Neues Tarnmuster Bundeswehr: Multitarn statt Flecktarn

Neue Optik für die Truppe: „Mittelfristig“ Multitarn statt Flecktarn für alle – diese Aussage markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der Ausstattung der Bundeswehr. Nach über drei Jahrzehnten soll das bekannte Flecktarn-Muster abgelöst werden. Künftig ist geplant, alle Soldatinnen und Soldaten einheitlich mit dem Tarnmuster Multitarn auszustatten. Das Verteidigungsministerium bestätigt eine mittelfristige Umstellung. Ziel ist eine flexiblere, einsatzorientierte und logistisch vereinfachte Ausstattung der gesamten Truppe.

Neues Tarnmuster Bundeswehr: Multitarn statt Flecktarn
Neues Tarnmuster Bundeswehr: Multitarn statt Flecktarn

Das Wichtigste in Kürze

  • Multitarn soll mittelfristig das neue Standard-Tarnmuster der Bundeswehr werden
  • Flecktarn in Drei- und Fünffarb-Varianten entfällt vollständig
  • Multitarn wurde vom Bundeswehr-eigenen WIWeB entwickelt
  • Das Muster ist für verschiedene Klima- und Vegetationszonen geeignet
  • Einheitliche Tarnung reduziert logistischen Aufwand und Identifizierungsrisiken

Warum stellt die Bundeswehr von Flecktarn auf Multitarn um?

Die Bundeswehr plant die Umstellung, weil Multitarn für unterschiedliche Einsatzgebiete geeignet ist, logistische Prozesse vereinfacht und eine einheitliche Tarnung aller Soldaten ermöglicht.

Multitarn als neues Standard-Tarnmuster der Bundeswehr

Die zentrale Botschaft lautet eindeutig: Mittelfristig wird Multitarn das neue Standard-Tarnmuster der Truppe. Damit verabschiedet sich die Bundeswehr von einem System, das seit den frühen 1990er-Jahren Bestand hatte. Flecktarn war lange ein Symbol deutscher Streitkräfte.

Dennoch entspricht es nicht mehr den heutigen Anforderungen moderner Einsätze. Multitarn hingegen wurde gezielt für variable Einsatzräume entwickelt. Es funktioniert in mitteleuropäischen Wäldern ebenso wie in trockenen oder urbanen Regionen. Diese Vielseitigkeit macht zusätzliche Tarnvarianten überflüssig. Genau darin liegt der strategische Mehrwert der Umstellung.

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Bestätigung durch das Verteidigungsministerium

Das Bundesministerium der Verteidigung bestätigte die Pläne offiziell auf Nachfrage. In einer bewusst nüchternen Formulierung erklärte das Ministerium, dass die Ausstattung der Streitkräfte auf einen Umfang von 460.000 Soldatinnen und Soldaten ausgelegt werde.

Kurzfristig sollen die Bestände an Kampfbekleidung deutlich erhöht werden. Parallel dazu wird die langfristige Versorgung vertraglich abgesichert. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Planung ist die mittelfristige Umstellung auf den Multitarndruck. Konkrete Zeitpläne oder Kosten wurden nicht genannt. Begründet wird dies mit laufenden Beschaffungs- und Vertragsprozessen.

Entwicklung und Vorteile des Multitarn-Musters

Multitarn ist keine externe Lizenzlösung. Das Muster wurde vor rund zehn Jahren vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) entwickelt. Ziel war ein universell einsetzbares Tarnmuster. In praktischen Erprobungen, unter anderem während des Afghanistan-Einsatzes, zeigte Multitarn eine hohe Anpassungsfähigkeit.

Es vereint Farbflächen so, dass Konturen in unterschiedlichen Umgebungen effektiv aufgelöst werden. Ein entscheidender Vorteil ist der Wegfall separater Beschaffungen für verschiedene Klimazonen. Uniformen, Taschen und Zubehör müssen nicht mehr doppelt vorgehalten werden. Das spart Kosten und reduziert logistische Komplexität.

Kritik an der bisherigen Sonderausstattung der Spezialkräfte

Bislang trugen ausschließlich Spezialkräfte Multitarn. Diese Praxis stieß auch innerhalb der Truppe auf Kritik. Besonders problematisch war die klare Identifizierbarkeit von Soldaten des Kommandos Spezialkräfte oder der Kampfschwimmer. In gemischten Verbänden hoben sie sich optisch sofort ab.

Das widerspricht dem Prinzip der Tarnung und kann im Einsatz gefährlich sein. Auch aus den Reihen der Spezialkräfte selbst kam Unmut. Die geplante Ausstattung aller Soldatinnen und Soldaten mit Multitarn beseitigt dieses Problem vollständig. Einheitliche Tarnung erhöht die operative Sicherheit und stärkt den Verbundgedanken innerhalb der Truppe.

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Interne Widerstände und der Wandel in der Rüstungsabteilung

Lange Zeit hielt das Verteidigungsministerium an Flecktarn fest. Ein Grund dafür sollen interne Widerstände gewesen sein. Aus dem Wehrressort wird berichtet, dass insbesondere Vizeadmiral Karsten Stawitzki, Leiter der Rüstungsabteilung, als Gegner eines flächendeckenden Multitarn galt. Ihm wird der Vergleich mit Sommer- und Winterreifen zugeschrieben.

Demnach brauche es spezialisierte Lösungen statt eines „Ganzjahresreifens“. Interessant ist, dass diese Haltung inzwischen offenbar an Einfluss verloren hat. Der Bereich Rüstung und Innovation soll künftig einem Staatssekretär unterstellt werden. Das deutet auf strukturelle Veränderungen und neue Prioritäten hin.

Rechtliche und wirtschaftliche Vorteile durch Eigenentwicklung

Der Abschied vom Flecktarn bringt einen weiteren strategischen Vorteil. Multitarn ist eine Eigenentwicklung des Bundes. Damit liegen die Urheberrechte beim Staat. Das erleichtert die Kontrolle über Produktion und Nutzung. Kopien lassen sich zwar nicht vollständig verhindern.

Dennoch kann das Ministerium rechtlich gegen unautorisierte Nachahmungen vorgehen. Passend dazu wurden die Technischen Lieferbedingungen für den Multitarn-Druck am 28. Juli aktualisiert. Diese Vorgaben sind nicht öffentlich zugänglich. Hersteller müssen sich strikt daran halten. Die bisher öffentlich bekannte Version ist bereits 2023 ausgelaufen. Auch das unterstreicht die neue Bedeutung von Multitarn als künftiger Standard.

Fazit

„Mittelfristig“ Multitarn statt Flecktarn für alle ist weit mehr als ein optischer Wechsel. Die Bundeswehr setzt auf Vereinheitlichung, Einsatzflexibilität und rechtliche Kontrolle. Multitarn löst alte Strukturen ab und passt besser zu modernen Einsatzrealitäten. Auch interne Kritikpunkte werden damit entschärft. Der genaue Zeitplan bleibt offen, doch die Richtung ist klar. Für die Truppe bedeutet das eine neue visuelle Identität – und einen praktischen Fortschritt im Einsatzalltag.

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