Polen baut das „East Shield“ (Tarcza Wschód) zur Sicherung der NATO-Ostflanke

Polen baut derzeit das „East Shield“ (polnisch: Tarcza Wschód, deutsch: Ostschild) – eines der ambitioniertesten Verteidigungsprojekte Europas seit dem Kalten Krieg. Seit 2024 entsteht entlang der Ost- und Nordostgrenze zu Russland und Belarus ein mehrschichtiges Verteidigungssystem. Das Programm ist auf die Sicherung der NATO-Ostflanke ausgelegt, kombiniert klassische Befestigungen mit moderner Überwachungstechnologie und reicht bis zu 50 Kilometer ins Landesinnere. Mit einem Budget von rund 2,4 Milliarden Euro soll das Projekt bis 2028 abgeschlossen sein.

Polen baut das „East Shield“ (Tarcza Wschód) zur Sicherung der NATO-Ostflanke
Polen baut das „East Shield“ (Tarcza Wschód) zur Sicherung der NATO-Ostflanke

Das Wichtigste in Kürze

  • Polen errichtet mit dem „East Shield“ eine bis zu 800 km lange Verteidigungslinie an der NATO-Ostgrenze
  • Das Projekt läuft von 2024 bis 2028 und kostet rund 2,4 Milliarden Euro
  • Kernelemente sind Panzergräben, Betonhindernisse, Bunker und moderne ISR-Systeme
  • Die Maßnahmen reichen teilweise bis 50 km ins polnische Hinterland
  • Das Programm ist eng mit NATO-Partnern und der Baltic Defence Line abgestimmt

Was ist das East Shield (Tarcza Wschód)?

Das East Shield ist ein polnisches Verteidigungsprogramm zum Schutz der NATO-Ostflanke. Es kombiniert physische Sperren, Überwachungssysteme und militärische Infrastruktur entlang der Grenze zu Russland und Belarus.

Strategische Zielsetzung des East Shield

Das East-Shield-Programm verfolgt vier klar definierte strategische Hauptziele. Erstens wird der Ausbau der ISR-Fähigkeiten vorangetrieben.

Dazu zählen Drohnen, bodengebundene Sensorik, Radar und satellitengestützte Aufklärung.

Zweitens soll die Beweglichkeit potenzieller Angreifer massiv eingeschränkt werden. Panzergräben, Betonhindernisse und sogenannte Drachenzähne erschweren schnelle Durchbrüche.

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Drittens wird gezielt die Mobilität polnischer und verbündeter NATO-Truppen verbessert. Straßen, Brücken und Zufahrten werden verstärkt.

Viertens dient das Projekt dem Schutz von Soldaten und Zivilisten. Dafür entstehen Bunker, Schutzräume und rückwärtige Sicherungszonen.

Umfang und geografische Ausdehnung der Befestigungen

Das East Shield sichert eine Grenzlinie von etwa 700 bis 800 Kilometern. Sie verläuft entlang der Grenze zu Belarus sowie zur russischen Kaliningrad-Enklave. Betroffen sind insbesondere die Woiwodschaften Ermland-Masuren, Podlachien, Lublin und das Karpatenvorland.

Die Verteidigung beschränkt sich nicht auf die unmittelbare Grenzlinie. Vielmehr entstehen gestaffelte Verteidigungsräume bis zu 50 Kilometer im Landesinneren. Dadurch wird Tiefe geschaffen. Angreifer sollen nicht nur gestoppt, sondern dauerhaft gebunden werden. Das Konzept folgt klaren NATO-Planungsprinzipien.

Technische Komponenten und Verteidigungslinien

Das East Shield setzt auf ein dreistufiges Verteidigungsmodell. Die erste Linie besteht aus tiefen Panzergräben mit bis zu vier Metern Tiefe. Dahinter folgen massive Betonhindernisse wie sternförmige Igel und Drachenzähne. Die dritte Linie umfasst getarnte Bunker, Feuerstellungen und Schutzräume.

Ergänzt wird dieses System durch Minenfelder und Minenstreusysteme wie Baobab-K. Zusätzlich entstehen bis zu 140 ISR-Masten mit IMINT-, SIGINT- und ECHO-Sensorik. Natürliche Barrieren wie Sümpfe und Flussläufe werden bewusst integriert.

Baufortschritt und logistische Infrastruktur

Der Bau des East Shield begann im November 2024. Erste Testabschnitte, darunter ein 2,3 Kilometer langer Streifen, wurden im Dauerbetrieb errichtet. Bis Mitte 2025 schloss Polen Verträge im Wert von über 300 Millionen PLN für Ausrüstung und Maschinen ab. Allein Baumaschinen kosten rund 137,5 Millionen Euro.

Parallel entstehen über 100 Logistikdepots. Diese lagern Stacheldraht, mobile Barrieren und Grabenausrüstung. Jedes Depot deckt etwa fünf Kilometer Grenzbereich ab. Zwei Anlagen sind bereits fertiggestellt, zwölf weitere im Bau.

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Regionale Schwerpunkte: Ermland-Masuren, Podlachien und Lublin

In Ermland-Masuren entsteht der erste großflächige Testabschnitt. Bis Juli 2025 sollen dort rund 20 Kilometer fertiggestellt sein. Die Region nutzt zusätzlich natürliche Hindernisse wie die Biebrza-Sümpfe.

In Podlachien und Lublin liegt der Fokus auf Gegenmobilität. Minenstreusysteme, ISR-Masten und gestaffelte Grabenlinien prägen das Bild. Über 100 Depots sichern die schnelle Reaktion. Alle Maßnahmen sind regional angepasst. Gelände, Infrastruktur und Bedrohungslage bestimmen die Ausführung.

Karpatenvorland und internationale Einbindung

Im Karpatenvorland liegt der Schwerpunkt auf Mobilität und Infrastruktur. Flussufer werden verstärkt, Brückenköpfe gesichert und Zufahrtsstraßen ausgebaut. Viele Bauwerke sind als Dual-Use-Infrastruktur ausgelegt.

Sie dienen zivilen und militärischen Zwecken. International ist das East Shield eng abgestimmt. Deutsche Pioniere der Bundeswehr unterstützen seit April 2025 beim Bau von Schützengräben und Sperren. Zudem ist das Projekt Teil eines größeren NATO-Verbundes. Es ergänzt die Baltic Defence Line der baltischen Staaten und Finnlands.

Fazit

Das East Shield ist weit mehr als ein Grenzzaun. Polen errichtet ein tief gestaffeltes Verteidigungssystem mit klarer NATO-Ausrichtung. Die Kombination aus Technik, Infrastruktur und Natur macht das Projekt strategisch bedeutsam. Bis 2028 entsteht ein neues Sicherheitsniveau an der Ostflanke Europas. Für Polen ist es eine sicherheitspolitische Zäsur. Für die NATO ein zentraler Stabilitätsfaktor.

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