Ausmusterung Bundeswehr: Diese Gründe zählen

Die Musterung bei der Bundeswehr ist mehr als ein kurzer Gesundheitscheck. Ab 2027 gilt für Männer wieder die Musterungspflicht – mit einem sechs Stunden langen Verfahren, das den gesamten Körper und die mentale Belastbarkeit prüft. Viele Rekruten bestehen diesen Test nicht. Der Grund: klare medizinische, körperliche und psychische Ausschlusskriterien. Dieser Text zeigt detailliert, welche Kriterien entscheiden, wer ausgemustert wird, und warum bereits vermeintlich kleine Befunde das Aus bedeuten können.

Ausmusterung Bundeswehr: Diese Gründe zählen
Ausmusterung Bundeswehr: Diese Gründe zählen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Musterung prüft Körper, Psyche und Belastbarkeit über mehrere Stunden hinweg.
  • Körpergröße, Gewicht und Proportionen müssen militärischen Normen entsprechen.
  • Drogenkonsum oder frühere Abhängigkeiten führen meist direkt zur Untauglichkeit.
  • Herz-, Rücken-, Seh-, Hör- und Stoffwechselerkrankungen sind häufige Ausschlussgründe.
  • Auch psychische Erkrankungen können dauerhaft zur Ausmusterung führen.

Wann wird man bei der Bundeswehr ausgemustert?

Man wird ausgemustert, wenn gesundheitliche, körperliche oder psychische Kriterien die Einsatzfähigkeit einschränken. Dazu zählen extreme Körpermaße, schwere Erkrankungen, Suchtprobleme oder psychische Störungen.

Körpergröße, Gewicht und Normmaße

Die Bundeswehr arbeitet mit festen Normen. Männer unter 1,55 Meter gelten als zu klein, über 2,10 Meter als zu groß. Der Grund ist pragmatisch. Uniformen, Fahrzeuge und Schlafplätze sind standardisiert. Auch ungewöhnlich lange Arme oder Beine können Probleme bereiten.

Beim Gewicht gelten ebenfalls klare Grenzen. Die Untergrenze liegt bei 45 Kilogramm. Starkes Übergewicht führt ebenfalls zur Untauglichkeit. Ein BMI über 40 schließt den Dienst aus. Bei 1,80 Meter Körpergröße liegt die Grenze bei etwa 130 Kilogramm. Diese Vorgaben sollen sicherstellen, dass Soldaten dauerhaft belastbar bleiben.

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Übersicht: Körperliche Grenzwerte

Kriterium Grenze
Mindestgröße 1,55 m
Maximalgröße 2,10 m
Mindestgewicht 45 kg
BMI-Grenze > 40 = untauglich

Drogen, Alkohol und Suchtgeschichte

Ein positiver Drogentest bei der Musterung bedeutet sofortiges Aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob Cannabis, Kokain oder Tabletten nachgewiesen werden. Auch frühere Abhängigkeiten gelten als hohes Risiko.

Die Bundeswehr setzt vollständige Einsatzbereitschaft voraus. Wer eine dokumentierte Suchtgeschichte hat, wird in der Regel nicht zugelassen. Alkohol in Maßen ist kein Problem. Alkoholabhängigkeit oder gescheiterte Entzüge hingegen schon. Der Dienst verlangt absolute Zuverlässigkeit, auch unter Stress und Gefahr.

Herz, Kreislauf und Atemwege

Das Herz spielt bei der Musterung eine zentrale Rolle. Angeborene Herzfehler oder relevante Rhythmusstörungen führen häufig zur Ausmusterung. Auch stark erhöhter Blutdruck kann problematisch sein.

Chronische Atemwegserkrankungen zählen ebenfalls zu den Ausschlusskriterien. Wer dauerhaft ein Asthmaspray benötigt, gilt als nicht voll einsatzfähig. Besonders streng wird bei Ohnmachten geprüft. Schon eine ungeklärte Bewusstlosigkeit kann reichen, um dauerhaft untauglich zu sein. Sicherheit hat hier oberste Priorität.

