verformt. Das tatsächliche Verhalten hängt vom gesamten Geschossaufbau, von der Auftreffgeschwindigkeit und vom Zielmaterial ab.
Hartkernmunition enthält einen härteren Kern oder Penetrator. Sie ist für eine erhöhte Wirkung gegen widerstandsfähige Materialien ausgelegt. Welche Schutzmaterialien tatsächlich überwunden werden können, hängt von Munition, Entfernung, Auftreffwinkel und Materialstärke ab. Pauschale Aussagen wie „durchdringt jede Schutzweste“ wären fachlich falsch.
Doppelkernmunition kombiniert unterschiedliche Kernmaterialien innerhalb eines Geschosses. Damit sollen mehrere Anforderungen miteinander verbunden werden. Der genaue Aufbau kann je nach Patrone und Hersteller abweichen.
Einordnungs-Hinweis: Begriffe wie Hartkern oder Doppelkern beschreiben konstruktive Merkmale. Aus der Bezeichnung allein lässt sich keine verlässliche Aussage über jede denkbare Zielwirkung ableiten.
Mehr zu den grundlegenden Gruppen finden Sie im Beitrag militärische Munition, ihre Klassifizierung und ihre Gefahren.
Leuchtspurmunition macht die Flugbahn sichtbar
Leuchtspurmunition enthält im hinteren Bereich des Geschosses einen pyrotechnischen Satz. Dieser wird beim Abschuss aktiviert und erzeugt während eines Teils der Flugbahn eine sichtbare Leuchtspur. Dadurch können Schützen und Beobachter die Flugrichtung leichter erkennen.
Das unterstützt unter anderem die Beobachtung und Korrektur von Maschinengewehrfeuer. Leuchtspurpatronen können abhängig vom Waffensystem und der vorgesehenen Gurtung zwischen andere Patronen gesetzt werden. Ein einziges, für sämtliche Waffen gültiges Mischungsverhältnis gibt es nicht.
Die sichtbare Spur hat auch Nachteile. Sie kann bei Dunkelheit Hinweise auf die ungefähre Schussrichtung geben und erzeugt durch den pyrotechnischen Satz eine zusätzliche Brandgefahr. Deshalb gelten für Verwendung, Lagerung und Transport besondere Vorgaben.
Manövermunition und Übungsmunition sind nicht dasselbe
Im Alltag werden Manövermunition, Platzpatronen und Übungsmunition gern in einen Topf geworfen. Technisch handelt es sich jedoch um unterschiedliche Produkte.
Manövermunition besitzt kein reguläres Geschoss. Die Treibladung erzeugt einen Knall und den für den Waffenablauf benötigten Gasdruck. Abhängig von der Waffe kann ein spezielles Manöverpatronengerät erforderlich sein. So lassen sich Bewegungsabläufe, Feuerkommandos und das taktische Zusammenwirken trainieren, ohne reguläre Geschosse zu verschießen.
Harmlos ist Manövermunition trotzdem nicht. An der Mündung treten heiße Gase, Druck und teilweise Materialreste aus. Auf sehr kurze Entfernung kann das schwere Verletzungen verursachen.
Übungsmunition mit reduzierter Geschosswirkung verschießt dagegen ein Projektil. Bei der von der Bundeswehr beschriebenen Variante besteht der sichtbare Mantel aus blauem Kunststoff. Das Geschoss ist leichter, fliegt langsamer und verliert schneller Energie als reguläre Gefechtsmunition.
Dadurch kann sie auf dafür zugelassenen Ausbildungsanlagen eingesetzt werden. Auch solche Projektile können Menschen verletzen. Die Bezeichnung „Übungsmunition“ bedeutet daher niemals, dass die Patrone frei gehandhabt oder außerhalb eines gesicherten Ausbildungsbetriebs verwendet werden darf.
