EU-Kampfpanzer: Ausschreibung 2026 erwartet

Die Europäische Union steht vor einem entscheidenden Schritt in der militärischen Fähigkeitsentwicklung. Der European Defence Fund (EDF) bereitet eine umfassende Ausschreibung für die Konzeption und Entwicklung eines Demonstrators eines zukünftigen europäischen Kampfpanzers vor. Ziel ist ein technologisch führendes Main-Battle-Tank-System, das aktuelle und künftige Bedrohungen abdeckt, neue digitale und „grüne“ Technologien integriert und Europas industrielle Handlungsfähigkeit stärkt. Die Ausschreibung gilt als richtungsweisend für die europäische Panzerentwicklung der kommenden Jahrzehnte.

EU-Kampfpanzer: Ausschreibung 2026 erwartet
EU-Kampfpanzer: Ausschreibung 2026 erwartet

Das Wichtigste in Kürze

  • Der EDF plant 2026 die Ausschreibung für einen MBT-Demonstrator mit TRL 6.
  • Das Projektbudget liegt bei rund 125 Millionen Euro, ausgewählt wird nur ein Vorschlag.
  • Der Fokus liegt auf maximaler Feuerkraft bei ausgewogener Mobilität und Schutz.
  • Moderne Bedrohungen wie Drohnen, ATGMs und elektronische Angriffe sind zentral berücksichtigt.
  • Ergebnisse früherer EDF-Projekte wie MARTE und FMBTech sollen einfließen.

Worum geht es bei der EDF-Ausschreibung für den zukünftigen Kampfpanzer?

Der European Defence Fund schreibt 2026 die Entwicklung eines Demonstrators für einen neuen europäischen Kampfpanzer aus. Ziel ist ein hochmodernes, vernetztes und geschütztes System mit starker Feuerkraft, das bis zum Preliminary Design Review einen technischen Reifegrad von mindestens TRL 6 erreicht.

Ausschreibung und strategischer Rahmen des EDF

Der EDF verfolgt mit der geplanten Ausschreibung „EDF-2026-DA-GROUND-MBT“ das Ziel, Europas Panzertechnologie auf ein neues Niveau zu heben. Grundlage ist das Ende Dezember 2025 veröffentlichte Arbeitsprogramm 2026 mit einem Gesamtvolumen von 1,01 Milliarden Euro, beschlossen von der European Commission.

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Die eigentliche Ausschreibung wird im Frühjahr 2026 im „Funding & Tender Opportunities Portal“ erwartet, mit Angebotsfrist im September. Ausgewählt wird bewusst nur ein Konsortium, um Fragmentierung zu vermeiden und klare technologische Führung zu schaffen. Der Demonstrator muss die Systemreife TRL 6 erreichen und Sicherheits- sowie Leistungsnachweise erbringen. Damit wird nicht nur Technik gefördert, sondern auch strategische Autonomie.

Technologische Zielsetzung und Reifegrad

Der zukünftige MBT-Demonstrator soll eine Weiterentwicklung heutiger Kampfpanzertechnologien darstellen. Dazu zählen digitale Fahrzeugarchitekturen, automatisierte Sensorik und der Einsatz grüner Technologien. Gefordert ist ein System, das in allen denkbaren Zukunftsszenarien einsatzfähig bleibt.

Der technische Fokus liegt auf der Systemebene, nicht auf Einzelkomponenten. Das Preliminary Design Review bildet dabei einen entscheidenden Meilenstein. Der EDF verlangt den Nachweis realer Leistungsfähigkeit unter militärischen Sicherheitsstandards. Ziel ist kein reines Studienprojekt, sondern ein greifbarer Technologiesprung.

Feuerkraft, Sensorik und Vernetzung

Die Ausschreibung legt den Schwerpunkt klar auf die Feuerkraft. Der Kampfpanzer soll ein optimales Verhältnis von Mobilität, Schutz und Bewaffnung bieten, wobei die Hauptwaffe priorisiert wird. Ein Autolader ist Pflicht, ebenso Munitionskapazität für 20 Gefechte.