Rücken, Füße und Bewegungsapparat

Der Bewegungsapparat entscheidet oft über Bestehen oder Scheitern. Platt- oder Spreizfüße sind bei starker Ausprägung problematisch. Gleiches gilt für ausgeprägte O-Beine.

Bandscheibenvorfälle oder eine starke Skoliose gelten als klare Ausschlussgründe. Die Belastungen im Gefecht sind hoch und dauerhaft. Auch chronische Knie- oder Hüftprobleme führen häufig zur Untauglichkeit. Selbst ein eingewachsener Zehennagel kann vorübergehend zur Nicht-Musterung führen, bis er behandelt ist.

Sehkraft, Gehör und Zahngesundheit

Die Sehkraft muss bestimmte Mindestwerte erreichen. Mit einer Brille sind bis etwa –8 oder +8 Dioptrien erlaubt, wenn die Korrektur ausreicht. Wer eine Brille benötigt, sie aber nicht trägt, fällt durch.

Schwerhörigkeit oder Taubheit schließen den Dienst aus. Kommandos, Funkverkehr und Warnsignale müssen eindeutig verstanden werden. Auch der Zustand der Zähne wird geprüft. Schwere Karies, fehlende Zähne oder Kieferfehlstellungen können zur Einstufung als vorübergehend nicht tauglich führen.

Psychische Erkrankungen und chronische Leiden

Die Musterung prüft auch die mentale Belastbarkeit. Depressionen, Angststörungen oder ADHS können je nach Ausprägung zur Ausmusterung führen. Schizophrenie und andere schwere psychische Erkrankungen gelten als klares Ausschlusskriterium.

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Chronische Krankheiten wie insulinpflichtiger Diabetes, Epilepsie, HIV, Hepatitis oder Autoimmunerkrankungen machen den Dienst unmöglich. Schon ein einzelner Krampfanfall in der Vorgeschichte kann für eine dauerhafte Untauglichkeit ausreichen. Der militärische Alltag lässt keine gesundheitlichen Risiken zu.

Widerspruch gegen den Musterungsbescheid: Ihre Rechte

Nicht jede Entscheidung der medizinischen Kommission muss endgültig sein. Wer mit seinem Bescheid zur Ausmusterung Bundeswehr nicht einverstanden ist, hat das Recht, innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einzulegen. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn neue fachärztliche Gutachten vorliegen, die eine Heilung oder Verbesserung eines zuvor festgestellten Mangels belegen.

Oft empfiehlt es sich, einen spezialisierten Rechtsanwalt für Verwaltungsrecht hinzuzuziehen, um die Erfolgsaussichten eines Zweitgutachtens zu prüfen. Ein erfolgreicher Widerspruch kann die Einstufung von T5 (untauglich) auf T2 (tauglich mit Einschränkungen) ändern und den Weg in die Streitkräfte doch noch ebnen.

Tauglichkeitsgrade und ihre Bedeutung für die Laufbahn

Die Einstufung in Tauglichkeitsgrade entscheidet maßgeblich über Ihre Verwendungsmöglichkeiten. Während T1 die uneingeschränkte Tauglichkeit für alle Verwendungen darstellt, bedeutet T2 meist nur kleine Einschränkungen (z.B. kein Fallschirmjägerdienst). Die Ausmusterung Bundeswehr erfolgt formal bei Erreichen des Grades T5.

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zum Grad T4: Dieser steht für eine vorübergehende Dienstuntauglichkeit. Wer aufgrund einer heilbaren Verletzung oder einer temporären Erkrankung als T4 eingestuft wird, erhält die Chance auf eine Nachmusterung nach Ablauf eines festgelegten Zeitraums. Dies verhindert eine endgültige Ausmusterung, wenn die Prognose auf Genesung positiv ausfällt.

