Schnöggersburg: Europas modernste Übungsstadt

Schnöggersburg – modernstes Übungszentrum des Heeres steht exemplarisch für den tiefgreifenden Wandel militärischer Ausbildung in Deutschland. In Sachsen-Anhalt entsteht mit dem „Urbanen Ballungsraum Schnöggersburg“ eine künstliche Großstadt, die reale urbane Strukturen detailgetreu nachbildet. Ziel ist eine praxisnahe, hochmoderne Ausbildung für den Orts- und Häuserkampf. Das Projekt verbindet Technik, Infrastruktur und taktische Anforderungen auf einem bislang in Europa einzigartigen Niveau und gilt als Herzstück des Gefechtsübungszentrums des Heeres.

Schnöggersburg: Europas modernste Übungsstadt
Schnöggersburg: Europas modernste Übungsstadt

Das Wichtigste in Kürze

  • Schnöggersburg ist die größte militärische Übungsstadt Europas
  • Über 550 Gebäude auf mehr als sechs Quadratkilometern Fläche
  • Teil des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) auf dem Truppenübungsplatz Altmark
  • Fokus auf realistische Ausbildung im urbanen Gelände
  • Gesamtkosten rund 170 Millionen Euro, rein national finanziert

Was ist Übungsstadt Schnöggersburg?

Schnöggersburg ist eine künstlich errichtete Übungsstadt der Bundeswehr, in der Soldatinnen und Soldaten den Einsatz im urbanen Raum realitätsnah trainieren.

Dimensionen und Aufbau der Übungsstadt Schnöggersburg

Schnöggersburg liegt südöstlich von Gardelegen auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide. Die Übungsstadt erstreckt sich über mehr als sechs Quadratkilometer. Auf dieser Fläche entstehen rund 550 Gebäude. Hinzu kommen 16 Kilometer Straßennetz, die unterschiedliche Verkehrssituationen simulieren. Ein künstlicher Flusslauf mit 800 Metern Länge ergänzt das Stadtbild.

Besonders realistisch ist die 600 Meter lange, begehbare Kanalisation mit 20 Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten. Die Stadt ist bewusst unbewohnt. Dadurch kann sie vollständig für militärische Übungen genutzt werden. Mit ihrer Fertigstellung ist sie die größte Ausbildungseinrichtung dieser Art in Europa.

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Merkmal Umfang
Fläche über 6 km²
Gebäude ca. 550
Straßennetz 16 km
Flusslauf 800 m
Kanalisation 600 m

Einbindung in das Gefechtsübungszentrum des Heeres

Schnöggersburg ist integraler Bestandteil des Gefechtsübungszentrums des Heeres, kurz GÜZ. Dieses befindet sich ebenfalls auf dem Truppenübungsplatz Altmark. Das GÜZ ist direkt dem Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig unterstellt. Hier wird das Gefecht der verbundenen Waffen trainiert. Zusätzlich deckt das Zentrum das erweiterte Einsatzspektrum des Heeres ab.

Besonders wichtig ist die Teamausbildung der Stufe E, also auf Ebene eines Einsatzverbandes. Diese Fähigkeit besitzt das GÜZ als einzige zentrale Heeresausbildungseinrichtung. Die Ausbildung erfolgt vorrangig für das Heer. Sie kann aber auch streitkräftegemeinsam oder multinational durchgeführt werden. Schnöggersburg erweitert diese Fähigkeiten gezielt um den urbanen Raum.

Fokus auf Orts- und Häuserkampf im urbanen Gelände

Der „Urbane Ballungsraum Schnöggersburg“ ist speziell für den Orts- und Häuserkampf konzipiert. Die Stadt bildet reale urbane Strukturen detailgetreu nach. Dazu gehören ein Stadtzentrum, Altstadtbereiche und Wohngebiete. Ebenso vorhanden sind Industrie- und Gewerbeareale. Militärische, polizeiliche und kulturelle Einrichtungen sind ebenfalls integriert.

Hinzu kommen Vorstadtbebauung, Parks, Gehöfte und Stadtwaldanlagen. Diese Vielfalt ermöglicht realistische Szenarien. Soldaten trainieren Einsätze in bebautem Gelände unter wechselnden Bedingungen. Dabei werden alle Operationsarten und Eskalationsstufen abgedeckt. Ziel ist eine sichere und effektive Einsatzvorbereitung.

Hochmoderne Technik mit Sensoren und Auswertungssystemen

Nach der Fertigstellung werden mehr als 6000 Sensoren und Kameras in Schnöggersburg installiert sein. Sie erfassen jede Bewegung der übenden Truppen. Die Daten werden zentral gesammelt und ausgewertet. Dadurch ist eine detaillierte Nachbereitung der Übungen möglich. Fehler, Abläufe und Entscheidungen lassen sich exakt analysieren. Diese Technik erhöht die Ausbildungsqualität deutlich.

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Sie ermöglicht objektives Feedback und kontinuierliche Verbesserung. Gleichzeitig steigert sie die Sicherheit während der Übungen. Schnöggersburg setzt damit Maßstäbe für moderne militärische Ausbildungstechnologie in Europa.

Klare Abgrenzung zu Einsätzen im Inneren

Die Bundesregierung hat mehrfach klargestellt, dass Schnöggersburg nicht für Einsätze im Inneren Deutschlands konzipiert ist. Anlass waren parlamentarische Anfragen zur Zweckbestimmung der Übungsstadt. Geübt werden Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung sowie Stabilisierungsoperationen. Diese Einsätze finden typischerweise im Ausland statt.

Bürgerkriegsähnliche Zustände im Inland werden ausdrücklich nicht angenommen. Die Ausbildung dient ausschließlich der militärischen Einsatzvorbereitung. Sie folgt dem parlamentarisch legitimierten Auftrag der Bundeswehr. Damit ist Schnöggersburg sicherheitspolitisch klar eingeordnet.

Kosten, Finanzierung und politische Bedeutung

Für Infrastruktur und Technik wurden zunächst rund 100 Millionen Euro investiert. Die Gesamtkosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf etwa 170 Millionen Euro. Der geplante Abschluss der Baumaßnahmen war für 2021 vorgesehen. EU-Mittel fließen nicht in das Projekt.

Die Finanzierung erfolgt vollständig aus dem Bundeshaushalt. Politisch genießt Schnöggersburg breite Unterstützung. Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestages informierten sich vor Ort. Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion betonte die Bedeutung des neuen Fähigkeitsprofils. Ziel ist die modernste und beste Ausbildungseinrichtung für das Heer.

Fazit

Schnöggersburg – modernstes Übungszentrum des Heeres ist ein Meilenstein der militärischen Ausbildung in Deutschland. Die realistische Übungsstadt vereint Infrastruktur, Technik und Taktik auf höchstem Niveau. Sie stärkt die Einsatzfähigkeit des Heeres im urbanen Raum nachhaltig. Gleichzeitig bleibt der Auftrag klar defensiv und international ausgerichtet. Schnöggersburg steht damit für moderne, verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Streitkräfte.

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