Marschflugkörper Burewestnik: Putins nukleare Superwaffe
Der Marschflugkörper Burewestnik – russisch für „Sturmvogel“, mit der GRAU-Bezeichnung 9M730 und der NATO-Bezeichnung SSC-X-9 Skyfall – gilt als eines der kontroversesten strategischen Waffensysteme Russlands. Er kombiniert einen nuklearen Antrieb mit einem Marschflugkörper-Design und verspricht dadurch eine nahezu unbegrenzte Reichweite. Seit seiner öffentlichen Vorstellung im Jahr 2018 sorgt das System für internationale Aufmerksamkeit, technische Zweifel und sicherheitspolitische Debatten. Besonders die Risiken des Mini-Kernreaktors, aber auch die strategische Rolle als mögliche Dritt-Schlag-Waffe stehen im Fokus.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Nuklear angetriebener Marschflugkörper mit theoretisch unbegrenzter Reichweite
- Mini-Kernreaktor als Turbojet-Antrieb nach Boosterstart
- Unterschallgeschwindigkeit und niedriger Flug für Stealth-Effekte
- Mehrere Fehlschläge, darunter ein tödlicher Unfall 2019
- 2025 erstmals erfolgreicher Langstreckentest über 14.000 km
Was ist der Marschflugkörper Burewestnik?
Der Burewestnik ist ein russischer, nuklear angetriebener Marschflugkörper, der durch einen Mini-Kernreaktor eine extrem große Reichweite erzielen soll und primär als strategische Abschreckungswaffe dient.
Technisches Grundkonzept und Antrieb
Der Marschflugkörper Burewestnik nutzt ein weltweit einzigartiges Antriebskonzept. Nach dem Start wird er zunächst von einem konventionellen Booster beschleunigt. Danach übernimmt ein Mini-Kernreaktor den Turbojet-Antrieb. Dieser Reaktor erhitzt einströmende Luft direkt und erzeugt so Schub. Dadurch entfällt der Bedarf an herkömmlichem Treibstoff. Theoretisch kann der Flugkörper so zehntausende Kilometer zurücklegen. Die Technik ist jedoch extrem komplex und risikobehaftet. Schon kleine Fehler können zu radioaktiven Freisetzungen führen.
| Merkmal | Angaben |
|---|---|
| Antrieb | Nuklearer Turbojet mit Mini-Kernreaktor |
| Geschwindigkeit | ca. 930 km/h (Unterschall) |
| Reichweite | theoretisch > 20.000 km |
| Länge | ca. 9–12 Meter |
| Gewicht | etwa 5–6 Tonnen |
Flugprofil, Reichweite und Tarnung
Der Burewestnik ist für einen niedrigen Konturenflug ausgelegt. Er fliegt nahe am Boden oder über dem Meer. Dadurch soll er Radarsysteme umgehen. Die Unterschallgeschwindigkeit erleichtert präzise Manöver. Gleichzeitig erlaubt sie lange Flugzeiten. Die enorme Reichweite eröffnet ungewöhnliche Angriffsrichtungen. Der Flugkörper könnte Abwehrsysteme umgehen, indem er Umwege fliegt. Kritiker bezweifeln jedoch, dass ein langsames Ziel dauerhaft unentdeckt bleibt. Moderne Sensorik könnte diese Vorteile begrenzen.
Bewaffnung und strategische Einsatzrolle
Primär ist der Burewestnik nuklear bestückt. Er gilt als potenzielle Dritt-Schlag-Waffe. Das bedeutet, er soll auch nach einem massiven Erst- und Zweitschlag einsatzfähig bleiben. Seine Reichweite ermöglicht globale Einsatzszenarien. Startplattformen könnten landgestützt sein. Auch ein Einsatz von Schiffen oder U-Booten wird diskutiert. Damit erhöht Russland die strategische Unsicherheit für potenzielle Gegner. Gleichzeitig wächst das Risiko unbeabsichtigter Eskalationen.
Entwicklungsstand und bekannte Testverläufe
Die Entwicklung des Burewestnik begann spätestens 2017. Viele Tests blieben geheim. Öffentlich bekannt sind jedoch mehrere Fehlschläge. Besonders gravierend war der Unfall 2019 bei Njonoksa. Dabei kam es zu einer Explosion des nuklearen Antriebs. Fünf Spezialisten starben. Messstationen registrierten erhöhte Radioaktivität. Zwischen 2020 und 2024 folgten weitere Tests mit gemischten Ergebnissen. Satellitenbilder zeigten neue Startrampen. Im Oktober 2025 meldete Russland erstmals einen erfolgreichen Langstreckentest.
Chronologie der Tests und Zwischenfälle
Die Testgeschichte des Burewestnik ist von Rückschlägen geprägt. Erste Booster-Tests 2017 und 2018 verliefen teilweise erfolgreich. Ein kompletter Antriebstest gelang damals nicht. Im November 2018 stürzte ein Prototyp ab. Der Unfall von 2019 sorgte international für Aufsehen. Danach folgten Jahre mit wenigen bestätigten Erfolgen. Bis 2021 sollen laut US-Beobachtungen mehrere Fehlstarts erfolgt sein. Der Test 2025 markiert einen Wendepunkt. Dennoch bleiben viele Details unklar.
Risiken, Kritik und internationale Bewertung
Kritiker bezeichnen den Burewestnik als „fliegendes Tschernobyl“. Der offene nukleare Antrieb setzt im Betrieb Strahlung frei. Abstürze könnten ganze Regionen kontaminieren. Umweltorganisationen warnen vor langfristigen Schäden. Militäranalysten zweifeln zudem an der militärischen Effizienz. Moderne Luftverteidigungssysteme entwickeln sich weiter. Langsame Marschflugkörper könnten verwundbar sein. Trotzdem besitzt das System hohen Abschreckungswert. Allein seine Existenz beeinflusst strategische Planungen.
Fazit
Der Marschflugkörper Burewestnik steht für eine neue, riskante Dimension moderner Abschreckung. Sein nuklearer Antrieb verspricht enorme Reichweite, bringt aber massive Umwelt- und Sicherheitsrisiken. Der erfolgreiche Test von 2025 zeigt Fortschritte, doch technische Zweifel bleiben. Strategisch erhöht das System die Unsicherheit weltweit. Ob es je zuverlässig und sicher einsatzfähig wird, ist offen. Klar ist jedoch: Der Burewestnik verändert die Debatte über nukleare Waffen nachhaltig.