IRIS-T SLM: Air-Defense Durchbruch zur See

Die maritime Integration des deutschen Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM markiert einen bedeutenden Schritt für die zukünftige Schutzfähigkeit moderner Marinen. Diehl Defence und Lockheed Martin haben auf der Berliner Sicherheitskonferenz ein wegweisendes MoU unterzeichnet, das die Einbindung von IRIS-T SLM in das Aegis-Waffensystem sowie in die MK41- und MK70-Launcher vorsieht. Erste Tests auf der Fregatte F125 verliefen äußerst erfolgreich. Diese Entwicklung ebnet nun den Weg, das System langfristig in die kommende Fregattenklasse F127 sowie in das Standard-Führungs- und Waffeneinsatzsystem CMS 330 zu integrieren.

IRIS-T SLM: Air-Defense Durchbruch zur See
IRIS-T SLM: Air-Defense Durchbruch zur See

Das Wichtigste in Kürze

  • IRIS-T SLM wurde erfolgreich auf der F125 bei der „Maritime Firing Exercise 2025“ erprobt.
  • Das System soll vollständig in das Aegis-Waffensystem und die MK41/MK70-Launcher integriert werden.
  • Die Trefferquote in der Ukraine lag laut Diehl Defence bei nahezu 100 Prozent.
  • Die Marine zeigte großes Interesse, das System dauerhaft auf der F125 zu behalten.
  • HYDEF soll langfristig als hyperschallschneller Interceptor ebenfalls maritim nutzbar werden.

Wird IRIS-T SLM in das Aegis-Waffensystem integriert?

Diehl Defence und Lockheed Martin haben ein MoU unterzeichnet, das die vollständige Integration von IRIS-T SLM in das Aegis-Kampfsystem sowie in die MK41- und MK70-Launcher vorsieht, um das deutsche Luftverteidigungssystem für maritime Einsatzszenarien weiter auszubauen.

Erfolgreiche maritime Erprobung von IRIS-T SLM

Die ersten maritimen Tests von IRIS-T SLM fanden im Rahmen der „Maritime Firing Exercise 2025“ vor der Küste Norwegens statt. Dabei wurde der Launcher auf der Fregatte F125 BADEN WÜRTTEMBERG platziert und unter realen Einsatzbedingungen erprobt. Die Ergebnisse waren herausragend, denn das System zeigte eine beeindruckende Zuverlässigkeit und Präzision.

Die Marine war nach den Tests so überzeugt, dass sie das System am liebsten auf der Fregatte behalten hätte. Diese hohe Akzeptanz verdeutlicht, wie gut sich das ursprünglich bodengebundene System an die Anforderungen des maritimen Umfelds anpassen lässt. Zudem stärkt der erfolgreiche Testlauf das Vertrauen in die künftige Integration in umfassendere Führungs- und Waffensysteme. Die Erprobung gilt als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur vollen maritimen Einsatzfähigkeit.

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Integration von IRIS-T SLM in das Aegis-Waffensystem

Die Integration von IRIS-T SLM in das Aegis-System ist ein zentraler Schritt für die Modernisierung maritimer Luftverteidigung. Laut Diehl Defence gab es in der Vergangenheit keinerlei Probleme, IRIS-T SLM in unterschiedliche Systeme einzubinden. Dies passt zum Ansatz von Lockheed Martin, Aegis als offenes, modular erweiterbares System zu betreiben.

Das Unternehmen integrierte im letzten Jahr mehrere neue Flugkörper in Rekordzeit. Diese Offenheit schafft optimale Voraussetzungen für eine schnelle, risikoarme Einbindung des deutschen Systems. Damit wird IRIS-T SLM künftig Teil der standardisierten Gefechtsführung moderner Aegis-Schiffe. Darüber hinaus ermöglicht die Integration eine länderübergreifende Interoperabilität, was besonders im NATO-Kontext große Bedeutung hat. Der Schritt gilt daher als strategisch wichtig und technologisch folgerichtig.