Warum gleiches Kaliber nicht automatisch Austauschbarkeit bedeutet
Eine übereinstimmende Kaliberangabe reicht nicht aus, um die Kompatibilität einer Patrone mit einer Waffe zu bestätigen. Entscheidend sind unter anderem:
- vollständige Hülsen- und Patronenabmessungen,
- zulässiger Gasdruck,
- Geschossform und Geschossmasse,
- Lauflänge und Drall,
- Magazin- oder Gurtzuführung,
- militärische Freigabe und vorgesehener Verwendungszweck.
Ein gutes Beispiel liefern 7,62 × 51 mm und 7,62 × 67 mm. Obwohl beide Bezeichnungen mit 7,62 mm beginnen, handelt es sich um unterschiedliche Patronen. Die Hülsenlänge, Leistung und vorgesehenen Waffen unterscheiden sich deutlich.
Auch bei identischer Abmessung können Gefechts-, Leuchtspur-, Manöver- und Übungspatronen völlig andere Eigenschaften besitzen. Munition darf deshalb nur nach den jeweiligen technischen Vorschriften zugeordnet werden.
Welche Munition nutzt die Bundeswehr außerhalb von Handwaffen?
Wer nach den Munitionsarten der Bundeswehr sucht, meint häufig nur Pistolen- und Gewehrpatronen. Das tatsächliche Spektrum ist wesentlich größer. Panzer, Artillerie, Flugabwehr, Luftwaffe und Marine benötigen jeweils eigene Munitionsfamilien.
| Munitionsgruppe | Beispiel | Verwendung |
|---|---|---|
| Granatmunition | 40-mm-Granaten | Granatpistolen und Granatmaschinenwaffen |
| Mörsermunition | Spreng-, Nebel-, Leucht- und Übungsmunition | Indirekte Feuerunterstützung |
| Panzermunition | 120-mm-Munition | Hauptwaffe des Kampfpanzers Leopard 2 |
| Artilleriemunition | 155-mm-Geschosse | Panzerhaubitze 2000 und weitere NATO-Artilleriesysteme |
| Flugabwehrmunition | Kanonenmunition und Lenkflugkörper | Bekämpfung von Luftzielen und Drohnen |
| Marinemunition | 76-mm-Geschosse, Flugkörper und Torpedos | Schiffsartillerie, Seeziel- und Unterwasserbekämpfung |
| Luftwaffenmunition | Bordkanonenmunition, Bomben und Lenkflugkörper | Bewaffnung von Flugzeugen und Hubschraubern |
| Loitering Munition | Unbemannte, kreisende Präzisionswirkmittel | Aufklärung, Zielauswahl und Wirkung in einem System |
120-mm-Panzermunition des Leopard 2
Die Hauptwaffe des Leopard 2 ist eine 120-mm-Glattrohrkanone. Sie kann unterschiedliche Munitionsarten verschießen. Dazu gehören vereinfacht gesagt Wucht- und Mehrzweckmunition sowie passende Übungspatronen.
Wuchtmunition setzt auf die hohe Geschwindigkeit eines lang gestreckten Penetrators. Die Wirkung entsteht vor allem durch Bewegungsenergie. Spreng- oder Mehrzweckmunition arbeitet dagegen mit einer explosiven Ladung und einem passenden Zündsystem. Moderne Varianten können je nach Ausführung unterschiedliche Zündmodi unterstützen.
Die Wahl der Munition richtet sich nach dem Zieltyp und dem militärischen Auftrag. Ein universelles Panzergeschoss für jede Situation gibt es nicht. Mehr Hintergründe bietet der Beitrag über die Beschaffung neuer 120-mm-Munition für die Bundeswehr.
Quelle: Bundeswehr: Munition für Artillerie und Panzer.
155-mm-Artilleriemunition der Panzerhaubitze 2000
Die Panzerhaubitze 2000 verschießt Artilleriemunition im Kaliber 155 mm. Anders als eine klassische Gewehrpatrone besteht ein Artillerieschuss aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Dazu zählen das Geschoss, der Zünder und die Treibladung.