Die Hauptbewaffnung muss intelligente und programmierbare Munition nutzen können und Wachstumspotenzial besitzen. Hohe Ersttrefferwahrscheinlichkeit gegen bewegliche Ziele ist zwingend. Ergänzt wird dies durch automatisierte Bedrohungserkennung, Zielverteilung über das Bordnetz und volle Konformität zu Standards wie STANAG 4754 NGVA. Vernetzung ist kein Zusatz, sondern Kernanforderung.

Schutzkonzept gegen moderne Bedrohungen

Das Schutzkonzept ist außergewöhnlich umfassend. Der MBT muss gegen chemische Waffen, IEDs, RPGs, HEAT, ATGMs der dritten Generation, Loitering Munitions und FPV-Drohnen geschützt sein. Auch kinetische Bedrohungen ab mindestens 125 mm sowie APFSDS-Geschosse sind explizit genannt.

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Hinzu kommen Anforderungen an den Schutz vor elektronischer Kriegsführung, Cyberangriffen und gerichteten Energiewaffen. Ein aktives Schutzsystem ist verpflichtend und muss mehrere Bedrohungen abwehren können. Passive und reaktive Schutzmodule sollen modular anbaubar sein. Schnellnebelsysteme zur Unterbrechung der Sichtlinie werden ebenfalls gefordert.

Mobilität, Antrieb und „grüne“ Technologien

Mobilität bleibt trotz Fokus auf Feuerkraft ein zentrales Kriterium. Der Panzer soll mindestens 60 km/h auf der Straße und 40 km/h im Gelände erreichen. Die durchschnittliche Reichweite muss 600 km betragen, im Gefecht mindestens 350 km. Auch anspruchsvolle Geländefähigkeiten sind definiert, von Watttiefen bis zur Grabenüberwindung.

Beim Antrieb fordert der EDF die Reduktion fossiler Brennstoffe und die Berücksichtigung der CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus. Gleichzeitig müssen militärische Emissionsanforderungen im Einsatz umgehbar sein. Der Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Kriegsfähigkeit ist ausdrücklich Teil der Vorgaben.

Industriepolitischer Hintergrund und laufende Programme

Die Ausschreibung baut auf zwei parallelen EDF-Projekten aus dem Jahr 2024 auf: MARTE und FMBTech. MARTE wird von der MARTE ARGE GbR unter Führung von Rheinmetall und KNDS Deutschland koordiniert und umfasst 47 Partner.

FMBTech hingegen ist stärker französisch geprägt und wird von Thales koordiniert. Hintergrund ist ein industriepolitischer Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich im EDF-Call 2023. Parallel existiert weiterhin das deutsch-französische MGCS-Projekt. Offen ist, ob der neue europäische MBT später in dieses System integriert wird.

Zentrale technische Anforderungen im Überblick

Kategorie Vorgabe
Technischer Reifegrad TRL ≥ 6 auf Systemebene
Budget ca. 125 Mio. Euro
Besatzung nicht explizit festgelegt
Höchstgewicht max. 60.000 kg (+15 % Wachstum)
Hauptbewaffnung Autolader, programmierbare Munition
Schutz APS, modularer Zusatzschutz, EW- & Cyberabwehr
Geschwindigkeit ≥ 60 km/h Straße, ≥ 40 km/h Gelände
Reichweite ≥ 600 km (Ø), ≥ 350 km im Gefecht
Vernetzung < 100 ms Latenz, externe Sensorintegration
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Fazit

Die EDF-Ausschreibung markiert einen Wendepunkt für Europas Panzerentwicklung. Erstmals werden technologische, operative und industriepolitische Ziele in dieser Tiefe zusammengeführt. Feuerkraft, Schutz und Vernetzung stehen im Zentrum, ergänzt durch Nachhaltigkeit und strategische Autonomie. Entscheidend wird sein, ob MARTE, FMBTech und MGCS sinnvoll zusammenfinden. Der künftige europäische Kampfpanzer könnte so zum Symbol einer handlungsfähigen europäischen Verteidigungsindustrie werden.

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