Shahed-136 Drohnen: Neue Gefahr am Himmel für Flugzeuge

Russland verändert im Ukraine-Krieg erneut die Rolle von Drohnen grundlegend. Mit der Bewaffnung der Shahed-136, auch als Geran-2 bekannt, entsteht eine neue Bedrohung: Drohnen, die nicht nur Ziele am Boden angreifen, sondern aktiv Flugzeuge ins Visier nehmen können. Der Fund einer nahezu intakten, bewaffneten Shahed-Drohne in der Region Tschernihiw alarmiert Militäranalysten weltweit. Langsam und vergleichsweise billig, aber nun mit Luftabwehrwaffen ausgestattet, zwingt diese Entwicklung beide Seiten zu einer Neubewertung ihrer Lufttaktiken.

Shahed-136 Drohnen: Neue Gefahr am Himmel für Flugzeuge
Shahed-136 Drohnen: Neue Gefahr am Himmel für Flugzeuge

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland hat Shahed-136-Drohnen erstmals mit Werba-Manpads bewaffnet
  • Die Drohnen können gezielt Hubschrauber und potenziell auch Flugzeuge angreifen
  • Multispektrale Suchköpfe erhöhen die Trefferwahrscheinlichkeit erheblich
  • Mesh-Netzwerke ermöglichen Steuerung ohne Satellitenkommunikation
  • Schon die Existenz dieser Drohnen verändert das Risikokalkül der Luftabwehr

Können Shahed-1346 Drohnen wirklich Flugzeuge abschießen?

Ja, erstmals wurden Shahed-136-Drohnen mit dem modernen Werba-Flugabwehrsystem ausgestattet. Damit sind sie in der Lage, vor allem langsam fliegende Hubschrauber und unter bestimmten Bedingungen auch Flugzeuge zu bedrohen. Schon diese Fähigkeit zwingt Piloten zu größerer Vorsicht.

Fund in Tschernihiw: Der Beginn einer neuen Bedrohung

Ukrainische Streitkräfte bargen in der Region Tschernihiw eine nahezu unbeschädigte Shahed-136-Drohne. Besonders brisant war die Entdeckung eines schultergestützten Flugabwehrsystems an der Drohne. Die ersten Bilder wurden vom ukrainischen Experten Serhii Beskrestnov veröffentlicht.

Bestätigt wurde der Fund durch The War Zone und The Aviationist. Zusätzlich zur Rakete war die Drohne mit einer Kamera und einem Funkfrequenz-Modem ausgestattet. Damit wird klar, dass es sich nicht um einen improvisierten Versuch handelt, sondern um eine gezielte Weiterentwicklung der Plattform.

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Werba-Manpads: Warum diese Rakete so gefährlich ist

Bei dem montierten System handelt es sich eindeutig um das Werba-Manpads mit der Kennzeichnung 9K333. Die von der Nato als SA-29 Gizmo bezeichnete Waffe gilt als Flugabwehrsystem der vierten Generation. Sie nutzt den 9M336-Flugkörper mit einem Suchkopf, der drei Infrarot- und Ultraviolettbereiche gleichzeitig auswertet. Dadurch kann die Rakete echte Ziele besser von Täuschkörpern unterscheiden.

Gegenüber älteren Systemen wie Igla-S steigt die Störfestigkeit deutlich. Seit 2015 wird die Werba an russische Einheiten ausgeliefert und gilt als eines der modernsten Manpads im Arsenal Russlands.

Technische Integration: Einfach, leicht und effektiv

Die Integration der Werba in die Shahed-136 ist technisch überraschend simpel. Anders als bei früher beobachteten Experimenten mit R-60-Luft-Luft-Raketen benötigt die Werba keinen speziellen Startschienen-Adapter. Das Standard-Startrohr kann direkt an der Drohne befestigt werden.

Mit etwa 17,5 Kilogramm ist das System zudem deutlich leichter als eine R-60, die fast 45 Kilogramm wiegt. Nahaufnahmen zeigen einen Aktuator, der die Schutzkappe vor dem Raketenstart automatisch öffnet. Diese einfache Lösung senkt Kosten und beschleunigt die Serienumsetzung erheblich.

Jagd auf Hubschrauber und Flugzeuge

Die primären Ziele dieser bewaffneten Shahed-Drohnen sind langsam und tief fliegende Hubschrauber. Dazu zählen Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 und Mi-17 sowie Kampfhubschrauber wie der Mi-24 Hind. Diese werden häufig zur Drohnenabwehr eingesetzt.

Der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyi erklärte bereits 2025, dass bis zu 40 Prozent der Drohnen durch Hubschrauber abgeschossen werden. Auch Kampfflugzeuge wie F-16, MiG-29, Su-27 und Mirage 2000 sind im Einsatz. Zwar bleibt deren Bekämpfung schwierig, doch allein das Risiko verändert das Verhalten der Piloten spürbar.

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Blendung, Täuschung und neue Abwehrtricks

Parallel zur Bewaffnung experimentiert Russland mit weiteren Schutzmaßnahmen. Anfang Januar 2026 wurde erstmals ein nach hinten gerichteter Infrarot-LED-Scheinwerfer an Shahed-Drohnen beobachtet. Dieser soll ukrainische Abfangdrohnen blenden, die sich an Wärmesignaturen orientieren.

Ein möglicher Nebeneffekt ist die Beeinträchtigung von Hubschrauberpiloten mit Nachtsichtgeräten. Gegen hochwertige Wärmebildsysteme bleibt diese Methode allerdings wirkungslos. Solche Systeme sind jedoch teuer, was das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Abwehr verschlechtert.

Vernetzte Schwärme und neue Einsatzdistanzen

Russland hat die Shahed-Drohnen schrittweise von vorprogrammierten Waffen zu vernetzten Plattformen weiterentwickelt. SIM-Karten, Mobilfunkmodule und Antennen für 2G bis 4G sind mittlerweile Standard. Laut Analysen des ukrainischen Unternehmens Molfar werden Aufklärungsdaten über Mobilfunknetze übertragen, häufig mithilfe von Telegram-Bots. Ab Mitte 2025 kamen Mesh-Netzwerke hinzu.

Dabei fungieren einzelne Drohnen als fliegende Relais. So lassen sich Distanzen von über 100 Kilometern ohne Satellitenkommunikation überbrücken. Angriffe auf Odessa, Korosten und Pryluky zeigen die Reichweite dieser Taktik deutlich.

Fazit: Kleine Drohne, große Wirkung

Die bewaffnete Shahed-136 ist kein Luftkampfjäger. Doch ihre neue Rolle als fliegende Falle verändert den Ukraine-Krieg spürbar. Selbst wenige Exemplare zwingen Hubschrauber und Jets zu größerer Vorsicht. Die Kombination aus günstiger Plattform, moderner Sensorik und Luftabwehrwaffen verschiebt das Kräfteverhältnis in der Luft. Ob der taktische Gewinn die steigenden Kosten rechtfertigt, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Die Drohne ist längst mehr als nur eine Kamikaze-Waffe.

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