Durch unterschiedliche Geschosse, Zündereinstellungen und Treibladungskonfigurationen kann die Artillerie verschiedene Aufgaben erfüllen. Öffentlich bekannt sind unter anderem Spreng-, Nebel-, Leucht-, Übungs- und Präzisionsmunition. Reichweitengesteigerte Geschosse können deutlich weiter fliegen als ältere Standardmunition.
Die erreichbare Entfernung hängt nicht allein vom Geschoss ab. Rohrlänge, Treibladung, Wetter, Höhenunterschiede und ballistische Berechnung wirken zusammen. Deshalb sind pauschale Reichweitenangaben ohne Nennung der konkreten Munition nur begrenzt aussagekräftig.
Eine vertiefende Einordnung finden Sie unter 155-mm-Artilleriemunition der NATO.
Munition von Luftwaffe und Marine
Die Anforderungen in der Luft und auf See unterscheiden sich stark von denen des Heeres. Ziele bewegen sich häufig schnell, Entfernungen sind groß und die Zeit für eine Reaktion kann sehr kurz sein.
Die Luftwaffe nutzt deshalb neben Bordkanonenmunition verschiedene Bomben, Raketen und gelenkte Flugkörper. Abhängig vom System können Sensoren, Suchköpfe, Datenverbindungen und programmierbare Zünder Bestandteil der Munition sein.
Bei der Marine reicht das Spektrum von Munition für Bordmaschinengewehre und Schiffsgeschütze bis zu Seezielflugkörpern, Flugabwehrlenkflugkörpern und Torpedos. Das 76-mm-Hauptgeschütz verschiedener Fregatten kann beispielsweise gegen See-, Luft- und Landziele eingesetzt werden.
Quelle: Bundeswehr: Munition bei Luftwaffe und Marine.
Loitering Munition erweitert das Spektrum seit 2026
Im Juni 2026 veröffentlichte die Bundeswehr Details zur Beschaffung von Loitering Munition. Umgangssprachlich werden solche Systeme häufig als Kamikazedrohnen bezeichnet. Technisch verbinden sie Eigenschaften eines unbemannten Fluggeräts mit denen eines präzisen Wirkmittels.
Das System kann zunächst in einem vorgegebenen Gebiet fliegen beziehungsweise kreisen. Während dieser Phase können Ziele aufgeklärt, geprüft und ausgewählt werden. Erst danach erfolgt die Wirkung. Die Bundeswehr plant Systeme von drei Herstellern und verweist ausdrücklich auf die kurzen Entwicklungszyklen dieser Technik.
Loitering Munition unterscheidet sich damit sowohl von einer klassischen Aufklärungsdrohne als auch von einem Flugkörper, der unmittelbar nach dem Start ein vorher festgelegtes Ziel anfliegt. Rechtliche Hintergründe behandelt der Beitrag Loitering Munition und ihre Einordnung als Kriegswaffe.
Quelle: Bundeswehr: Loitering Munition als neues Präzisionswirkmittel.
Wie erkennt man Übungs- und Gefechtsmunition?
Farben und Kennzeichnungen helfen militärischem Fachpersonal bei der Zuordnung. Blau wird bei der Bundeswehr häufig mit Übungszwecken verbunden. Die öffentlich gezeigte Handwaffen-Übungsmunition besitzt beispielsweise einen blauen Kunststoffmantel. Auch größere Übungsmunition kann blau gekennzeichnet sein.
Die Farbe allein reicht für eine sichere Identifizierung jedoch nicht aus. Kennzeichnungssysteme unterscheiden sich nach Munitionsart, Hersteller, Land und Zeitraum. Außerdem können Lackierungen beschädigt, verschmutzt oder verwittert sein.
Sicherheitsregel bei Munitionsfunden:
- Nicht berühren, bewegen, reinigen oder öffnen.