Einbindung in MK41- und MK70-Launcher

Ein weiterer Schwerpunkt des MoU liegt auf der Fähigkeit, IRIS-T SLM über die weit verbreiteten MK41- und MK70-Vertikalstartsysteme zu verschießen. Diese Launcher sind in zahlreichen Marinen weltweit im Einsatz und bilden eine Grundlage moderner Schiffsverteidigung. Die Möglichkeit, IRIS-T SLM in diese Systeme einzubinden, erhöht die Flexibilität erheblich.

Dies sorgt dafür, dass Schiffe ohne große bauliche Anpassungen neue Abwehrfähigkeiten erhalten können. Zudem macht es IRIS-T SLM für internationale Nutzer attraktiv, die bereits MK-Launcher betreiben. Diese Kompatibilität erweitert den potenziellen Kundenkreis und erleichtert zukünftige Exportmöglichkeiten. Lockheed Martin und Diehl Defence sehen hier keine technischen Risiken, da die Schnittstellen bereits erprobt und weltweit standardisiert sind. Deshalb gilt die Launcher-Integration als schnell realisierbar.

Erweiterte Fähigkeiten durch SPY-7-Radartechnik

Lockheed Martin betont, dass IRIS-T SLM durch die Nutzung des SPY-7-Radars noch leistungsfähiger werden kann. Dieses moderne S-Band-Radar ist modular aufgebaut und für den Einsatz in Aegis Ashore- und Marineplattformen entwickelt worden. Es bietet hohe Zielverfolgungsqualität und exzellente Reichweitenleistung. Die Integration mit IRIS-T SLM könnte insbesondere die Reaktionsgeschwindigkeit gegen komplexe Luftziele erhöhen.

Dies ist wichtig, da Bedrohungen wie Drohnen, Marschflugkörper und moderne Luftfahrzeuge immer anspruchsvoller werden. Durch die Verbindung von IRIS-T SLM mit SPY-7 entsteht ein Systemverbund, der sowohl taktische als auch strategische Vorteile bietet. Die Systemoffenheit von Aegis erleichtert diese Kombination zusätzlich. Damit entsteht ein zukunftsorientiertes Abwehrnetzwerk moderner Prägung.

Bedeutung für die zukünftige Fregatte F127

Für die nächste Luftverteidigungsfregatte der Deutschen Marine, die F127, spielt die Entscheidung über IRIS-T SLM eine entscheidende Rolle. Laut Helmut Rauch muss die Auswahl zeitnah erfolgen, damit die Integration parallel zur Schiffsentwicklung stattfinden kann. Eine späte Entscheidung könnte zu Verzögerungen oder Zusatzkosten führen.

Da das CMS 330 als zukünftiges Führungs- und Waffeneinsatzsystem bereits auf Aegis setzt, wäre IRIS-T SLM ein natürlicher Bestandteil der Systemarchitektur. Die bisherigen Testergebnisse und die Anschlussfähigkeit an Aegis sprechen klar für das System. Diehl Defence zeigt Bereitschaft, diesen Weg mitzugehen und verweist auf internationale Interessenten aus Europa. Die F127 könnte somit ein starkes maritimes Abwehrpaket erhalten, das auf deutscher und transatlantischer Technologie basiert.

Maritime Einsatzfähigkeit: IRIS-T SLM auf hoher See

Die technologische Flexibilität der IRIS-T SLM wurde kürzlich durch die erfolgreiche Navalisierung unter Beweis gestellt. Bei der Maritime Firing Exercise 2025 vor der Küste Norwegens konnte das System von einer Fregatte der Klasse 125 (Baden-Württemberg-Klasse) erfolgreich Luftziele bekämpfen. Diese Entwicklung schließt eine kritische Fähigkeitslücke der Marine bei der Nah- und Nächstbereichsabwehr.