Fazit

Die Musterung ist ein kompromissloser Filter. Sie trennt belastbare Rekruten von jenen, deren Gesundheit im Dienst gefährdet wäre. Viele scheitern nicht an Motivation, sondern an klaren medizinischen Fakten. Wer weiß, welche Kriterien zur Ausmusterung führen, kann realistisch einschätzen, ob der Weg zur Bundeswehr offensteht oder bereits vor der Kaserne endet.


FAQ:

Kann man wegen Sehschwäche ausgemustert werden?

Eine starke Sehbehinderung kann zur Ausmusterung führen, wenn sie die Mindestanforderungen für den Dienst unterschreitet. In der Regel ist eine Korrektur durch Brille oder Kontaktlinsen bis zu gewissen Dioptrien-Werten jedoch mit dem Dienstgrad T2 vereinbar.

Was passiert bei einer Ausmusterung mit T5?

Die Einstufung T5 bedeutet, dass Sie dauerhaft nicht für den Dienst in der Bundeswehr geeignet sind. Damit ist das Bewerbungsverfahren beendet und eine spätere Wiedereinstellung in der Regel ausgeschlossen.

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Führt Kiffen zur direkten Ausmusterung?

Der Konsum von Betäubungsmitteln ist mit dem Soldatenstatus unvereinbar und führt beim Nachweis im Urintest meist zur sofortigen Ablehnung. Wiederholter Konsum oder eine Abhängigkeit resultieren in einer dauerhaften Ausmusterung aus charakterlichen Gründen.

Kann man trotz Allergien Soldat werden?

Leichte Allergien wie Heuschnupfen führen meist nur zu Verwendungseinschränkungen, nicht zur kompletten Ausmusterung. Schwere, lebensbedrohliche Allergien (z.B. Wespenstichallergie) können jedoch eine Einstufung als T5 zur Folge haben.

Wird man bei Rückenproblemen sofort ausgemustert?

Chronische Wirbelsäulenschäden oder schwere Bandscheibenvorfälle sind häufige Gründe für eine Ausmusterung bei der Bundeswehr. Leichte Haltungsschäden werden oft als T2 eingestuft und schränken lediglich bestimmte Tätigkeiten ein.

Was ist der Unterschied zwischen T4 und T5?

T4 bedeutet eine vorübergehende Untauglichkeit, nach der eine spätere Nachmusterung möglich ist. T5 ist hingegen die endgültige und dauerhafte Ausmusterung aus dem Dienstverhältnis.

Kann ich mich nach einer Ausmusterung erneut bewerben?

Wenn die Gründe für die Ausmusterung weggefallen sind (z.B. nach einer OP bei T4), ist eine erneute Bewerbung möglich. Bei einer dauerhaften Ausmusterung (T5) ist eine Zweitbewerbung meist nur nach erfolgreichem Widerspruchsverfahren zulässig.

Führen Tätowierungen zur Ausmusterung?

Tätowierungen sind generell erlaubt, solange sie nicht verfassungsfeindlich oder diskriminierend sind. Sie dürfen jedoch im Dienst das äußere Erscheinungsbild nicht ungebührlich stören oder Sicherheitsrisiken bergen.

Wird die Psyche bei der Musterung geprüft?

Ja, im Rahmen des psychologischen Gesprächs wird die mentale Belastbarkeit und Eignung intensiv hinterfragt. Schwere psychische Vorerkrankungen führen unweigerlich zur Ausmusterung, um die Sicherheit im Dienst zu gewährleisten.

Werden die Kosten für die Anreise zur Musterung erstattet?

Die Bundeswehr übernimmt in der Regel die notwendigen Reisekosten zum Karrierecenter im Rahmen des Bewerbungsverfahrens. Hierzu erhalten Bewerber vorab entsprechende Gutscheine oder Informationen zur Reisekostenabrechnung.

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