- Abstand halten und andere Personen fernhalten.
- Fundort aus sicherer Entfernung merken.
- Polizei beziehungsweise zuständige Behörden verständigen.
Auch scheinbar leere, verrostete oder als Übungsmunition erkennbare Gegenstände können gefährliche Komponenten enthalten. Das gilt ebenso für Zünder, Hülsen, Granaten und einzelne Bauteile. Hinweise zum sicheren und gesetzeskonformen Transport finden Sie im Beitrag über die Gefahrgutklasse 1 und den Transport von Munition.
Welche Faktoren bestimmen Reichweite und Wirkung?
In vereinfachten Darstellungen wird die Wirkung häufig direkt aus dem Kaliber abgeleitet. Fachlich ist das zu kurz gegriffen. Ausschlaggebend ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
- Waffensystem: Lauflänge, Verschluss, Visier und Stabilisierung beeinflussen die nutzbare Leistung.
- Patrone und Treibladung: Sie bestimmen Druckaufbau und Geschossgeschwindigkeit innerhalb der zugelassenen Grenzen.
- Geschoss: Masse, Form, Mantel, Kern und aerodynamische Eigenschaften verändern Flugbahn und Zielverhalten.
- Entfernung: Mit zunehmender Flugstrecke verliert ein Geschoss Geschwindigkeit und Energie.
- Umgebung und Ziel: Wind, Temperatur, Auftreffwinkel und Zielmaterial beeinflussen das Ergebnis.
Auch die Begriffe „Schussweite“, „Kampfentfernung“ und „maximale Reichweite“ dürfen nicht gleichgesetzt werden. Die maximale Flugweite kann weit über der Entfernung liegen, auf der ein Waffensystem sinnvoll und kontrolliert eingesetzt wird. Veröffentlichte Kampfentfernungen beziehen sich daher auf das Gesamtsystem aus Waffe, Munition, Optik und Ausbildung.
Warum Munitionsvielfalt für die Bundeswehr notwendig ist
Die breite Auswahl ist kein technischer Selbstzweck. Eine kompakte Maschinenpistole stellt andere Anforderungen als ein schweres Maschinengewehr. Ein Kampfpanzer benötigt andere Geschosse als eine Panzerhaubitze, eine Fregatte oder ein Kampfflugzeug.
Auch Ausbildung und Einsatz müssen getrennt betrachtet werden. Manövermunition bildet Knall und Waffenfunktion ab. Übungsmunition ermöglicht das Schießen unter reduzierten Bedingungen. Gefechtsmunition ist für den militärischen Ernstfall vorgesehen. Leuchtspur-, Nebel- oder Präzisionsmunition erfüllt wiederum besondere Aufgaben.
Diese Vielfalt bringt allerdings Aufwand mit sich. Jede Munitionsart benötigt eine eigene Beschaffung, Qualitätsprüfung, Dokumentation, Lagerung und Logistikkette. Weitere Hintergründe zu Produzenten und Lieferketten liefert der Beitrag Wer produziert Munition für Bundeswehr und NATO?.
Fazit: Munitionsarten lassen sich nicht nur nach Kaliber beurteilen
Die Munitionsarten der Bundeswehr reichen von kompakten 4,6-mm-Patronen für die MP7 bis zu 12,7-mm-Munition für das schwere Präzisionsgewehr G82. Mit dem G95 kommt seit Ende 2025 eine neue Standardwaffe im bewährten NATO-Kaliber 5,56 × 45 mm in die Truppe. Maschinengewehre und Präzisionsgewehre ergänzen das Spektrum mit verschiedenen 7,62-mm-Patronen.
Damit endet die Übersicht noch lange nicht. Der Leopard 2 verschießt 120-mm-Panzermunition, die Panzerhaubitze 2000 arbeitet mit 155-mm-Artilleriegeschossen. Luftwaffe und Marine verwenden Bordkanonenmunition, Bomben, Flugkörper und Torpedos. Seit 2026 ergänzt Loitering Munition das öffentlich bekannte Arsenal.