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Durch die Integration des IRIS-T SLM Systems in bestehende Schiffsarchitekturen wird ein 360-Grad-Schutz gegen Seezielflugkörper und Drohnenschwärme realisiert. Für Betreiber bedeutet dies eine plattformübergreifende Logistik, da derselbe Lenkflugkörper sowohl land- als auch seegestützt eingesetzt werden kann. Diese Synergieeffekte senken die Betriebskosten und erhöhen die operative Verfügbarkeit des IRIS-T SLM Systems in multinationalen Einsatzverbänden erheblich.

Technologische Speerspitze: Das TRML-4D Radar und die Sensorik

Ein Kernstück des IRIS-T SLM Verbunds ist das hochmoderne TRML-4D Multifunktionsradar von Hensoldt. Basierend auf der modernsten AESA-Technologie (Active Electronically Scanned Array) ist dieser Sensor in der Lage, bis zu 1.500 Ziele gleichzeitig in einem Radius von bis zu 250 Kilometern zu detektieren und zu klassifizieren. Das Radar erkennt selbst kleinste, tief fliegende Drohnen sowie hochdynamische Marschflugkörper mit minimalem Radarquerschnitt.

Durch die Vernetzung im Tactical Operation Center (TOC) werden die Daten in Echtzeit verarbeitet, um eine präzise Feuerleitung für die IRIS-T SLM Starter zu gewährleisten. Die Kombination aus aktiver Radarführung und dem bildgebenden Infrarot-Suchkopf (IIR) des Flugkörpers macht das System extrem resistent gegen elektronische Gegenmaßnahmen und Täuschkörper, was die IRIS-T SLM zu einem der weltweit zuverlässigsten Luftverteidigungssysteme macht.

Die Evolution des Systems: IRIS-T SLX und Hyperschallabwehr

Die Entwicklung der IRIS-T SLM Plattform ist mit dem aktuellen Standard noch nicht abgeschlossen. Mit der Variante IRIS-T SLX befindet sich eine Version in der Erprobung, die durch einen leistungsstärkeren Dual-Pulse-Motor eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern und eine Einsatzhöhe von 30 Kilometern erreicht. Parallel dazu wird im Rahmen des europäischen HYDEF-Programms an Technologien gearbeitet, um das System zur Abwehr von Hyperschallbedrohungen zu befähigen.

Diese zukunftssichere modulare Architektur erlaubt es, bestehende IRIS-T SLM Feuereinheiten durch Software-Updates und neue Flugkörpertypen aufzuwerten, ohne die gesamte Infrastruktur austauschen zu müssen. Damit bleibt das System ein zentraler Pfeiler der European Sky Shield Initiative (ESSI) und bietet Schutz gegen die Bedrohungsszenarien der nächsten Jahrzehnte, einschließlich ballistischer Raketen und hochmanövrierfähiger Gleitkörper.

Zukünftige Rolle des hyperschallschnellen Interceptors HYDEF

Neben IRIS-T SLM rückt auch HYDEF zunehmend in den Fokus. Dieser Hyperschall-Interceptor befindet sich noch in der Entwicklung, soll jedoch ebenfalls für maritime Anwendungen ausgerüstet werden. HYDEF wird für Hochgeschwindigkeitsbedrohungen im oberen Leistungssegment konzipiert. Rauch betont, dass IRIS-T SLM und HYDEF künftig gemeinsam die Hauptpfeiler maritimer Luftverteidigung bilden sollen.

Durch ähnliche Schnittstellen lässt sich HYDEF später vergleichsweise einfach in bestehende Systeme integrieren. Damit entstünde ein Luftverteidigungspaket, das sowohl gegen konventionelle Ziele als auch gegen hyperschallschnelle Angriffe wirkt. Diese Kombination könnte Deutschland und Europa im Bereich der maritimen Abwehrtechnologie in eine führende Position bringen. Die internationale Nachfrage zeigt zudem, dass der Markt für solche Lösungen wächst.