Entscheidend bleibt: Das Kaliber liefert nur eine erste Orientierung. Erst der vollständige Aufbau der Munition, die verwendete Waffe und der konkrete Zweck erklären, was ein System tatsächlich leisten kann.
Häufige Fragen zu den Munitionsarten der Bundeswehr
Welche Handwaffenmunition verwendet die Bundeswehr?
Zu den wichtigsten öffentlich bekannten Kalibern gehören 4,6 × 30 mm, 9 × 19 mm, 5,56 × 45 mm, 7,62 × 51 mm, 7,62 × 67 mm und 12,7 × 99 mm. Sie werden unter anderem in der MP7, P8, im G36, G95, MG4, MG5, G22A2 und G82 eingesetzt. Die Bundeswehr verwendet innerhalb dieser Kaliber mehrere Geschoss- und Munitionsvarianten.
Verwenden G36 und G95 dieselbe Munition?
Beide Waffen nutzen das NATO-Kaliber 5,56 × 45 mm. Trotzdem darf daraus nicht geschlossen werden, dass jede am Markt erhältliche Patrone dieses Kalibers automatisch für beide Waffen zugelassen ist. Maßgeblich sind die technischen Spezifikationen und Freigaben der Bundeswehr.
Was ist der Unterschied zwischen Manöver- und Übungsmunition?
Manövermunition besitzt kein reguläres Geschoss und erzeugt vor allem Knall sowie Gasdruck für den Waffenablauf. Übungsmunition kann dagegen ein echtes, meist leichteres Projektil mit reduzierter Energie verschießen. Beide Varianten bleiben gefährlich und dürfen nur unter den vorgeschriebenen Bedingungen verwendet werden.
Ist blau markierte Munition immer ungefährlich?
Nein. Blau weist im militärischen Umfeld häufig auf Übungsmunition hin, ist aber kein allgemeiner Beweis für Gefahrlosigkeit. Übungsmunition kann Projektile, Treibladungen oder andere gefährliche Bestandteile enthalten. Unbekannte Munitionsgegenstände dürfen niemals berührt oder geöffnet werden.
Was ist das größte Handwaffenkaliber der Bundeswehr?
Unter den öffentlich dargestellten Handwaffen gehört 12,7 × 99 mm zu den größten verwendeten Kalibern. Diese Munition wird mit dem schweren Präzisionsgewehr G82 verschossen. Die Bundeswehr nennt für das Waffensystem eine Entfernung von bis zu 1.800 Metern.
Welche Munition nutzt der Leopard 2?
Der Leopard 2 besitzt eine 120-mm-Glattrohrkanone. Dafür stehen verschiedene Gefechts- und Übungspatronen zur Verfügung, darunter Wucht- und Mehrzweckmunition. Die konkrete Auswahl richtet sich nach Auftrag, Zieltyp und Version des Kampfpanzers.
Welche Artilleriemunition nutzt die Bundeswehr?
Die Panzerhaubitze 2000 verwendet 155-mm-Artilleriemunition. Öffentlich bekannt sind unter anderem Spreng-, Nebel-, Leucht-, Übungs- und Präzisionsgeschosse. Geschoss, Zünder und Treibladung werden als aufeinander abgestimmtes System betrachtet.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundeswehr: Munitionsarten für Handwaffen
- Bundeswehr: G95 – das neue Sturmgewehr für die Truppe
- Bundeswehr: Munition für Pistolen und Gewehre
- Bundeswehr: Munition für Mörser, Granatwaffen und Maschinengewehre
- Bundeswehr: Munition für Artillerie und Panzer
- Bundeswehr: Munition bei Luftwaffe und Marine
- Bundeswehr: Loitering Munition