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Fazit

Die Integration von IRIS-T SLM in das Aegis-Waffensystem ist ein Meilenstein für die maritime Luftverteidigung und stärkt die Zukunftsfähigkeit der Deutschen Marine erheblich. Mit den erfolgreichen Tests auf der F125, der Kompatibilität zu MK-Launchern und der Perspektive durch HYDEF entsteht ein moderner, skalierbarer Abwehrverbund. Jetzt liegt es an der Politik, die Weichen für die F127 zu stellen. Wer maritime Sicherheit strategisch denkt, kommt an IRIS-T SLM kaum vorbei.


FAQ:

Welche Reichweite hat das IRIS-T SLM System?

Das System verfügt in der aktuellen Konfiguration über eine effektive Reichweite von bis zu 40 Kilometern gegen Luftziele. Die maximale Einsatzhöhe der Lenkflugkörper beträgt dabei etwa 20 Kilometer.

Wer ist der Hersteller der IRIS-T SLM?

Das Luftverteidigungssystem wird federführend vom deutschen Rüstungsunternehmen Diehl Defence entwickelt und produziert. Wichtige Partner wie Hensoldt liefern spezialisierte Komponenten wie das TRML-4D Radarsystem zu.

Wie hoch ist die Trefferquote der IRIS-T SLM im Einsatz?

Berichte aus dem aktuellen Einsatz in der Ukraine bestätigen eine außergewöhnlich hohe Trefferrate von nahezu 100 Prozent gegen diverse Ziele. Selbst komplexe Angriffe durch Marschflugkörper und Drohnenschwärme werden zuverlässig neutralisiert.

Aus welchen Komponenten besteht eine Feuereinheit?

Eine Standard-Feuereinheit besteht aus einem Radargerät, einem taktischen Gefechtsstand (TOC) und drei Startgeräten für jeweils acht Raketen. Ergänzt wird dies durch Logistikfahrzeuge zum Nachladen der Lenkflugkörper.

Was ist der Unterschied zwischen IRIS-T SLS und SLM?

Die Variante SLS ist für den Nahbereich bis zu 12 Kilometern optimiert und nutzt den originalen Luft-Luft-Flugkörper ohne Modifikationen. SLM hingegen nutzt einen vergrößerten Raketenmotor für mittlere Reichweiten bis 40 Kilometer.

Kann das System Hyperschallraketen abwehren?

Derzeit ist das System primär auf Marschflugkörper und Drohnen optimiert, bietet aber bereits gute Voraussetzungen gegen schnelle Ziele. Die spezialisierte Weiterentwicklung zur Abwehr von Hyperschallwaffen erfolgt momentan im Rahmen des HYDEF-Programms.

Wie schnell ist eine IRIS-T SLM Rakete?

Der Lenkflugkörper erreicht Geschwindigkeiten von über Mach 3, was etwa der dreifachen Schallgeschwindigkeit entspricht. Dadurch können auch sehr schnelle Flugzeuge oder anfliegende Raketen rechtzeitig abgefangen werden.

Ist das System mobil einsetzbar?

Sämtliche Komponenten sind auf geländegängigen LKW-Fahrgestellen montiert und können schnell verlegt werden. Dies erhöht die Überlebensfähigkeit des Systems durch häufige Stellungswechsel im Gefecht massiv.

Welche Ziele kann die IRIS-T SLM bekämpfen?

Das Spektrum umfasst Flugzeuge, Hubschrauber, unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen) sowie Marschflugkörper und präzisionsgelenkte Bomben. Durch den Infrarot-Suchkopf ist es dabei unabhängig von gegnerischen Funkstörungen.

Was kostet eine Feuereinheit des IRIS-T SLM Systems?

Der Preis für eine komplette Feuereinheit inklusive Radarsystem und Feuerleitstand wird auf etwa 140 bis 180 Millionen Euro geschätzt. Einzelne Lenkflugkörper kosten je nach Bestellmenge zwischen 400.000 und 600.000 Euro.

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